Komödie

Romankritik, Filmkritik: Der Liebesbrief, von Cathleen Schine (1995, 1999, engl. The Love Letter) – 6 Sterne – mit Video

Der Roman (1995, 6 Sterne): Fazit: Cathleen Schine schreibt eine gedruckte romantische Komödie, fluffig, lustig, unrealistisch, etwas belanglos. Die Hauptfigur, Buchhändlerin Helen, ist Ü40, lässig, attraktiv, unliiert und produziert ebenso wie das andere Buchpersonal unentwegt coole Einzeiler – unplausibel, aber vergnüglich. Ein Beispiel (ich kenne nur das engl. Original): You read my mind even when…

Filmkritik Komödie: Julie & Julia (2009, mit Meryl Streep) – 4 Sterne – mit Video

Das ist kein vollwertiger Spielfilm. Es gibt kaum Drama, und die zwei Hauptfiguren begegnen sich nicht, obwohl sie es könnten. Zwischen den zwei Paaren im Mittelpunkt des Films herrscht zumeist allerkuscheligste Harmonie; eine kleine Krise beim jüngeren Paar wirkt unglaubwürdig und löst sich darum schon bald in Luft auf. Meryl Streep spielt die Kochbuchautorin und…

Filmkritik Komödie: Warten auf Mr. Right – Waiting to Exhale (1995, mit Whitney Houston, Angela Basset) – 5 Sterne – mit 2 Videos

Hier gibt’s was auf die Ohren und die Augen: Unentwegt schmeichelt Kuschelrock (genannt R&B, symptomatisch Whitney Houstons Filmsong Exhale (Shoop Shoop)). Und unentwegt sieht man schöne Frauen und ein paar smarte Männer in streng auf Mainstream gebürsteter Edel-Umgebung: Nobelhotelbar, Nobelvillawohnzimmer. Die Edeloptik erinnert an Musikvideos und Werbung, ohne Substanz oder Individualität. Politisch ist der Film…

Filmkritik Komödie: Wie gut ist deine Beziehung (2019, mit Julia Koschitz) – 5 Sterne – mit Video

Wenn Männer zu sehr lieben, dann werden sie krankhaft dämlich: Diese Berliner Hipster-Soap liefert zwar ein paar pfiffige Sprüche und überraschende Wendungen. Sie ächzt aber auch unter all dem dummen, unrealistischen Gerede, das die IT- und Agenturfritzen weinerlich aufsagen, sobald sie mal vom Rad steigen. Hier agieren Warmduscher und verkrampfte Frauenversteher, die auch noch „Steve“…

Filmschmäh: Late Show (1999, Regie Helmut Dietl, mit Thomas Gottschalk, Veronica Ferres) – mit Video

Ich scheiß euch sowas von zu mit meinen Stars, dass ihr keine ruhige Minute mehr habt. Das dachte sich wohl Helmut Dietl, Schöpfer der zauberhaften Serie Kir Royal, und so castete er für seine Holzhammersatire Late Show die Supernasen am deutschen Fernsehmarkt en bloc: nicht nur, aber auch Thomas Gottschalk, Veronica Ferres, Harald Schmidt, Jasmin…

Kritik romantische Komödie: Es ist kompliziert (2015) – 7 Sterne – mit Video

Das ist fast schon Cool Britannia: Die Figuren in dieser Komödie agieren lässig, selbstironisch und witzig, ohne dabei flach, schrill oder allzu melodramatisch zu geraten. (Zunächst.) Das Szenario hat was: Der Mann spricht eine Frau an, die er für seine Blind-Date-Verabredung hält; sie lässt sich von ihm einladen, obwohl sie gar nicht die Gesuchte ist.…

Filmkritik: Wolf of Wall Street (2013, Scorsese, diCaprio) – 7 Sterne – mit Video

Was für eine Orgie aus heißen Weibern/Öfen/Rhythmen/Deals. Dazu Drogen ohne Ende, Gier und grelle Bilder, Niedertracht und Vulgarität. Ein Fest. Über drei Stunden kommt Martin Scorseses pubertär schriller Film über pubertär schrille Geldjongleure kaum zur Ruhe. Gelegentlich überraschen dann wieder übertrieben lange Gespräche und andere Szenen. Die Darsteller sind bis in kleinste Nebenrollen exzellent besetzt…

Kritik Filmkomödie: Stella di Mare – Hilfe, wir erben ein Schiff (1999) – 7 Sterne

Nett verkrachte Wiener Familie steht ein paar Mal vor dem Ruin, wird aber stets durch Erbschaften und Lottogewinne wundersam gerettet. Im Hauptteil bringen sie eine rostige kleine Mittelmeerjacht in Gang (Regie, Kamera Xaver Schwarzenberger; Buch Ulrike Schwarzenberger; mit Erwin Steinhauer, Ulrike Beimpold, Corinne Cléry). Ein kleiner, gefälliger Spaß, der sich selbst nicht ernst nimmt und…

Filmkritik: Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner (2017) – 3 Sterne – mit Trailer

Wer sich fremdschämen möchte, schaut diese verkorkste Komödie. Selten wurden Frauen so dämlich dargestellt: hilflos Männer anschmachtend, esoterikgläubig, autofahrend Fahrräder überrollend, mit der Hand im Briefkasten verkeilt, in Supermarktregale stürzend – und ein Doktor muss zu Hilfe kommen (aber kein Script Doctor). Bridget Jones und das SatC-Kränzchen wirken wie grimmig-damenbärtige Mannsweiber gegen die hysterischen Hühner…

Filmkritik: Ein griechischer Sommer (2011) – 7 Sterne – mit Video

Dieser griechische Dorffilm richtet sich an Jugendliche, mag aber auch Oldtimer heiter stimmen. Die Stars: eine Ziege, ein Pelikan und ein paar mediterrane Hügel und Strände, die fast an Mamma Mia erinnern. Die menschlichen Schauspieler sind nichts Besonderes. Und obwohl der Streifen im Deutschen „Ein griechischer Sommer“ heißt, gibt es nur am Rand eine kleine,…

Filmkritik: Das Leben ist ein Fest (2018) – 7 Sterne – mit Video

Ein französischer Hochzeitsplaner und sein chaotisches Team richten eine Nobelhochzeit im Schloss aus. Da gibt’s allerlei Chaos mit verdorbenem Essen, unwilligen Angestellten, ehrgeizigen Showsängern und natürlich Liebeshändeln. Im Vordergrund stehen die Bediensteten, die Hochzeitsgesellschaft bleibt in der Kulisse. Gelegentlich erklingt perkussive Jazzmusik – eingespielt von Jazzer Avishai Cohen. Die Regisseure und Autoren Olivier Nakache und…

Filmkritik: Plötzlich Vater (2013) – 6 Sterne – mit drei Videos

Der mexikanische Frauenheld Sam steht plötzlich mit einem blonden Baby da, das angeblich seins ist. Rubbldikatz wird er hochbezahlter Stuntman in Hollywood und baut seinem Kiddie eine Kinderzimmer-Traumwelt. Zur Schule geht das Mädchen nur selten, weil es bei allen Drehs für den plötzlichen Papa dolmetscht. Dann taucht die angebliche Mutter nach sechs Jahren wieder auf,…

Filmkritik: Plötzlich Papa (2016) – 7 Sterne – mit drei Videos

Sicher, der Film ist sehr unrealistisch und zeigt ein Disney-Kuckucksheim. Die Motivation der Figuren bleibt teils völlig diffus. Da ist der schwarze Ferienclub-Animateur in Südfrankreich, der plötzlich allein mit einem Milchkaffee-Baby dasteht – angeblich seins. Rubbldikatz wird er hochbezahlter Stuntman in London und baut seinem Kiddie eine Kinderzimmer-Traumwelt. Zur Schule geht die Kleine nur selten,…

Filmkritik: Immer Drama um Tamara (2010) – 7 Sterne – mit Video

Ausgefeilt Psychologisieren wollte Regisseur Stephen Frears sicher nicht. Aber er produzierte eine stets kurzweilige, relativ intelligente Komödie, die Klischees vom (sehr englischen) Land- und Schriftstellerleben aufspießt, schöne Bilder und Abläufe zeigt. Nur punktuell wird es zu grell oder vulgär, erscheint Ex-Bondgirl Gemma Arterton gar zu knusprig; dafür gibt es viele witzige Einfälle und Figuren, die…

Filmkritik: Harri Pinter, Drecksau (2017) – 4 Sterne – mit Video

Angebliche Komödie um einen extrem mackerhaften Endvierziger (Juergen Maurer als Fahrlehrer, Ex-Eishockeystar und Eishockey-Jugendtrainer in Klagenfurt). Seine jüngere philologische Freundin (Julia Cencig) betrügt ihn mit einem Softie-Professor, der sogar selber kocht. Die Klischees kommen knüppeldick, aber dafür vollflach; die ausführliche, aufdringliche 80er-Jahre-Musik macht’s nicht subtiler („Eye of the Tiger“, „I’m in Heaven“). Nichts, aber auch…

Filmkritik: Alexander, der Lebenskünstler (1968, mit Philippe Noiret) – 7 Sterne – mit Video

Liebenswerter Bauernschwank aus einem französischen Dorf: Bauer Alexandre (Philippe Noiret) wird von seiner Frau jeden Tag per Walkie-Talkie über alle Felder gehetzt. Dann endlich rafft ein gnädiger Unfall das herrische Weib hinweg, und Alexandre legt sich zwei Monate ins Bett; zuvor lässt er noch alle Tiere frei, und zum Einkaufen schickt er sein gewitztes Hundchen.…

Filmkritik: Night on Earth (1991, von Jim Jarmusch, mit Gena Rowlands, Winona Ryder, Roberto Benigni) – 7 Sterne – mit Video

Der Film zeigt fünf unverbundene Geschichten von fünf längeren, nächtlichen Taxifahrten in fünf Großstädten – Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki. Regisseur und Autor Jim Jarmusch skriptete überwiegend hervorragend, teils sehr gefühlvoll, teils rabiat sarkastisch, mit starken Dia- und Monologen. Die Schauspieler bringen ihre oft schrägen Figuren oft überzeugend und sehr präsent auf…

Filmkritik: Crazy Rich (2018, engl. Crazy Rich Asians) – 7 Sterne

Ungewöhnlich für eine *Hollywood*-Produktion: Der Erfolgsfilm auf Basis des Erfolgsbuchs von Kevin Kwan zeigt nur chinesische Gesichter unter chinesischer Regie an asiatischen Schauplätzen. Die Mittelschicht-US-Chinesin Rachel erlebt in Crazy Rich Asians die Welt der chinesisch-stämmigen Superreichen in Singapur, mit atemberaubendem Luxus und schockierenden Intrigen. Die romantische Komödie läuft flockig durch, hat Schwung, die richtige Menge…

Filmkritik: Der letzte schöne Herbsttag (2010, von Ralf Westhoff) – 5 Sterne – mit Video

Was für ein Quasselfilm. Die halbe Zeit reden Julia Koschitz und Felix Hellmann direkt in die Kamera. Ansonsten miteinander, und immer geht es um immergleiches Beziehungsgewuhre. Die im Film etwa 30jährigen gerieren sich wie leicht entflammbare 16jährige. Es ermüdet.(Wie viel besser Koschitz wirkt, wenn sie länger *nicht* redet, sieht man im passend betitelten Film Schweigeminute.)…

Kritik TV-Komödie: Lychees weiß blau (1998) – 7 Sterne

16jährige Thailänderin wird als Sexsklavin nach DE entführt, rettet sich aber in ein hinterwäldlerisches Oberbayerndorf. Dort weckt sie Beschützer-, Begatter- und Abwehrinstinkte – und irgendwann mischen sich Tempel- und Blasmusik. Das ist eine naive Heimatkomödie, noch weniger realistisch als möglich, aber nicht extrem grell oder extrem kitschig. Einige Dörfler haben das Herz liebenswert am rechten…

Kritik Kinokomödie: Das Mädchen Rosemarie (1958, mit Nadja Tiller, Mario Adorf) – 7 Sterne – mit Videos

Was sind die Herren Generaldirektoren und Industriebarone doch für lächerliche Hurenböcke in dieser frechen Schwarzweißsatire von 1958. Mit schwarzen Benzen und unerträglich selbstgefälligem Mundwerk walzen sie im spöttisch choreografierten Gänsemarsch durch die deutsche Wirtschaftswunderkulisse. Sie verfallen verständlicherweise dem hinreißenden Callgirl, das Nadja Tiller mit Verve und konservativem Sexappeal auf die Leinwand stöckelt. Das ist alles…

Filmkritik: The Artist (2011, mit Jean Dujardin) – 7 Sterne – mit Trailer

In diesem 4:3-Schwarzweiß-Stummfilm von 2011 dudelt unentwegt Musik – zu viel. Ganz gelegentlich hört man ein paar Geräusche oder gar Wörter – zur Überraschung der Zuschauer und der Filmfiguren. Die Handlung: Ein Stummfilm-Schauspieler findet sich im Hollywood der 1920er Jahren nicht damit ab, dass jetzt die Ära der Sprechfilme (Talkies) beginnt; da denkt man an…

Kritik Kinokomödie: Wir sind die Neuen (2014, von Ralf Westhoff) – 7 Sterne – mit Trailer

Drei Ü50-Altrocker bilden aus Geldgründen eine alternativ angehauchte WG. Schnell kommt’s zu Konflikten mit der WG aus dem 3. Stock – drei spießige, karrieregeile Studenten, examens- und beziehungsbedingt am Rand des Nervenzusammenbruchs. Regisseur und Autor Ralf Westhoff (Shoppen, Der letzte schöne Herbsttag, Wie gut ist deine Beziehung) lässt kein Klischee aus und schert sich nicht…

Kritik TV-Krimikomödie: Tödliches Comeback (2019) – 6 Sterne

Ist das eine Tatort-Parodie? Es gibt ölige Zuhälterfiguren, eine billige Disco, Einfamilienhäuser, Polizeistation und Mord. Die Typen agieren alle völlig überzogen, für die Rampe, vor allem Martin Brambach als Tanzmusiker und halbkrimineller Vater eines strebsamen Jungbullen (Martin Brambach). Das amüsiert 15 Minuten, dann aber kennt man Brambachs Gesichtsverrenkungen und Menjou-Bärtchen gut genug. Jeanette Hain spielt…

Kritik TV-Komödie: Keine Ehe ohne Pause (2014, von Ralf Westhoff) – 3 Sterne – mit 2 Videos

Hier rollen sich die Zehennägel: Das gestandene Mannsbild Heino Ferch wechselt in seiner Schriftstollerrolle samt weiblichem Pseudonym teils in Frauenkleider mit Perücke und Lippenstift; und man weiß nicht recht, ist das platte Komik oder Seelenstriptease? Gewiss nur: Es ist fürchterlich peinlich. Die Geschichte ist nie lustig, dafür durchweg unrealistisch und immer aufdringlich klischiert. Alle machen…

Kritik Bayernkomödie: Was weg is, is weg (2012) – 7 Sterne – mit Video

Die Komödie vom oberbayerischen Land erinnert deutlich an Rosenmüller-Filme, aber auch an die Streifen der Serie Beste Zeit. Christian Lerch, Drehbuchautor bei Markus Rosenmüller, hat bei Was weg is, is weg Regie geführt und das Skript geschrieben. Und er hat es überfrachtet: Es gibt immer neue Nebenhandlungen – ein Onkel im Koma, ein Bruder mit…

Rezension TV-Spielfilm: Endlich Urlaub! (2005, mit Hannes Jaenikke, Heikko Deutschmann, Sonja Kirchberger) – 7 Sterne

Zwei Berliner Paare mit Kindern treffen zufällig vor dem Griechenland-Flug aufeinander und beharken sich schon beim Check-in. Doch es kommt noch schlimmer: Wirklich rein zufällig landen beide Paare im selben Ferienhaus, es wurde aus Versehen doppelt vergeben. Daraus entsteht eine gutbürgerliche Degeto-deutsche Rom-Kom oder ein Ferienstadl ganz klassisch mit verwechselten Schlafzimmertüren und Fast-Ehebrechern unterm Bett.…