Filmkritik: Plötzlich Papa (2016) – 7 Sterne – mit drei Videos

Sicher, der Film ist sehr unrealistisch und zeigt ein Disney-Kuckucksheim. Die Motivation der Figuren bleibt teils völlig diffus.

Da ist der schwarze Ferienclub-Animateur in Südfrankreich, der plötzlich allein mit einem Milchkaffee-Baby dasteht – angeblich seins. Rubbldikatz wird er hochbezahlter Stuntman in London und baut seinem Kiddie eine Kinderzimmer-Traumwelt. Zur Schule geht die Kleine nur selten, weil sie bei allen Drehs für den plötzlichen Papa dolmetscht. Dann taucht die angebliche Mutter nach acht Jahren wieder auf, und sie ringen ums Sorgerecht der nun Neunjährigen.

Die vielen Drehungen und Wendungen in dieser dramatischen Komödie müssten eigentlich an Behörden und Psychologie scheitern. Ganz am Schluss packen die Skriptschreiber völlig unnötig noch eine Extraportion Melodrama obendrauf. Alles ziemlich bester Käse.

Und doch: Hauptdarsteller Omar Sy (bekannt aus Ziemlich beste Freunde) und seine junge Kollegin Gloria Colston spielen sympathisch und animiert – sie werden sich und uns ziemlich beste Freunde. Der Film hat zwar wenig Realismus, aber reichlich Herz, dazu einige pfiffige Einfälle und eine elegante Kamera: eine Feelgood-Komödie mal nicht aus Hollywood, bei allem Fluff sehr erfrischend. Und sogar auch ergreifend.

Freie Assoziationen:

  • Spielfilm In den Süden (2005): Beide Streifen zeigen elegante ältere weiße Frauen und junge Schwarze gemeinsam am Strand
  • Spielfilm Diva (1981): Beide Streifen haben besonders elegante bunte nächtliche Bilder in Fantasieräumlichkeiten und einen französischen Regisseur
  • Bollywood-Schinken Kal Ho Naa Ho (Indian Love Story, Lebe und denke nicht an morgen, 2003): beide Filme haben ein angekündigt melodramatischen Finale nach stundenlangem Fluff (ohnehin taugte die Handlung von Plötzlich Papa gut als Bollywood-Remake).

Drei Versionen:

Die Geschichte wurde mit unterhaltsamen Titeln gleich mehrfach verfilmt – 2013 vom mexikanischen Regisseur und Hauptdarsteller Derbez (ein Riesenerfolg in Nordamerika), 2016 in Frankreich+London sowie 2018 in Brasilien (alle drei Trailer unten).

2013

2016

2018

No se aceptan devoluciones Demain tout commence Não Se Aceitam Devoluções
(wörtl. Umtausch nicht möglich), US-Titel Instructions Not Included (Anleitung liegt nicht bei) (wörtl. Morgen beginnt alles), engl. Titel Two Is a Family (No Returns Accepted, Kein Umtausch)
Plötzlich Vater Plötzlich Papa
Acapulco, Los Angeles Südfrankreich, London Brasilien
R, D Eugenio Derbez R Hugo Gélin, D Omar Sy R André Moraes, D Leandro Hassum
IMDB: 7,6 (27.055 St.) 7,4 (18.026 St.) 4,5 (60 St., jew. Juli 2019)
6 Sterne 7 Sterne  

Ich kenne die mexikanische und die französische Produktion. Das mexikanische Original wirkt in der ersten Hälfte etwas realistischer und härter, mit den Seelenwölfen auch etwas psychologischer, die Witze sind vulgärer. Die französische Fassung hat deutlich mehr Fluff und Feelgood und das etwas weniger kitschige Ende. Beide Filme vermitteln keinerlei realistisches Lokalkolorit, allenfalls ein paar öde Klischees.

Vater und Tochter harmonieren im 2016er-Jahrgang deulicher. Die unterschiedlichen Hautfarben von Schwarz über Milchkaffee bis Weiß machen die Darsteller in der französischen Version auch markanter. Zwar haben die Filme viele deutliche Parallelen; aber insgesamt zeigt die französische Ausgabe mehr Herz und Witz, wenn auch zulasten der Plausibilität. So gibt es die Pointe, dass sich die Schulleiterin mit Informationen zu TV-Serien bestechen lässt, nur im Gélin-Film. Doch nur in der Mexiko-Fassung tragen Vater und Tochter witzige Partner-Looks und hat die zurückgekehrte Mutter eine lesbische Beziehung. Die 2016-Ausgabe ist deutlich besser gefilmt; möglicherweise hatte Gélin auch mehr Geld zur Verfügung als Derbez.


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