Kritik Kurzgeschichten. The Early Stories 1953 – 1975, von John Updike – 7 Sterne

John Updike schreibt teils atemraubende Dialoge und Konstellationen aus dem Eheleben. Auch ein paar hübsche Teenager-Geschichten. Und das mit teils hervorragender Erzählstimme, nur momentweise zu auftrumpfend bildungsbürgerlich. Fast immer legt John Updike erkennbar sein eigenes Jugend-, Familien- und Sozialleben zugrunde (Einzelbesprechungen weiter unten).

Dann wieder liefert John Updike (1932 – 2009) elegische Betrachtungen zu Laub, Rasen oder Installateuren, die ermüden, vermischt mit ein bisschen Trauer um Verflossene, Betrogene oder noch nicht Gewonnene. In den 1950ern textet er auch allzu impressionistische Szenen einer jungen Ehe. Oder er produziert seltsame Experimente, lässt Kleinst- oder Urlebewesen agieren (versammelt im passend benannten Buchteil „Far Out“).

Detailverliebt:

Die Updike-Figuren zeigen in Rede und Handlung klar definierte Persönlichkeit, man sieht Individuum und Typ deutlich vor sich. So plastisch kreiieren nicht mal alle Romanciers, schon gar nicht deutsche.

Dazu kommt Updikes Freude an kleinsten Details („give the mundane its beautiful due“), manchmal zu viel davon, auch im Winter:

As he swallowed the orange juice, the snow in his galosh slipped deeper down his ankle.

the expertise of geländesprungs and slalom form

his hat (an Alpine of green felt, with ornamental breast feathers)

Ein Beispiel für Updikes verspielt intellektuellen Protzereien vor allem der frühen Jahre aus der Geschichte Sunday Teasing:

He knew that his reading Unamuno depressed her, and he was reading the book not to depress her but to get the book finished and depress her no longer.

Wiederkehrendes:

Mehrfach schildert Updike unbequeme Arztbesuche, u.a. in Dentistry and Doubt, und der Arzt in The Persistence of Desire gilt ihm als

an aloof administrator of expensive humiliations,

eine hübsche Einordnung. Mindestens drei weitere Erlebnisse beim Arzt oder im Krankenhaus folgen in den Collected Later Stories. Mindestens drei Geschichten spielen im Schnee, dabei lernen wir das Wort „mogul„.

Nicht nur die Kulissen und Themen, auch die Figuren ähneln sich stark. So fragt man sich oft verblüfft, warum sie in jeder Geschichte andere Namen tragen oder warum in einer Geschichte der Vater Ethan heißt und in der nächsten, ähnlichen, der Sohn. Mit etwas Lektorat ließen sich die Geschichten zusammenfassen (so wie Updike schon die Maples Stories und die Bech-Geschichten verband).

Nach Dutzenden und Aberdutzenden Geschichten von der US-Ostküste überraschen einzelne Texte aus Äthiopien, Ägypten oder Nevada.

Ehebrecher:

Natürlich variiert John Updike sein Hobby, die Ehebrecherei, in überraschenden Facetten, u.a.

The unaccustomed sensation of yearning for his wife

„It’s such a pity,“ he said, „you’re my wife… You’d make such a lovely mistress.“

In der Kürze:

Die meisten Kurzgeschichten erschienen zuerst im Wochenblatt New Yorker, das bei Updike ein Vorkaufsrecht hatte. Vermutlich deshalb sind fast alle Geschichten einheitlich kurz, unter zehn Seiten, einige etwas längere wie A Gift from the City oder Transaction stechen heraus. Viele New Yorker-Texte finden sich online im Originallayout.

John Updike überarbeitete einige Geschichten mehrfach, z.B. gibt es diese Fassungen:

  1. vom New Yorker abgelehnte Fassung
  2. überarbeitete, vom New Yorker gedruckte Fassung
  3. weiter überarbeitete Fassung in der ersten Taschenbuchausgabe wie „Same Door“ oder „Pigeon Feathers“
  4. erneut überarbeitete Fassung in späteren Sammelbänden wie „Early Stories“ und „Collected Later Stories“, ihre „final definitive form

(Auch Updikes Rabbit-Romane existieren in drei Varianten, wie er im Vorwort zu Rabbit Angstrom, The Four Novels sagt.)

Schwankende Qualität:

Inhaltlich und stilistisch variieren die Geschichten weit deutlicher als im Band Collected Later Stories. Auch die Qualität der Texte schwankt enorm, und ich muss wirklich nicht alle lesen. The Guardian:

Large weaknesses – errors – show in the earlier ones

Anders als John Updike übernahm etwa W. Somerset Maugham einige Texte nicht in seine späteren Kurzgeschichtensammlungen, sie seien „immature“ und „best forgotten“ – sicher eine gute Entscheidung. John Updike hat dagegen kaum ausgemistet.

Ich habe jede Geschichte kurz angelesen, um zu prüfen, ob’s echte Handlung und Dialoge oder nur wehleidige Kontemplation oder Banaltourismus gibt (ein paar gute dialogarme Geschichten finden sich jedoch auch, z.B. The Orphaned Swimming-Pool und The Day of the Dying Rabbit). Außerdem orientierte ich mich grob an Urteilen von Kritikern, die erkennbar meinen Geschmack treffen, nämlich

aber nicht

Unter anderem enthalten Updikes The Early Stories 1953 – 1975 fast alle Maples Stories, die ich auch separat bespreche – diese Szenen einer Ehe überzeugen zumeist und sind teils auch witzig. Viele weitere Ehe(-bruch)-Geschichten in den Early Stories ähneln den Maples Stories, nur die Protagonisten heißen anders.

Statistik zu diesem Band:

  • Enthält Geschichten: 103
  • Davon nach Recherche und Stichrobe nicht (ganz) gelesen: 52
  • Gelesen und bewertet: 51
  • Durchschnittswertung der Gelesenen: 6,75/10
  • Subjektiv gefühlter Durchschnitt: 7,2/10 (sofern man die Schlechten konsequent ignoriert)

Assoziation:

  • Die Early Stories schwanken dramatisch in Stil, Inhalt und Qualität; die Collected Later Stories sind konsistent, erreichen aber wohl auch nicht die Höhe der besten Early Stories
  • Die Early Stories enthalten fast alle Geschichten der auch separat erschienenen Maples Stories und einige der separat erschienen Henry-Bech-Geschichten (über einen Schriftsteller)
  • Viele Parallelen zu Updikes Ehebruchromanen Heirate mich und Ehepaare
  • Einige der Geschichten stehen auch im Updike-Band Forty Stories (1987, zusammengestellt von Updike), jedoch fehlen die kompletten Maples Stories und viele weitere

Die Early Stories im einzelnen:

 

Orig. publ.

x von 10

Orig. coll.

in 40 St.
 

Olinger Stories

       
You’ll Never Know, Dear, How Much I Love You 1960 – ni. gelesen – Pigeon Feathers (1962)

ja

The Alligators 1958 Außerseiter-Schüler mobbt mit anderen eine Außenseiter-Schülerin, doch nach einem Traum verliebt er sich in sie und will’s ihr sagen. – Dialogarm, dubioser Traum, seltsame Motive. Ähnliche Handlung und Konstellation wie A Sense of Shelter. 5,5 Same Door (1959)

ja

Pigeon Feathers 1961 – ni. gelesen – Pigeon Feathers (1962)

ja

Friends from Philadelphia 1954 Teenager trifft Teenagerin und deren Eltern,  freundliches Geplänkel offenbart Klassen- und Mentalitätsunterschiede. – Schöner, satirisch angeschärfter Dialog; ungewöhnlich zügige Handlung, ungewöhnlich auch die mehrdeutige Überraschung im letzten Satz. Updikes erste Geschichte im New Yorker, mit 22. Selbe Hauptfigur John Nordholm wie in The Happiest I’ve Been (s.u.), aber kein inhaltlicher Bezug. 7,5 Same Door (1959)

ja

A Sense of Shelter 1960 Teenage ängst: Stotternder Außenseiter-Schüler will Cheerleader-Mitschülerin seine Liebe erklären, heute, endlich. – Einige schöne Szenen, doch zu viel Grübelei und Beobachtung, zu spät dialogisch. Ähnliche Handlung und Konstellation wie The Alligators. 6,5 Pigeon Feathers (1962)

ja

Flight 1959 – ni. gelesen – Pigeon Feathers (1962)

ja

The Happiest I’ve Been  1958 Zwei 20jährige verlassen Elternhaus mit Auto Richtung College, gehen aber spontan noch auf eine unspektakuläre Provinzparty, die bis zum Sonnenaufgang dauert. – Wenig passiert, doch hochatmosphärisch und schöne, ruhige Ich-Erzählerstimme. Eine der besten Olinger-Jugendgeschichten, ohne Religion oder Außenseitertum. Selbe Hauptfigur John Nordholm wie in The Happiest I’ve Been (s.o.), aber kein inhaltlicher Bezug.) Für Updike-Biograf Adam Begley eine der 10 besten Updike-Kurzgeschichten und wohl die am ausführlichsten erörterte in seinem Updike-Buch; korrespondiert lt. Begley mit Short Story My Father’s Tears aus den Collected Later Stories, die knapp 50 Jahre später entstand (beide Geschichten beginnen mit Auszug aus Elternhaus). Auch für Jim Higgins eine Top-Ten-Geschichte („that rare thing, a literary short story of quality with an unforced happy ending“). Besprechung bei Lesekost. 8 Same Door (1959)

ja

The Persistence of Desire  1959 Zwei Ex-Partner, längst anderweitig verheiratet, begegnen sich überraschend im Arztwartezimmer. Die Sache scheint noch nicht abgehakt. – Spannungsvolle Dialoge, wenig, aber gute Handlung. Besser als die Arztpraxisgeschichte Blue Light aus den Later Stories. 7 Pigeon Feathers (1962)

ja

The Blessed Man of Boston, My Grandmother’s Thimble, and Fanning Island   – nach Recherche u. Probe ni. gelesen, in Adam Begleys Top 10 – Pigeon Feathers (1962)

ja

Packed Dirt, Churchgoing, a Dying Cat, a Traded Car 1961 – ni. gelesen – Pigeon Feathers (1962)

ja

In Football Season  1962 – ni. gelesen – Music School (1966)

ja

 

Out in the World

The Lucid Eye in Silver Town   Provinz-Vater und -Sohn besuchen reichen Onkel in New York. – Feine Dialoge, Klassenunterschied, etwas zäher Plot. Der Provinz-Vater (nach Updikes Vater) kehrt erkennbar in der Geschichte Home wieder. 7

The Kid’s Whistling  1955 – ni. gelesen – Same Door (1959)

Ace in the Hole  1955 Cooler junger Familienvater verliert Mechaniker-Job durch Fehler, redet mit Mutter und Ehefrau. – Starker, stimmiger, personaler Erzähler. Starke Dialoge, einen Tick filmi. Vergleich mehrerer Textfassungen.  Erinnert deutlich an Updikes ersten Rabbit-Roman Hasenherz und ein wenig an die Kurzgeschichte A&P. 8 Same Door (1959)

ja

Tomorrow and Tomorrow and So Forth 1955 Junglehrer bespricht Shakespeare in der 11D. Wichtiger sind unausgesprochene, teils erotische Gedanken und Beobachtungen. Eine Verblüffung zum Schluss. – Teils spannend wegen der Untertöne und feinen Beobachtungen, teils zu langatmig über Shakespeare und Schulzimmer-Intrigen. Die Verblüffung am Ende fast zu plakativ, als ob das Vorhergehende nur auf den Gag zu geschrieben sei. Vielgelobte Geschichte, geschrieben mit 22. 7 Same Door (1959)

 

The Christian Roommates  1964 – ni. gelesen – Music School (1966)

ja

Dentistry and Doubt 1955 – ni. gelesen – Same Door (1959)

ja

A Madman 1962 – ni. gelesen – Music School (1966)

ja

Still Life 1959 – ni. gelesen – Pigeon Feathers (1962)

ja

Home 1960 Junges Ehepaar kehrt mit neuem Baby nach USA zurück, trifft Eltern, Verlegenheit, Befangenheit, später ein Verkehrsstreit. – Unverkennbar autobiografisch, sehr plastische Figuren, wenn auch keine Helden oder Sympathieträger, eher handlungsarm. 7 Pigeon Feathers (1962)

Who Made Yellow Roses Yellow?  1956 Ex-Kommilitonnen lunchen downtown mit Hintergedanken. – Brillanter Dialog, aber auch eitle Sophisterei und Wortgeklingel („a frivolous, overwritten story“). Schöner Einblick ins Geschäftsleben. Nicht so schlecht, wie manche behaupten. 6 Same Door (1959)

ja

His Finest Hour 1956 Biederes Ehepaar hört Gewalttat in der Nebenwohnung, sieht nach, ruft Polizei. – Hübsche Geschichte mit „higher than normal action quotient„, etwas satirisch, gegen Ende seltsam mit anderen Themen vermischt und teils unaufgelöst. New Yorker Ehepaar in Wohnung hockend erinnert an Dorothy Parker. 7 Same Door (1959)

A Trillion Feet of Gas  1956 – ni. gelesen –   Same Door (1959)

 

Dear Alexandros 1959 US-Wohltäter schreibt unterstütztem armen Griechenkind, erzählt von Strand, Chruschtschow, Ehe-Zerwürfnis und anstehendem Date. – Banal und kurz („so slight„), dünner Themensalat, beliebig, gleichwohl in sich mild amüsant und wie immer klare Charakterzeichnung. 4,0 Pigeon Feathers (1962)

The Doctor’s Wife  1961 Auf einer wenig besuchten Karibik-Insel reden weiße Touristen und weiße Einheimische über Schwarze und Weiße auf der Insel und in USA. Kaum Handlung. – Dramatisch peinliche Meinungsverschiedenheiten, die höflich kaschiert werden. Interessanter Problemtext fürs Klassenzimmer. Ungewöhnliche Kulisse. Ich vermisste Handlung. BLM-Thema erscheint i.d. Geschichten Doctor’s Wife und Gift from the City. 6,5 Pigeon Feathers (1962)

At a Bar in Charlotte Amalie  , 1964 – ni. gelesen –   Music School (1966)

ja

 

Married Life

 

Toward Evening  1956 Toward Evening, Incest und A Gift from the City behandeln scheinbar die selbe junge New Yorker Familie mit Kleinkind. Toward Evening und Incest schließen fast aneinander an. – Hier: Junger Angestellter fährt mit dem Bus heim zu Frau und Kind, wird bekocht, denkt über andere Frauen und die Neonwerbung nach. – Updike will Banales mit Bildungshuberei und präzisen Betrachtungen veredeln (weiße Frau, schwarze Frau, Neonschild). Es ist aber nur eine kleine Vignette ohne Handlung oder stimmigen Schluss. 6 Same Door (1959)

ja

Snowing in Greenwich Village 1956 Eine Maples-Geschichte: Richard Maple bringt eine Bekannte nach Hause, nachdem sie ihn und seine Frau Joan in der neuen Wohnung besucht hatte; sie gehen noch kurz zu ihr nach oben. – Kurz, lässig und elegant auch beim 2. Lesen, mit überraschendem, stimmigem Ende; ein Genuss. 8 Same Door (1959)

Sunday Teasing 1956 Junges Ehepaar diskutiert Religionen, körperliche Nähe in der Familie, Bibel und Literatur, teils mit Freund. – Nette Spitzfindigkeiten, keine wirkliche Handlung, teils Bildungshuberei, das Plätschern erinnert an Toward Evening aus dem selben Jahr und dem selben ersten Sammelband. 6 Same Door (1959)

ja

 Incest 1957 Autor schreibt fast verliebt über das Chaos, das seine kleine Tochter in der Küche anrichtet, und nebenbei über die etwas müde und unwirsche Ehefrau. – Ganz nett, keine wirkliche Handlung, keine Inzucht. 6 Same Door (1959)

ja

A Gift from the City 1958 Junges Ehepaar fühlt sich ungerechtfertigt bedroht von höflichem „Negro“, der manchmal ungebeten zum Betteln an der Tür klingelt, und von weiteren Bettlern auf der Straße. – Fast anstrengend gut die Irritationen, Ängste, Skrupel, Übersprung- und Gutmenschreaktionen, die der arme, harmlose „Negro“ auslöst. Ungewöhnlich lang. BLM-Thema erscheint in den Geschichten Doctor’s Wife und Gift from the City. 8 Same Door (1959)

ja

Walter Briggs Ehepaar im Auto versucht Namen von Bekannten aus Urlaubscamp zu erinnern. – Nette Atmosphäre und Gedanken, wenig Substanz. 6 Pigeon Feathers (1962)

The Crow in the Woods   – nach Recherche u. Probe ni.  gelesen, vom New Yorker abgelehnt (Inhalt) – Pigeon Feathers (1962)

Should Wizard Hit Mommy? 1959 Junger Vater erfindet Gute-Nacht-Geschichte für seine Vierjährige. Die will bei der Handlung mitreden; und im Erdgeschoss erwartet ihn die Frau mit Hausarbeit. – Schöne Familienszene, witziger Dialog, niedliches Kind. 7,5 Pigeon Feathers (1962)

Wife-Wooing 1960 Eine Maples-Geschichte: Ein Mann bewundert seine Frau und ihre weißen Schenkel, die  hervorschauen; er spekuliert auf eheliches Beisammensein später am Abend, wenn die Bratzen endlich schlafen. – Ungewöhnlich der Ich-Erzähler, und die Namen der Hauptakteure fallen nicht. Zu elegisch, humorlos, auf Körperliches fixiert. 4 Pigeon Feathers (1962)

Unstuck 1962 Junger Ehemann bekommt zugeschneites Auto nicht frei und seine Frau nicht zum Höhepunkt. – Originell, einfühlsam, Einstieg zu detailliert. Hauptfigur erinnert an jungen Woody Allen (der in der Bech-Story Bech Presides kurz auftritt). 7,5 Trust Me (1984)

Giving Blood  1963 Eine Maples-Geschichte: Ehepaar Maple zum, beim und nach dem Blutspenden. – Teils scharfe, teils lustige Dialoge, Witzeln über mögliche Ehekrise; gut beobachtet, 2x gelesen. 8 Music School (1966)

Twin Beds in Rome  8, 1964 Eine Maples-Geschichte: Die urlaubenden Maples erwägen das Ende ihrer Ehe und erhalten in Rom prompt ungeplant zwei Einzelbetten. – Nette Dialoge, zu viel Tourismus wie so oft. 6 Music School (1966)

Marching through Boston 1966 Eine Maples-Geschichte: Auf Demo gegen Rassentrennung. Richard Maple gefällt sich in Kauzigk- und politischen Unkorrektheiten. – Mild amüsant. 6 Museums Women (1972)

Nakedness Eine Maples-Geschichte: Richard und Joan Maple treffen am Strand auf Nacktbader. Das gibt ihnen zu denken. Das Ausziehen nachts ist anders als sonst. – Mild interessant, guter Dialog am Strand. 6

 

Family Life

 

The Family Meadow 1965 – ni. gelesen – Music School (1966)

ja

The Day of the Dying Rabbit 1969 Am Ferienhaus liegt ein sterbendes Kaninchen; die sechsköpfige Familie arrangiert sich, die Sommerfrische geht weiter. – Zwar dialogarm, doch schönes Familienportrait (fast so kompakt wie in der fast zeitgleich geschriebenen Maples-Story Eros Rampant), schöne Ferienstimmung, drollige Betrachtungen („A father is like a dog – he needs a boy for a friend“). Der Ich-Erzähler ist Berufsfotograf, daraus zieht Updike interessantes Material (jedoch „the dying rabbit sank like film in the developing pan“ passt nicht: Fotopapier sinkt in die Entwicklerschale, aber nicht Film (der Ich-Erzähler verwendet Kodak-X-Pan-SW-Filme in einer Nikon-KB-Kamera; diese Filme kommen in eine Trommel, nicht in die Schale)). Lt. Jim Higgins übertreibt Updike die Fotografie-Bezüge, Daniel Green sieht dagegen kein Problem. Deutliche Anklänge an Updikes Roman Ehepaare. 8 Museums Women (1972)

ja

How to Love America and Leave It at the Same Time 1972 – ni. gelesen –   Problems (1979)

 

The Music School 1964 – nach Recherche u. Probe ni.  gelesen (engl. Inhaltsangabe) Music School (1966)

ja

Man and Daughter in the Cold 1968 Vater und ein Bekannter beobachten seine 13jährige Tochter, „childish yet lithe“, im Schnee. Sie ist älter jetzt. Gemischte Gefühlte. Sie sorgt sich um sein Asthma. – Zauberhaftes Vater-Tochter-Seelenleben. Nur kurz zu detailverliebt. Vater-Tochter-Ding auch in Kurzgeschichte Nevada. 8 Museums Women (1972)

 

The Rescue  1965 Ehefrau fährt Ski mit der Vielleicht-Liebhaberin ihres Mannes. Sie retten eine verunglückte andere Skifahrerin. – Spannendes Psychospiel. Habe Schluss nicht verstanden. Frauenperspektive untypisch für Updike. 7 Music School (1966)

Plumbing 1971 Offiziell eine Maples-Geschichte: Gedankenstrom beim Renovieren und Umziehen. Dialog nur mit dem Installateur, keine Handlung. Liefert keine Namen und passt auch deshalb eigentlich nicht in die Maples-Reihe. Von Updike offenbar erst mit Verspätung als Maple-Geschichte betrachtet. – Zunächst witzig über den Installateur, fachkundig über Montageteile, dann zu elegisch schweifend. 5 Museums Women (1972)

The Orphaned Swimming Pool 1970 Privater Swimmingpool verwaist nach Scheidung, wird dann von Nachbarn benutzt. – Schönes Motiv, mit ernsten und satirischen Noten, zwar dialogfrei, aber gut. 8 Museums Women (1972)

ja

When Everyone Was Pregnant 1971 – nach Recherche u. Probe ni.  gelesen; grober Monolog (Inhalt) – Museums Women (1972)

Eros Rampant  1968 Eine Maples-Geschichte: Zunächst schönes, flüssiges Panorama der gesamten Familie mit Vater, Mutter, vier Kindern, 1 Hund, 2 Katzen, dann unterhaltsames Gestichel über Ehebrecherei. 7,5 Museums Women (1972)

Sublimating Eine Maples-Geschichte: Mehr Palaver über eheliche Untreue, und ein Lob auf den Phänotyp des Kohlkopfs. – Man will gleich einen Kohlkopf fressen, oder streicheln. Und wie meist sehr gute Dialoge. Hier erscheint ein A&P-Laden, der auch im Titel einer anderen bekannten Updike-Kurzgeschichte steht (s.o.). 7 Museums Women (1972)

Nevada  1974 Frisch geschiedener Mann wird von zwei Teenage-Töchtern bemuttert, während die Exfrau mit ihrem Neuen nach Hawaii fliegt. – Altkluger Kindermund, teils herzzerreißend. „Updike writes dialogue which is like an X-ray of the speaker’s soul“ (NYT). Kulisse und Personal untypisch, generelles Thema jedoch nicht. Ein wenig Vulgarität; erschien (darum?) nicht im New Yorker, sondern im Playboy. Vater-Tochter-Ding auch in Kurzgeschichte Man and Daughter in the Cold. 8 Problems (1979)

The Gun Shop 1972 – ni. gelesen – Problems (1979)

Son 1973 – ni. gelesen – Problems (1979)

Daughter, Last Glimpses of  1973 Eigenwillige Tochter züchtet Hühner im Hinterhof, zieht dann aus. – Schönes Drei-Generationen-Portrait. Nicht zu elegisch, auch witzige Dialoge, interessante Gegensätze und Parallelen Familie-Hühnerhaus. Das Hühnerhaus hat „Ruberoid self-sealing Slate Green asphalt shingles“, auf denen der Hahn in der Früh kräht, ein Beispiel für Updikes Detailfreude. 7 Problems (1979)

 

The Two Iseults

 

Solitaire 1972 – ni. gelesen – Museums Women (1972)

Leaves 1964 Grübeln über Laub und Ex-Frau. –  Zäh, dialogfrei, zum Glück sehr kurz 4 Music School (1966)

ja

The Stare 1965 Weggezogener kommt für einen Tag zurück nach New York, imaginiert überall seine einstige, ehebrechende Liebhaberin. – Einfühlsam, innere Dramatik trotz Handlungsarmut. 7 Music School (1966)

ja

Museums and Women 1967 – nicht gelesen – Museums Women (1972)

Avec la Bébé-Sitter 1966 US-Familie reist nach Südfrankreich, Mann beichtet frz. Kinderfrau in schlechtem Französisch ein Ehe-Geheimnis. – Witzig, reizvolle Situation, erinnert inhaltlich an Roman Heirate mich. Schwule Hausbesitzer mit frz. Callboys klingen wie Anspielung auf W. Somerset Maughams Villa Mauresque. 7,5 Music School (1966)

Four Sides of One Story  1965 – ni. ganz gelesen; elegische Briefe zwischen scheidenden Ehebrechern, Anspielungen auf Tristan und Isolde Music School (1966)

ja

The Morning 1964 – ni. gelesen – Music School (1966)

My Lover Has Dirty Fingernails 1965 – ni. gelesen –   Music School (1966)

 

Harv is Plowing Now 1966 – ni. gelesen – Music School (1966)

I Will Not Let Thee Go, Except Thou Bless Me 1969 Abschiedsparty wg. Umzugs, ein letzter Tanz der einstigen Ehebrecher. – Voller Anspielungen und Zwischentöne, spannender Dialog, stimmige Details; lässt allerlei Rückblenden erwarten, auf die Updike souverän verzichtet, darum kurz und eindrucksvoll. – 2x gelesen. Würde auch zu den späteren Maples Stories passen. Storytitel aus 1. Moses 32:27 9 Museums Women (1972)

ja

 

Tarbox Tales

     

 

The Indian 1963 – ni. gelesen – scheinbar elegisch-dialogfrei. Zu dieser Art Geschichte Daniel Green allgemein:

Too often he relies on lyricism to raise his subjects to a level of profundity they just can’t reach on their own ((…)) too many of the stories are really just excuses for rather cloying reflections on the various aspects of family life

  Music School (1966)

ja

The Hillies 1969 – ni. gelesen – Museums Women (1972)

ja

The Tarbox Police – ni. gelesen –

The Corner 1969 An einer Straßen-Ecke: Die Häuser, die Bewohner, bisherige Unfälle, die Ulme. Dann ein Unfall. – Angenehm stoische Erzählstimme, jedoch zu beschaulich, zu wenig Handlung und Dialog. In sich gleichwohl rund. 6 Museums Women (1972)

ja

A&P 1961 Jugendlicher Kassierer beobachtet drei heiße Mädels, die seinen Supermarkt im Bikini betreten und sich der Kasse nähern. – Spröder starker Ich-Erzähler, erinnert etwas an den viel älteren Arbeiterklasse-Ich-Erzähler aus Poker Night (s. Collected Later Stories). In den Top 10 von Updike-Biograf Adam Begley. 8 Pigeon Feathers (1962)

ja

Lifeguard 1961 – ni. gelesen – Pigeon Feathers (1962)

ja

The Deacon 1970 – ni. gelesen – Museums Women (1972)

ja

The Carol Sing 1970 – ni. gelesen – Museums Women (1972)

ja

The Taste of Metal  1967 Eine Maples-Geschichte: Die Maples und eine Begleiterin nach einer Party im Auto; es schneit. Außereheliche Gelüste, Mobilitätsprobleme. – Origineller Themenmix, wie immer gute Dialoge voller Nebensinn. 7 Museums Women (1972)

Your Lover Just Called Eine Maples-Geschichte: Halb ernst, halb im Scherz palavert das Ehepaar Maple über außereheliche Aktivitäten des jeweils anderen. – Gelungener Titel, gelungene Geschichte, tiefsinniger Boulevard, amüsant. 8 Museums Women (1972)

Commercial  1972 – ni. gelesen – Problems (1979)

Minutes of the Last Meeting 1972 – ni. gelesen –   Problems (1979)

 

Believers  1972 – ni. gelesen – Problems (1979)

Eclipse – ni. gelesen –

 

Far Out

     

 

Archangel – ni. gelesen – Pigeon Feathers (1962)

The Dark 1964 – ni. gelesen – Music School (1966)

The Astronomer 1961 – ni. gelesen – Pigeon Feathers (1962)

The Witnesses 1966 Verheirateter Mann stellt befreundetem Ehepaar überraschend seine mutmaßliche Geliebte vor, alle sind pikiert. – Schöne Soziologie, grundsolider Ich-Erzähler, interessante Begegnung. 8 Museums Women (1972)

ja

A Constellation of Events Ehepaare, Freizeitspaß im Schnee, ein bissl Bildung, ein bissl Ehebruch. – Teil 1 mit zu viel Personal, unfokussiert, aber angenehmes Updikesches Grundrauschen. Gruppenbild erinnert an die Geschichte Leaf Season aus Collected Later Stories, hier aber fokussierter. 5 Trust Me (1984)

Ethiopia 1974 Junges US-Touristenpaar in Addis Abbeba. Ein bissl Rasse, Reise, Ehe-Unbehagen. – Unfokussiertes Allerlei. Updikes Reiseerlebnisse sind immer banal (die Egypt-Kurzgeschichte hier aus diesem Band hielt mich auch nicht wach, und Twin Beds in Rom ist ebf. touristisch überfrachtet; vgl. zudem die Witwen von Eastwick und das Herumjetten des Henry Bech). Updike hätte auf seiner Afrikareise mit Gattin Mary mit mehr Äthiopierinnen schlafen sollen. „An enigmatic, confused and confusing story… that doesn’t get much past the artificial confines of hotel lobbies and trips to see animals.“ 3 Problems (1979)

Transaction 1973 Hauptfigur ist ein Mann über 40 mit Frau und Geliebter. Auf Geschäftsreise nimmt er spontan eine mürrische Prostituierte, 22, mit aufs Zimmer. Updike beschreibt die Transaktion bis zum Höhepunkt mit gewohnter Genauigkeit und ungewohnter Länge. – Updike tritt die anfängliche Befangenheit zu breit, die Lyrik-Zitate tönen aufgesetzt. Dazwischen expliziter Sex und traurig-komische Momente. Wie immer steht der Mann nicht als Held da. Erinnert deutlich an die Transaktion mit einer Prostituierten in Updikes Hasenherz-Roman (Rabbit Teil 1) und momentweise an den Geschäftsreisenden in „New York Girl“ (Collected Later Stories). Abgelehnt vom New Yorker, erschienen im Playboy-Ableger Oui (das Magazin wird kurz erwähnt in Updikes drittem Rabbit-Roman, Bessere Verhältnisse/Rabbit Is Rich, 1981). 7 Problems (1979)

Augustine’s Concubine  1975 – ni. gelesen – Problems (1979)

During the Jurassic – ni. gelesen – Museums Women (1972)

ja

Under the Microscope – ni. gelesen – Museums Women (1972)

ja

The Baluchitherium – ni. gelesen – Museums Women (1972)

The Invention of the Horse Collar  

1971

 

– ni. gelesen –   Museums Women (1972)

 

Jesus on Honshu 1971 – ni. gelesen – Museums Women (1972)

The Slump – ni. gelesen – Museums Women (1972)

The Sea’s Green Sameness – ni. gelesen – Museums Women (1972)

 

The Single Life

     

 

The Bulgarian Poetess 1965 Eine Bech-Geschichte: „Her legs were visibly good.“ Und ein zauberhaftes Wesen hat die Dichterin auch, glaubt man den Dialogen dieser Geschichte und dem für Updike recht andächtigen Ton. – Doch ansonsten packt Updike zuviel Dichterreise-Kleinklein in die Geschichte, die kein Ganzes ergibt. Gehört zu den Updikes Top-Ten-Geschichten für Updike-Biograf John Begley und Updike-Blogger Jim Higgins. Nur diese Bech-Geschichte steht auch hier im Band The Early Stories 1953 – 1975 5,5 Music School (1966)

The Hermit 1965 Junger Mann lässt sich in verfallenem Waldhaus nieder. Brüder, Neffen und Ex-Loverin besuchen ihn. Er liebt die Einsamkeit. – Ein paar schöne Beobachtungen und Updikesche Heimwerkerfreuden, aber gefühlt mehr Konzept denn realistische Erfahrung. Erinnert an ZDF-Doku „Zuhause im Wald“. 5 Music School (1966)

I Am Dying, Egypt, Dying   – nicht gelesen –   Museums Women (1972)

 

Separating 1975 Eine Maples-Geschichte: Nach langem Grübeln entscheiden sich Joan und Richard Maple für eine vorübergehende Trennung. Nun müssen sie es den vier Kindern sagen, am besten einzeln. Ein Drama. – Einfühlsame, traurige Geschichte ohne die verschmitzten Kopfnoten anderer Maples-Stories. Updike-Biograf Adam Begley rekonstruiert den Wahrheitsgehalt der Geschichte in Gesprächen mit Updikes Kindern und zählt sie zu Updikes Top-10-Geschichten. 8 Problems (1979)

Gesturing Eine Maples-Geschichte: Richard Maple zieht endgültig in eine andere Stadt, doch sein Liebesleben bleibt verworren. – Nachdenklich, momentweise witzig, sehr lebendig. Die seltsame Berufslosigkeit von Richard Maple fällt hier mehr auf. Vielleicht wegen des Erscheinens im Playboy gibt es mehr Vierbuchstabiges, Nacktputzen, „fun“ im Bett und Schamhaar-Komparatistik als in den anderen Mapliaden. Updike druckte die Geschichte in den von ihm kuratierten Best American Short Stories of the Century, obwohl er selbst innerhalb und außerhalb der Maples Stories Besseres abliefert. 7

Killing – ni. gelesen – Trust Me (1984)

Problems  1975 – ni. gelesen – in Adam Begleys Top-10 Problems (1979)

The Man Who Loved Extinct Mammals 1975 – ni. gelesen –   Problems (1979)

 

Love Song, for a Moog Synthesizer 1976 „She was good in bed. She went to church. Her IQ was 150.“ Mit dieser Updikeschen Traumfrau beginnt eine einschläfernde „Kurzgeschichte“: Gedanken- und Erinnerungsfetzen, bissl Ehebruch, bissl Explizites, Vierbuchstabiges. Flott vorbei. 2 Problems (1979)

 

       

 

  Ø 6,75    

 

* Tabelle basiert auf Wikipedia

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