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Thailand

Kritik Thailand-Buch: Bridging the Gap. Managing the Cross-Cultural Workplace in Thailand, von Kriengsak Niratpattanasai (2004) – 7/10

Der Autor bringt kurze, leicht lesbare und sehr eingängige Kapitel in großen Buchstaben – sie erschienen zuvor wöchentlich in der Bangkok Post. Alles ist sofort nachvollziehbar, geht aber nicht tief. Manchmal hören wir direkt den verallgemeinernden Lehrsatz, manchmal gibt es ein kleines Beispiel aus dem Alltag, bis hin zu „Nantavisal, the cow“. Jedes Beispiel aus…

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Kritik Japan-Roman: Der Schlüssel, von Junichirō Tanizaki (1956) – 7/10

Ikuko, 45, ist unzufrieden mit ihrem Schlappmann, 56. Mitleidlos ätzt sie in ihrem Tagebuch: Ach, wenn er doch nur ein wenig männlicher wäre, etwas stärker, etwas ausdauernder, wie einst in seinen jungen Jahren ((…)) Und wenn er mich wirklich liebt, dann muss er mich auch glücklich machen können. Von der tragischen erektilen Indisponiertheit des Mannes…

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Kritik Hongkong-Memoir: Myself a Mandarin, von Austin Coates (1968) – 7/10

Fazit: Austin Codes präsentiert interessante Konflikte aus dem ländlicheren Hongkong kurz nach 1949 – interessante juristische oder moralische Konflikte und Einblicke in ungewöhnliche Denkweisen. Er schreibt leicht lesbar, sogar gut und elegant, ist jedoch zeitweise selbstgefällig und paternalistisch, auch seine häufige Selbstironie klingt selbstgefällig. Amazon-Werbelinks: Austin Coates | Hongkong | China | Kolonialismus Bezirksbürgermeister: Autor…

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Romankritik: Vladimir, von Julia Jonas May (2022) – 7/10

Der Buchtitel “Vladimir” führt in die Irre: Der Roman handelt überwiegend nicht von den Gelüsten einer verheirateten 58-Jährigen Professorin nach dem gut gebauten, verheirateten 40-jährigen Kollegen russischer Abstammung – und auf den letzten 18 Seiten erscheint Vladimir nicht mehr. Es geht mehr um Wokeness und political correctness an einem kleinen US-College, um die Statthaftigkeit erotischer…

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Romankritik: Am Ende ist es ein Anfang, von Dolly Alderton (2023, engl. Good Material) – 5/10

Der Roman zerfällt in eine Kette von Episoden, mit teils aufdringlich bedeutungsvollen Dialogen und Situationen, gelegentlich gerettet durch etwas Humor, öfter beschädigt durch Vulgarität, dumpfes Kumpeltum und Banalität. Man könnte einzelne Episoden löschen, ohne eine Lücke zu reißen. Dazu kommen schlichte Beziehungsweisheiten; Popreferenzen triggern Pawlowsche Reflexe. Dolly Alderton schreibt offen männerfeindlich. Ihr dämlich sich im…

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Romankritik: Späte Liebe, von Max von der Grün (1977) – 7/10

Die zwei 70-Jährigen kommen schon sehr früh im Roman zusammen, und dann folgen überwiegend heitere Episoden, die Rentnerliebe ist nie gefährdet – keine dramatische RomKom, Happy ever after nach ein paar Seiten. Max von der Grün schreibt betulich, aber nicht muffig; doch er beschreibt eine abschreckend muffige Welt: Häkeldeckchen, röhrender Hirsch, Herzleiden, Rentnerbustour, Minieiffelturm, Skatkumpel…

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Romankritik: Die Stimmen des Abends, von Natalia Ginzburg (1961) – 5/10

Natalia Ginzburg (1916 – 1991) erzählt unverklärte Geschichten aus einem italienischen Kaff kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Sie wechselt unübersichtlich zwischen mehreren Familien hin und her. Die Leute wirken gedrückt und verhuscht, selbst wenn Ginzburg Fröhlichkeit und Reichtum erwähnt. In diesem Dorf wurde “alle vorrätige Lebensenergie schon aufgebraucht“, sagt Hauptfigur Tommasino, das passt. Zudem schreibt…

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Romankritik: So ist es gewesen, von Natalia Ginzburg (1947) – 6/10

Ja, klar, ihr Mann hat sie von oben herab behandelt, ein gefühlloser Lügner und Ehebrecher. Aber ihm deshalb eine Kugel „zwischen die Augen” ballern? Die Ich-Erzählerin von Natalia Ginzburg (1916 – 1991) macht doch selbst alles falsch: sie heiratet den Typ, der erklärtermaßen eine verheiratete Frau liebt und nicht die Ich-Erzählerin. Sie verrät ihm schon…

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Romankritik: Auf allen Vieren, von Miranda July (2024, engl. All Fours) – 7/10

Miranda July sagt viele coole Sätze, die runtergehen wie Sahne auf Mandelmilch-Basis, selbst wenn man sie nicht versteht. Deswegen wurde sie ja auch schon 2012 vom US-Kongress vorgeladen, “to explain exactly what her whole thing is” (Quelle). In einer schäbigen Stadt lässt die Ich-Erzählerin ein schäbiges Motelzimmer, in dem sie vielleicht ein paar Tage bleibt,…

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Romankritik: Das wilde Herz, von Andrea de Carlo (2014) – 5/10

Fazit: Andrea de Carlo liefert über 450 Seiten Machtspiele, Statusängste und Aggression, überwiegend zwischen zwei der drei Hauptfiguren, und er textet klar männerfeindlich. Ab der zweiten Buchhälfte gibt es etwas Erotik, James-Bond-Action und viel Schmalz, hier überzeugt das Buch weniger. De Carlo schreibt meist realistisch, psychologisch genau, mit guten Details und leicht lesbar; doch der…

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Buchkritik: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur, von Andrea Wulf (2015) – 7/10

Fazit: Andrea Wulf bemüht sich intensiv, Alexander von Humboldt als Klimaschützer zu zeigen – der erste ökologische Wissenschaftler, der den Raubbau an der Natur anprangerte statt pries und die Vernetzung allen Lebens betonte. Zudem war von Humboldt pro-divers, antirassistisch, antikolonialistisch und schätzte sogar die Amazonas-Indios, oder zumindest ihre Naturkenntnisse. Die Autorin vertieft sich zudem sehr/zu…

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Buchkritik: Auf dem schwarzen Berg, von Bruce Chatwin, (1982, engl. On the Black Hill) – 7/10 

Bruce Chatwin schreibt schlankes, uneitles Englisch ohne Effekthascherei oder Blabla, aber dekoriert mit vielen Wortantiquitäten. Chatwin kredenzt nur wenige Rückblenden, diese teils unübersichtlich. Es gibt nur eine dräuende Ankündigung kommenden Unheils am Kapitelende: …during the summer of ‘27, there was a very disagreeable incident. Chatwin streut faszinierende Details aus dem historischen Landleben ins Buch –…

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Biografie-Kritik: Die Wahrheit über Trump, von Marcus Kranish, Marc Fisher (2016, engl. Trump Revealed) – 8/10

38 Reporter und 2 Faktenprüfer der Washington Post trieben Anfang 2016 diesen Aufwand, um die Trump-Biografie zu recherchieren: We sent reporters to his ancestral homes in Germany and Scotland, to his childhood neighborhood in Queens and his boarding school in upstate New York, to his college campuses in the Bronx and Philadelphia and to his…

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Biografie-Kritik: Die Wahrheit über Donald Trump, von Michael d’Antonio (2015, 2016, engl. Never Enough bzw. The Truth About Trump) – 7/10

Michael d’Antonio (*1955) verachtet Donald Trump ganz und gar: he prowled the precincts of greed, deception, and depravity… a walking caricature of greedy self-interest… hormonally blessed So direkt spricht er indes nur selten, meist berichtet D’Antonio scheinbar nüchtern, wenn auch mit sozialdemokratischen Einschlag etwa bei der Betonung der Einkommensverteilung über die Jahrzehnte. Dass Trump gefährliche…

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Kritik Sachbuch: Guten Morgen, Güzelim!, von Sevim Çelik-Lorenzen (2022) – 5/10

Die Autorin ist “Malerin, Familientherapeutin und systemische Supervisions- und Institutionsberaterin“. Ihr überraschender Ansatz hier jedoch: Ich stellte nur zwei Fragen. Wie bist du aus der Türkei ausgewandert und wie war es dann in Deutschland für dich? Tiefgang entsteht so nicht, viele Frauen berichten nur rund zwei Seiten lang, eine Bahar gar nur Belangloses auf knapp…

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Romankritik: Kürzere Tage, von Anna Katharina Hahn (2009) – 6/10

Anna Katharina Hahn schreibt psychologisch sehr genau und nachvollziehbar, wenn auch zu dialogarm. Der Roman wurde ins Englische übersetzt und für den Deutschen Buchpreis 2009 gelonglistet. Englischsprachige Romane sind durch die Bank besser als deutsche, aber aus psychohygienischen Gründen muss ich doch um 50% Deutsches lesen; zu diesem Programm gehört auch Kürzere Tage. Amazon-Werbelinks: Anna…

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Romankritik: Ein untadeliger Mann, von Jane Gardam (Old Filth 1 von 3) – 6/10

Vielleicht loben Engländer wie der Guardian den Roman so, weil er urenglische Themen behandelt: die Kolonialerfahrung (“Raj”), Internat (voller “Raj orphans”), gediegene Rituale, Darjeeling-Tee, der harte Nachkriegswinter, Leben und Garteln auf dem Land, einsam Altern, stiff upper lip/unterdrückte Gefühle, Kriegszeiten inkl Bletchley Park und Gallipoli. Nordengland, Malaysia, Südengland, Hongkong, London, Singapur, Ceylon, Sierra Leone. Zeitsprünge:…

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Romankritik: Eine treue Frau, von Jane Gardam (2009, Old Filth 2 von 3, engl. The Man with the Wooden Hat) – 7/10

Jane Gardam schreibt hochatmosphärisch und vielsagende Dialoge. Doch der neunjährige Harry Veneering redet weitaus zu altklug, und gelegentlich klingen knappe Dialoge cool, aber auch unrealistisch. Überraschend auch die junge Hauptfigur Betty: verlobt sich spontan mit einem und schläft danach mit dem anderen, um Tage später #1 zu heiraten. Sie ist selbstgewiss, originell, intelligent, hält wenig…

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Romankritik: Ein Sommerabend, von Cécile Tlili (2024) – 4/10

Wie in anderen Gesellschaftssatiren auch: die Figuren verhalten sich unrealistisch schroff oder schüchtern, und sie passen von vornherein nicht zusammen: (wörtlich) Heimchen am Herd versus mondäne Industrieschickse versus gutaussehender Juristenpartner. Das generiert Spannung und Komik. Warum Mauerblümchen Claudia und der smarte Rechtsanwalt Étienne zusammenleben, ist unklar – aber ergiebig für einen Roman. Amazon-Werbelinks: Alice Munro…

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Thailand

Kritik Thailand-Kurzgeschichten: The Politician, von Khamsing Srinawk (Lao Khamhawm), 3. Ed. 2001 – 6/10

Diese Ausgabe enthält 17 meist knappe Kurzgeschichten über thailändisches Landleben, fünf mehr als frühere Ausgaben. (Und die letzten Texte wirken schwächer, mehr gelabert, weniger geschlossen.) Die Geschichten entstanden zwischen 1953 und 1995. Zwei Geschichten wurden übersetzt von Professor Herbert Philipps, der auch drei Seiten Einleitung schrieb und den Verfasser zwischenzeitlich als Mitarbeiter bei anthropologischen Forschungen…

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Rezi: Hot Topic! 5, 12 pure Versuchungen, Lust zum Lesen!

Wenn überhaupt, sollte man das rosa Heftchen keinesfalls am Stück lesen, sondern mit anderer Lektüre mischen. Die Kurzgeschichten wirken pubertär, aufgesetzt und holzhammererotisch, aber ich bin auch Jahrzehnte älter als die mutmaßliche Zielgruppe (immerhin lese ich Print, so wie dieses Heftchen; tut das die Zielgruppe?). Immer wieder geht es um Tattoos und Piercings, auch in…

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Krimikritik: Maigret zögert, von Georges Simenon (1968) – 6/10

Das ist behagliche Maigret-Unterhaltung in gehobenen Kreisen von Paris, wenn auch mit Konstruktionsmängeln. Atmosphäre und Dialoge überzeugen. Amazon-Werbelinks: Maigret | Georges Simenon |Krimi | Paris-RomanNicht perfekt geplottet: Viel- und Meisterschreiber Georges Simenon (1903 – 1989) überzeugt nicht mit allen Entscheidungen: 1) Show, don’t tell, diesen Grundsatz vergaß Simenon: das komplizierte Verhältnis der Familien Parendon und…

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Buch-Eindruck: Der verschwundene Zeuge – Das kurze Leben des Felix Hartlaub, von Matthias Weichelt (2020)

Die ersten Worte überhaupt in diesem Buch: Kapitel 1 Das Ende Ein paradoxer Einstieg. Vielleicht passt er ja zum bevorstehenden Untergang der Hauptfigur in Berlin 1945. Auch andere Biografien steigen mit dem Tod des Protagonisten ein (ich gendere nicht); ich bin sehr für medias in res, doch diese Form der Dramatisierung wirkt abgeschmackt. Und natürlich…

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Romankritik: Jahre mit Martha, von Martin Kordić (2022) – 4/10

Fazit: Ja, Martin Kordić kann es: Sein Roman fesselt zunächst mit der semi-subtilen Annäherung von Professorin Martha Gruber, 40  an den armem Migrantenjungen „Jimmy“, 15. Und Martin Kordić vergeigt es: Ab der Buchmitte gibt’s von dem wunderlichen Paar nur noch wunderliche snippets; der Ich-Erzähler bejammert v.a. die Verachtung der Biodeutschen für die Kroaten, obwohl die…

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Buchkritik: Ströbele. Die Biografie, von Stefan Reinecke (2016) – 7/10

Ex-taz-Journalist und Schily-Biograf Stefan Reinecke schreibt flüssig und nicht als Ströbele-Fanboy, auch wenn er Ströbeles Anliegen wohl überwiegend teilt. Um Seite 157 weist er ihm aufwändig mangelnde Distanzierung vom Antisemitismus seines Mandanten Dieter Kunzelmann nach; ab etwa 1989 folgt mehrfach heftige Kritik. Amazon-Werbelinks: Die Grünen | Christian Ströbele | Deutsche Politik | Nichts Privates: Reinecke…

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Buchkritik: Unser Deutschlandmärchen, von Dinçer Güçyeter (2023) – 7/10

Türkische und griechische Ich-Erzähler berichten in authentischem Ton (wenn auch einander zu ähnlich) vom Leben in Deutschland seit den späten 1970er Jahren: Die Griechin mit dem türkischen Namen Zeynep beschafft der schwangeren Türkin Fatma (Dinçer-Mama) heiß begehrte Maiskolben, und das im Januar; Amtsrichter Hoeke bringt en passant den jugendlichen Dinçer nach Istanbul sowie in den…

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Romankritik: Die Einladung, von Emma Cline (2023, engl. The Guest) – 7/10

Der Roman ist spannend und stilvoll geschrieben, aber mit Mängeln in der Konstruktion. Die perfekte Netflix-Serie: schöne reiche Leute und Häuser; stets ein Hauch von Bedrohung, Verbrechen, Sex und Fremdschämen; alles käuflich, fake, cool; ein Cliffhänger jagt den nächsten. Billig nur, dass Emma Cline das ganze Buch hindurch die Bedrohung durch Dom erwähnt, ohne Näheres…

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Buchkritik: Das Wiedersehen. Römische Geschichten, von Jhumpa Lahiri (2023, engl. Roman Stories) – 4/10

Auf dem Umschlag steht ihr Name. Und als sie noch in den USA lebte und auf Englisch schrieb, habe ich Jhumpa Lahiri bewundert. Hier jedoch sind viele Kurzgeschichten plakativ, dumpf anklagend, scheinbar aus einer persönlichen Kränkung heraus, oder belanglos, schlecht: Ausländer in Rom erfahren subtile Erniedrigung oder, mehrfach, böse Gewaltattacken. Zugewanderte kommentieren die anstößige Freizügigkeit…

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Ulrike Siegel Bauernhof Dorf

Sachbuchkritik: Ein Hof und elf Geschwister, von Ewald Frie (2023) – 7/10

Ewald Frie schreibt eher allgemein über Veränderungen in der münsterländischen Landwirtschaft seit 1945 (in der Buchmitte mit einer ermüdenden Rückblende bis ca. 1817), gestützt auf ausführliches Quellenstudium. Seine sozialhistorischen Erkenntnisse garniert Frie mit Erfahrungen der eigenen Familie samt Zitaten seiner zehn Geschwister, die aus unterschiedlichen Jahrzehnten berichten. Aber die Frie-Geschwister treten kaum als Individuen hervor,…

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Romankritik: Freedom, von Jonathan Frantzen (2010) – 7/10

Fazit: Das ist kein großes Buch: Die quälend belehrenden Seiten über Umwelt, Vogelwelt, Bevölkerungswachstum und Irakkrieggeschäfte irritieren ebenso wie die verkrampften Rückblenden viele Jahrzehnte zurück gegen Buchende, als ob der Autor schnell noch was nachtragen müsste (auf das niemand wartete). Gleichwohl unterhält der Roman prima: Ich schätze psychologische Genauigkeit, zwischentonreiche Dialoge, den Verzicht (meist) auf…

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Romankritik: Hotel du Lac (1984), von Anita Brookner – 6/10

Beim Einstieg übertreibt Anita Brookner die Heimlichtuerei: unentwegt vermisst die alleinreisende Hauptfigur Edith Hope einen gewissen David; und die Autorin deutet eine Missetat der Hauptfigur an (“that other business”), die ihre Flucht von England ins Genfer Hotel du Lac auslöst – Näheres erfährt der Leser erst ab Seite 118 von 184 in einer harten, überraschenden…

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