Spielfilm

Roman + Film: Heiße Küste / The Sea Wall / Un barrage contre le pacifique, von Marguerite Duras (1950, 2008) – 7 Sterne – mit 2 Videos

Marguerite Duras verarbeitet im Roman Heiße Küste ihre eigene, ärmliche Kindheit im Indochina der 1920/1930er Jahre, offenbar in Prey Nob, Kambodscha, zwischen Kampot und Sihanoukville (der Ort auf Google Maps). Sie schildert eine verlotterte Kleinfamilie in öder Einsamkeit, deren landwirtschaftliche Pläne längst scheiterten. Rohheit, Opportunismus, Willkür: Das Buch ist voll Rohheit, Opportunismus (bis hin zu…

Filmkritik: Der Verdammte der Inseln (1951, Regie Carol Reed, mit Trevor Howard, engl. Outcast of the Islands) – 7 Sterne – mit Video

In diesem Film ist immer was los, herrscht immer Bewegung: exotischer Trubel, Mensch und Tier im Kolonialhafen und im Flussdorf, lachende nackte Kinder, die schöne Aissa im nassen Leinenkleid, dramatischer Streit, dramatische Bambusbauten, Tanz, ein rätselhaftes Büblein mit dito Haarschnitt im Kinderkanu, prächtige Zweimaster in aufgewühlter See, Krokodile, Elefanten (gab’s die in Makassar oder Ostborneo?).…

Filmkritik: La folie Almayer bzw. Almayer’s Folly (2011, Regie Chantal Akerman) – mit 2 Videos & weiteren Verfilmungen

Über lange, quälende Strecken zeigt Akermans Film narzisstische Männer beim wonnigen Ansichselbstleiden. Zur Abwechslung schifft eine Teenagerin in einen Durchgang, sie erhält dafür alle Zeit der Welt. Die meisten Szenen spielen im Halbdunkel, dauern sehr lang, haben kaum Worte oder Kamerabewegung und teils bizarr entrückte Anmutung. Der Film soll in Ostborneo mit malaiischer Sprache spielen;…

Kritik TV-Spielfilm: Leberkäseland (2015) – 6 Sterne – mit Video

Moderne türkische Familie mit drei Kindern zieht ins Wirtschaftswunderdeutschland. Er wird dort Zahnarzt, sie Matheprofessorin. Zum prügelnden Relilehrer sagt die Frau: „Meine Kinder sind Atheisten. Schlagen Sie sie niemals.“ Das ist gegen alle interkulturellen Klischees, und damit spielt der TV-Film etwas aufdringlich: die Deutschen sind religiöser, spießiger, bornierter und chaotischer als die Überflieger aus Istanbul.…

Filmkritik: Ein griechischer Sommer (2011) – 7 Sterne – mit Video

Dieser griechische Dorffilm richtet sich an Jugendliche, mag aber auch Oldtimer heiter stimmen. Die Stars: eine Ziege, ein Pelikan und ein paar mediterrane Hügel und Strände, die fast an Mamma Mia erinnern. Die menschlichen Schauspieler sind nichts Besonderes. Und obwohl der Streifen im Deutschen „Ein griechischer Sommer“ heißt, gibt es nur am Rand eine kleine,…

Filmkritik: Paradies: Liebe (2012) – 7 Sterne – mit Video

Vier füllige Österreicherinnen lachen sich im Kenia-Strandurlaub junge, gutgebaute Afrikaner an. Sie wollen an Liebe glauben, werden aber laufend zum Zahlen gedrängt. Ulrich Seidls Film wirkt einerseits sehr dokumentarisch, auch weil er auf jeden Glamour und auf Hintergrundmusik verzichtet; die Gesichter, die Körper, die Innenräume, die Regungen könnten nicht durchschnittlicher sein. Es gibt auch keine…

Filmkritik: Alexander, der Lebenskünstler (1968, mit Philippe Noiret) – 7 Sterne – mit Video

Liebenswerter Bauernschwank aus einem französischen Dorf: Bauer Alexandre (Philippe Noiret) wird von seiner Frau jeden Tag per Walkie-Talkie über alle Felder gehetzt. Dann endlich rafft ein gnädiger Unfall das herrische Weib hinweg, und Alexandre legt sich zwei Monate ins Bett; zuvor lässt er noch alle Tiere frei, und zum Einkaufen schickt er sein gewitztes Hundchen.…

Filmkritik: Crazy Rich (2018, engl. Crazy Rich Asians) – 7 Sterne

Ungewöhnlich für eine *Hollywood*-Produktion: Der Erfolgsfilm auf Basis des Erfolgsbuchs von Kevin Kwan zeigt nur chinesische Gesichter unter chinesischer Regie an asiatischen Schauplätzen. Die Mittelschicht-US-Chinesin Rachel erlebt in Crazy Rich Asians die Welt der chinesisch-stämmigen Superreichen in Singapur, mit atemberaubendem Luxus und schockierenden Intrigen. Die romantische Komödie läuft flockig durch, hat Schwung, die richtige Menge…

Kritik TV-Komödie: Lychees weiß blau (1998) – 7 Sterne

16jährige Thailänderin wird als Sexsklavin nach DE entführt, rettet sich aber in ein hinterwäldlerisches Oberbayerndorf. Dort weckt sie Beschützer-, Begatter- und Abwehrinstinkte – und irgendwann mischen sich Tempel- und Blasmusik. Das ist eine naive Heimatkomödie, noch weniger realistisch als möglich, aber nicht extrem grell oder extrem kitschig. Einige Dörfler haben das Herz liebenswert am rechten…

Filmkritik: Unser Mann in Havanna, mit Alec Guiness (1958) – 6 Sterne – mit Video & Links

Die Romanverfilmung unterhält gepflegt und liefert ein paar interessante Variationen zum zugrunde liegenden Buch von Graham Greene, aber auch viele dicke Kuba-Klischees. Die Schwarzweiß-Bilder wirken teils gefällig, aber nie auffällig gut. Die Hauptfigur Wormold (Alec Guiness) erscheint deutlich lässig-ironischer und weniger sauertöpfisch als im Buch. Seine schon im Roman bizarre, 17jährige devot materialistisch-katholische Tochter Milly…

Filmkritik: Spuren (Australien 2013, engl. Tracks) – 6 Sterne – mit Video

Die spröd-schöne Mia Wasikowska wandert durchs spröd-schöne australische Outback, ertränkt in nie endender, elegischer Musiktunke und edel abgetönter Cinematografie. Die 2,4:1-Breitwandschaft mit Dame erinnert momentweise an Paris, Texas; und sie ruft aufdringlich: „Ich bin SO kino“. Ein paar Kamele und ein schwarzer Labrador begleiten die Hauptfigur, dazu gibt es karge Kindheitserinnerungen, Aborigines und eine Romanze…

Filmkritik: Jenseits von Afrika (1985, mit Meryl Streep, Robert Redford) – 7 Sterne – mit Video

Robert Redford spielt einen gutaussehenden Kleiderständer, auch Meryl Streep agiert eher unterkühlt – die meisten Gefühle schienen in ihrer deutschen Synchronstimme zu liegen. Mehr Ausstrahlung zeigt Klaus Maria Brandauer. Immerhin drückt hier niemand auf die Tränendrüse, weder Schauspieler, Autor noch Komponist. Es gibt viele coole Dialoge und einige fast zusammenhanglos gesprochene Sätze, die deswegen besonders…

Filmkritik: Die letzten Tage in Kenya (1987) – 7 Sterne

Sie geben sich respektabel, gediegen; doch sie feiern derb frivol, einfallsreich und lüstern. Der Film zeigt diese englischen Landherren und -damen in Kenia um 1940 kultiviert sarkastisch, kultiviert schweinigelnd, FSK 16 in der TV-Ausstrahlung. Der deutsche Titel passt ebenso gut wie der englische, White Mischief. Der Film spielt zumeist in Innenräumen, obwohl in Kenia gedreht…

AMAA Awards 2016: „Afrikanische Oscars“ für Filme aus Burkina Faso und Ghana – mit Video

Der AMAA Award 2106 für den besten afrikanischen Film ging an „Eye of the Storm“ aus Burkina Faso. Der ghanaische Film The Cursed One um ein als Hexe stigmatisiertes Dorfmädchen (Trailer unten) war in nicht weniger als 13 Kategorien nominiert und erhielt schließlich drei Titel für Production Design, Kamera und für die Regie von Nana…

Rezension Bangladesch-Film: Aha (2007) – 5 Sterne –mit Video

Ein Witwer bewohnt ein reizvolles, aber verfallendes Herrenhaus in Dhaka, Bangladesch, zusammen mit seiner erwachsenen Tochter, deren kleinem Sohn und einem sinistren Gärtner, der schon einen Mord auf dem Gewissen hat. Soll der Witwer das Haus verkaufen? Die Tochter fängt an, mit einem nicht standesgemäßen Nachbarn auszugehen. Aha kredenzt von Beginn an viele Probleme und…

Rezension Telugu-Komödie: Ye Maaya Chesave (2010) – 7 Sterne – mit Hintergründen & Videos

Streckenweise produziert die Liebesdramödie Fluff vom Zauberhaftesten: Die Bilder schwelgen im Bokeh und sind elegant geschnitten, A.R. Rahman liefert locker-leichte Hintergrundmusik und beschwingte Songs, die exzellent in die Handlung gewoben wurden. Die liebreizende Samantha Ruth Prabhu trägt hellbunte Saris und Salwar-Kameez in federleichter Zeitlupe durch ein verblüffend sauberes und romantisches Haiderabad; dazu kommen starke Bilder…

Filmkritik: Exit Marrakesch (2013, mit Ulrich Tukur, R Caroline Link) – 6 Sterne – mit Video & Presse-Links

Die Geschichte um den 16jährigen, altklugen Ben, der in die marokkanische Wüste ausbüchst und von seinem Theaterregisseur-Vater wieder eingefangen wird, ist dezidiert unrealistisch. Aber das spielt fast keine Rolle, denn Regisseurin Caroline Link kredenzt wie schon in Nirgendwo Afrika zwei Stunden lang prächtige Bilder, hier zumeist in Gold-metallic abgetönt. Samuel Schneider als jugendlicher Ben sieht…

Rezension Indien-Kolonial-Film: Hitze und Staub (1983, Prod. Merchant-Ivory) – 7 Sterne – mit Rezensionen & Video

Über 133 Minuten entsteht kaum Langeweile, trotz einiger Einwände: Der Film schwelgt allzu malerisch in Nostalgie und Indienromantik; Greta Scacchi agiert unrealistisch sinnlich und verführerisch auf dem strengen englischen Kolonialparkett; Shashi Kapoor spielt den Fürsten nicht unwiderstehlich genug; der Musiker Zakir Hussain wirkt als indischer Kleinstadtbeamter weitaus zu westlich und entspannt. Der Film erzählt die…

Kritik Indien-Film: Best Exotic Marigold Hotel (2011) – 7 Sterne – mit Trailer

Komödie: Englische Rentner beziehen ein vergammeltes Hotel in Indien als Altersruhesitz. Die Kulturen clashen, und alte Geheimnisse drängen ans Licht. Fazit: Ich habe gut gelacht, das passiert nicht oft bei Komödien. Das Marigold Hotel kredenzt allerlei Klischees und ist ganz und gar unrealistisch – Spaß aber macht es trotzdem, auch weil die englische Rentnergang so…

Rezension Kinofilm: Beste Chance (2014, Regie Markus H. Rosenmüller, Teil 3 der Beste-Trilogie) – 5 Sterne – mit Trailer & Presse-Links

Im ersten Teil waren sie fast nur in Tandern und Hilgertshausen (Beste Zeit, 2007). In Beste Gegend, 2008, schafften sie es schon bis zum Brenner. Und Teil 3 der Trilogie spielt nun zum guten Teil in Indien: Anna Maria Sturm als Kati und die Bauernväter Andreas Giebel und Heinz-Josef Braun stolpern durch Delhi, Ashrams und…

Filme und Bücher über Weiße in Indien (Auswahl) – mit 5 Videos

In diesen Filmen und Büchern (Auswahl) agieren Europäer oder Amerikaner in Indien – von den Anfängen der Kolonialzeit bis heute: Filme: 2015, Filmkomödie engl. Rentner in Indien: Best Exotic Marigold Hotel 2 2014, Filmkomödie Bayern in Indien: Beste Chance (Regie Markus H. Rosenmüller) 2014, Doku Bayerin liebt Inder: Amma und Appa 2011, Filmkomödie engl. Rentner…

Rezension Entdecker-Film: Land der schwarzen Sonne, engl. Mountains of the Moon, 1990, über Richard Burton und John Speke 1857 – 7 Sterne – mit Presse-Links & Hintergründen

Der 1990er Spielfilm zeigt die strapaziöse 1857er Expedition von Richard Francis Burton und John Speke ins Innere Afrikas, auf der Suche nach der Quelle des Nils. Er besticht durch grandiose und stimmungsvoll abgetönte Bilder aus Kenia, die auch beim zweiten Ansehen mitreißen, durch bombastische Herzschlagmusik und einiges Drama in Afrika wie auch in England –…

Rezension Hindi-Komödie um Todkranken: Dasvidaniya (2008, mit Vinay Pathak) – 2 Videos – 7 Sterne

Vinay Pathak als todkranker Melancholiker steht ganz im Zentrum dieses mild humorvollen Films. Ich habe mich zunächst gut amüsiert, doch im Nachhinein würde ich sagen, dass Pathak zu einseitig ernst und stoisch spielt. Pathaks Film-Mutter Sarita Joshi ist für das Gegenteil zuständig: Sie agiert sehr energisch, mal lächelnd und mal böse, ihren 37jährigen Filmsohn ungeniert…

Rezension Filipino-RomKoms: You Changed My Life (2009, 5 Sterne) – It Takes a Man and a Woman (2013, 7 Sterne) – mit Sarah Geronimo, John Lloyd Cruz – mit Videos

Von der Film-Trilogie mit John Lloyd Cruz und Sarah Geronimo kenne ich bisher nur die Teile 2 und 3, die ich hier gemeinsam bespreche: You Changed my Life (2009, 1. Video) It Takes a Man and a Woman (2013, 2. Video) Der frühere Film ist schwächer: Beide Filme sind Seifenopern, die sich über fast zwei…

Philippinen-Komödie: Four Sisters and a Wedding (2013) – 3 Videos – 6 Sterne

Man packe vier attraktive Filipinas in ein Familienheim. Lasse sie Shorts tragen, beschäftige sie mit Intrigen und Geheimnissen. Den Mix abschmecken mit Liebe, Betrug und Rache, als Nachspeise alberne Comedy. Klingt das nach dem Erfolgsrezept für eine Komödie von den Philippinen? Halbwegs funktioniert es hier: Die Schauspielerinnen sehen klasse aus, und sie spielen zumindest passabel.…

Philippinen, romantische Komödie: Bakit Hindi Ka Crush Ng Crush Mo? (2013) – mit 3 Videos – 6 Sterne

Das ist Teenie-Kram in Babyfarben. Aber ich habe oft gelächelt. Das hier verantwortliche Star-Produktionshaus scheint seine romantischen Komödien nach den immergleichen Regeln (und immer mit Regisseurinnen) zu besetzen. Wichtig sind: Verzicht auf Realität tränenreiche Familienszenen viel Büroleben hohle Popmusik eine Familie reich, die andere Mittelschicht Firmenbosse fast im Teenalter ohne eine Spur von Persönlichkeit Zumindest…

Rezension US-Spielfilm: Love & Basketball (2000) – mit Trailer – 7 Sterne

Der Film begleitet die afroamerikanischen Nachbarn Quincy und Monica über rund 13 Jahre. Erst sind sie Kids, beide spielen gern Basketball. Später werden sie ein Paar, feiern Erfolge im Basketball und – haben so ihre Probleme. Wichtig für den Film sind auch die Familien der beiden Hauptfiguren: beide afroamerikanisch, sehr gut situiert, mit großzügigen, benachbarten…

Adoptivkinder und Leihmütter aus Asien: Filme und Dokus

Einst waren es Call-Center und Outsourcing, doch die Mode-Themen du jour aus Indien und Asien heißen  Leihmutterschaft und Adoptivkinder. Diese Filme kenne ich: Doku Leihmütter in Indien: Ma Na Sapna – Geliehenes Mutterglück (2013) Sehr nahe, sehenswerte Doku über eine nordindische Leihmutter-Klinik (Videos, Links und Besprechung) Doku Adoption in Indien: Zwei Mädchen aus Palna (2006)…

Rezension indischer Spielfilm: Salaam Bombay! (1988, Regie Mira Nair; mit Trailer) – 9 Sterne

Wunderschöne Bilder von schönen Menschen in extrem unschöner Lage. Toll gefilmt, toll recherchiert, an Originalschauplätzen in den Straßen und Kammern des Millionenmolochs, fast eine Dokumentation mit eingestreuter Spielhandlung (die Regisseurin und studierte Havard-Soziologin Mira Nair hatte zuvor Dokumentationsfilme gedreht und suchte ein Doku-artiges sujet, bei dem das Ergebnis besser als bei einer reinen Reportage steuern…

Rezension Korea-Spielfilm: Hanyo – Das Hausmädchen (1960) – mit 2 Videos – 8 Sterne

Bestechend, dramatisch, pathetisch, teils fast schon expressionistisch, fantastisch gefilmt, jedes Bild wirkt wie eine Schwarzweiß-Postkarte aus einer anderen Zeit. Sehr intelligent passend zur Handlung konstruiertes Haus, das viele Einblicke erlaubt, aber auch Schranken aufweist; selten störte es mich so wenig, dass Außenaufnahmen fehlen. Gelegentlich wirkt das Spiel etwas hölzern und ich hätte gut ohne die…