Tag Archive for Zentralafrika

Rezension Afrika-Roman: An der Biegung des großen Flusses, von V.S. Naipaul (1979) – 9 Sterne

Fremde in der Fremde, das ist das Thema dieses behäbigen, ruhig dahin fließenden Buchs, wie so oft bei V.S. Naipaul. Der Ich-Erzähler Salim fremdelt gleich mehrfach: Als Inder wächst er an der Ostküste Afrikas auf (wohl in Dar es Salaam oder Sansibar), dann jedoch wechselt er in ein anderes afrikanisches Land tief im Innern (wohl…

Rezension Erzählungen: In einem freien Land, von V.S. Naipaul (1971) – 9 Sterne

Das schmale Bändchen (engl. „In a Free State“) enthält fünf Geschichten, die inhaltlich nicht verbunden sind: Die Titelgeschichte „In einem freien Land“ spielt in Afrika, umfassst rund 120 Seiten und wirkt wie ein kurzer Roman. Zwei weitere Erzählungen belegen je rund 40 Seiten. Dazu kommen zwei sehr kurze Stücke von je rund fünf bis sieben…

Rezension: Ein ausgebrannter Fall, von Graham Greene (Roman 1960, engl. A Burnt-Out Case) – 7 Sterne – mit Presse-Links

Ein berühmter Architekt verbringt anonym einige Wochen auf einer Lepra-Station in Belgisch-Kongo (später Zaire, heute Demokratische Republik Kongo). Er fühlt sich ausgebrannt und ohne Lebenslust, jenseits von Liebe, Gott und Karriere; aber „ausgebrannt“ hat in der Lepra-Behandlung noch eine andere, interessante Bedeutung. Graham Greene (1904 –1991) schreibt knapp, präzise und sehr stimmungsvoll, unaufdringlich genau, reduziert –…

Rezension Reisenotizen: In Search of a Character, von Graham Greene (1961) – 6 Sterne – mit Presse-Links

Die luftig bedruckte 106-Seiten-Fibel enthält zwei Tagebücher Graham Greenes aus Belgisch-Kongo 1959 (heute Demokratische Republik Kongo) und von einer Schiffsreise nach Sierra Leone 1941. Bei der Kongo-Reise sammelt Greene gezielt Material für den geplanten Roman Ein ausgebrannter Fall/A Burnt-out Case. Die knappen Notizen waren ursprünglich nicht zur Veröffentlichung gedacht. Graham Greene stimmte der Buchform allerdings…

Rezension Arzt-Memoiren USA, Kongo: A Doctor’s Life: Unique Stories, von William T. Close (2001) – 6 Sterne

William T. Close (1924 – 2009) blickt auf ein langes, abenteuerliches Arztleben zurück. Er ist zudem Vater der berühmten US-Schauspielerin Glenn Close, die ihm und seiner Frau ein liebevolles Vorwort geschrieben hat. Auf etwa 48 Seiten beschreibt Close seine dramatischen Arzt-Anfänge in New Yorker Armenvierteln seit den 1950er Jahren. Dann folgen etwa 110 Seiten über…

Rezension Entdecker-Biografie Florence und Samuel Baker: Mit dem Herzen einer Löwin, von Pat Shipman (2004; US-Titel To the Heart of the Nile, UK-Titel The Stolen Woman) – 7 Sterne – mit Presse-Links

Die fiktionalisierte Biografie beschreibt das Leben der Afrika-Entdecker Florence und Samuel Baker ab 1859 – ihr Kennenlernen auf einem osteuropäischen Sklavenmarkt und ihre strapaziösen, oft lebensgefährlich dramatischen Reisen auf der Suche nach den Nilquellen. Dabei konzentriert sich Shipman besonders auf Florence Baker (1841 – 1916): Die Ungarin wurde als Kind in Revolutionswirren von ihren Eltern…

Rezension Entdecker-Biografie: Die Liebenden auf dem Nil, engl. Lovers on the Nile, von Richard Hall (1980, über Samuel und Florence Baker) – 6 Sterne

Die Biografie schildert Samuel Bakers (1821 – 1893) strapaziöse Suche nach den Nilquellen ab 1861 und seine späteren wichtigen Aufenthalte in Ägypten und im Sudan. Bakers Unternehmung erinnert an die Nilsucher David Livingstone, Henry Morton Stanley und Richard Francis Burton etwa zur gleichen Zeit. Ungewöhnlich dabei, dass Florence Baker ihren Mann nach Zentralfrika begleitetete und…

Reise-Bericht: Der Traum von Afrika: Eine Frau, ein Fahrrad – die Freiheit, von Pamela Watson (1999) – 8 Sterne

Ein lebendiges, spannendes, mitreißendes Reisebuch – und dabei lustig und voll Selbstironie. Die Autorin steht zu ihren Widersprüchen und Fehlern, beschönigt nichts (soweit erkennbar). Haarsträubendes Verhalten: Ein paarmal verhält sich Watson auf ihrer Reise, die 1992 begann, denkbar bescheuert: Sie radelt unbefestigte Bergstrecken in der Regenzeit. Im muslimisch-strikten Mali steigt sie im Badeanzug in einen…

Kongo: Die Sapeurs von Brazzaville und Kinshasa paradieren mit Mode – mit Videos

Junge Männer in Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, paradieren in aufwändiger Mode und ziehen eine ulkige Show ab. Die Bewegung heißt Les Sapeurs. Sie entstand zuvor in Brazzaville, auf der anderen Seite des Fleuve Congo. Sapeur in der deutschen Wikipedia und in der englischen Wikipedia Amazon-Werbelinks: Ganz Afrika | Südafrika | Kenia | Marokko…

Rezension Deutschland-Afrika-Spielfilm: Die Schlafkrankheit (2011; mit Trailer) – 7 Sterne

Langsame, ruhige Einstellungen, nach meiner Erinnerung komplett ohne Musik, so dass die Musik zum Abspann nach dem abrupten Ende gar nicht passt. Im ersten Teil spielen die Darsteller so beiläufig-natürlich, wie  man es selten sieht. Das Milieu erscheint überzeugend (Regie Ulrich Köhler, mit Pierre Bokma, Jean-Christophe Folly, Jenny Schily). Einige schöne Außenaufnahmen in Kamerun, aber…

Roman-Kritik Ruanda-Genozid: Hundert Tage, von Lukas Bärfuss (2010) – 7 Sterne

Eine explosive Mischung aus Völkermord, körperlicher Liebe, Entwicklungspolitik, Obsession, Afrika, Schuld, innerafrikanischem Rassismus, Gräueln, Blut, Verantwortung, Tierliebe, Gewissenskonflikten, Aids: Sex & Crime maximal, und den zweiten Buchteil sollten Sensible nicht beim Essen lesen. Im Absurdistan der Entwicklungshilfe: Gleich am Anfang wird erwähnt, dass dieser Roman in die Katastrophe schlittert, dass Hauptfiguren leiden werden, aber es…

Rezension Afrika-Natur-Doku: Mythos Kongo (2014) – mit Video – 7 Sterne

Die Dokumentation folgt dem Kongofluss durch Zentralafrika – in sehr großen Sprüngen. Es geht also nicht um ein Land, sondern um das Gewässer, das in Sambia entspringt, lange durch die Demokratische Republik Kongo fließt und in den Atlantik mündet. Amazon-Werbelinks: Ganz Afrika | Südafrika | Kenia | Marokko Starke Eindrücke: Einige seltsame Kreaturen wie den…

Historischer Afrika-Reisebericht: Travels in West Africa, von Mary H. Kingsley (1897) – 6 Sterne

Kingsley schreibt resolut, kurzweilig und mit sehr viel trockenem Humor. Am liebsten spottet sie über sich selbst: wie sie ins Wasser fiel, durch ein Dach fiel, Leoparden, Nilpferde und Krokodile in die Flucht schlug – jedes Ereignis amüsiert sie scheinbar. Allerdings wählt Mary Kingsley oft nicht die Themen, die mich interessieren – Begegnungen mit den…

Meta-Reisebericht aus Afrika: One Dry Season: In the Footsteps of Mary Kingsley, von Caroline Alexander (1990) – 6 Sterne

Alexander befasst sich wohlgemerkt nur mit dem Gabon-Teil von Mary Kingsleys Reisen; sie verbrachte eine Trockenzeit im Land. Kamerun, Sierra Leone oder Südafrika tauchen im Buch nur en passant auf. Alexander gräbt sich teils tief in Kingsleys Bericht ein, spekuliert seitenlang (zu lang) über Reise-Details und geographische Zusammenhänge. Dann wieder reist sie, wie sie selbst…

Bericht: Afrikanisches Maskenspiel: Einblicke in die Religionen Afrikas, von V.S. Naipaul (2010) – 4 Sterne

Immer wieder bemitleidet V.S. Naipaul hungernde Kätzlein. Der Flughafen in Lagos ist chaotisch, das Hotel dann nicht viel besser. This is Africa, aber Naipaul beklagt unermüdlich über hunderte Seiten den Müll in den Straßen, die Staus, die leidenden Tiere und wie die Afrikaner das weiße Erbe herunterwirtschaften. Auf Amazon: V.S. Naipaul Amazon-Werbelinks: Ganz Afrika |…

3 Afrika-Romane in: On the Edge of the Great Rift, von Paul Theroux

Der 1996 erschienene Sammelband On the Edge of the Great Rift enthält drei frühe Afrika-Romane von Paul Theroux, die ich ausführlich jeweils einzeln bespreche: Fong and the Indians, 1968 Girls at Play, 1971 Dschungelliebe, 1971 Hier eine Übersicht über den Sammelband: Die drei Romane des Sammelbands wirken – für den späteren, viel erfolgreicheren Theroux sehr…

Afrika-Satire: Dschungelliebe (engl. Jungle Lovers), von Paul Theroux (1971) – 5 Sterne

Semi-Satire über Revoluzzer und Versicherungsverkäufer in einem verkommenen AfrikaEin amerikanischer, weißer Versicherungsvertreter trampelt durch Malawi in den 60ern; statt Policen zu verkaufen, verrennt er sich zwischen Bretterhütten und Puffschänken. Alternierend erleben wir den ebenfalls weißen Revolutionstruppkommandeur Marais und seine schwarze Schlägertruppe im Dschungelcamp; anders als die Werbung suggeriert, bekommen Versicherungsmann und Revoluzzer wenig miteinander zu…