Kritik Biografie. John Updike, von Adam Begley (2014) – 7 Sterne

Biograf Begley betont, dass er Updike mag, bewundert, dass er ihn posthum weiter fördern will. Mehr noch: Als Literaturjournalist traf er John Updike (1932 – 2009) ein paar Mal und erlebte ihn als professionell freundlich; und Begleys Eltern waren mit Updike kurz befreundet – Updike bespaßte den ca. 2jährigen Adam Begley (*1959) mit Jongliertricks.

Freundlich:

Begley betrachtet John Updike (deswegen?) sehr freundlich, kritisiert nur einzelne Werke, lobt viel und übergeht das schwache Spätwerk freundlich schweigend: „Updike’s virtuosity“, „this ambitious, formidably intelligent novel“, aber auch mal „thin and stretched and uncomfortably manic“

Begley kümmert sich nicht intensiv um Updikes Liebesleben – weit weniger intensiv als Updike selbst in seinen Kurzgeschichten und Romanen. Begley interessiert sich mehr für religiös-philophische Stränge in Updikes Werken, für Updikes publizistische Höchstleistungen und seine Reisen. Biografisch fundierten Kurzgeschichten widmet Begley besonders viel Aufmerksamkeit, wohl relativ mehr als den vielen Romanen. Will man nicht den ganzen Updike selbst lesen, sind Begleys Einführungen in viele Updike-Werke gut zum Kennenlernen.

Einen systematischen Teil über Updikes Arbeitsweise gibt es nicht, nur einzelne Hinweise auf Bleistifte, Schreibmaschinen, Computer und Recherchen. Wieder und wieder betont Begley jedoch, wie Updike Erlebtes drei Wochen oder drei Jahre später fast 1:1 in Fiktion umsetzte.

Flüssig:

Begley schreibt nicht streng chronologisch, sondern teils nach Themen geordnet. Dies verursacht Zeitsprünge und ein paar markante Wiederholungen.

Abgesehen davon, textet Begley flüssig und sachdienlich, jederzeit bestens lesbar, unaufdringlich, unprofessoral (Ausname „synecdoche“), zudem relativ wertfrei abgesehen vom Lob auf viele, aber nicht alle Updike-Bücher. Presse-Reaktionen nach wichtigen Updike-Veröffentlichungen zitiert Begley nicht systematisch.

Zu knapp:

Und obwohl sie ausführlich kooperierte, sagt Begley wenig über Updikes erste Frau Mary: attraktiv, hochintelligent, wie Updike Harvard-gebildet, muss sie zuhause vier Kinder + Küche hüten, während der Mann um die Häuser zieht (in The Maple Stories heißt sie Joan, wird für ihren „New England cool“ und auch sonst gerühmt). Er fragte sie auch nicht, wie es sich anfühlt, wenn der Mann die eigenen Ehekrisen unentwegt in Literatur verwandelt, bis hin zu Berichten über Körperliches. Im Nachwort sagt Begley, er wolle das Buch so schreiben, dass Mary ihren Ex-Mann darin wieder erkenne. Ist das eine gute Vorgabe?

Mit Updikes zweiter Frau Martha und deren Kindern redete Begley nicht. Martha Updike kommt im Buch nicht sehr gut weg. Ohnehin rutscht Begley über Updikes letzte 30 Jahre flüchtig hinweg – er wollte erkennbar fertigwerden mit dem Buch.

Und Begley endet hart mit Updikes Tod. Kein Wort vom Nachleben seiner Frauen und Kinder (die wir kennengelernt haben) oder von Updikes kulturellem Nachwirken.

Updike hätte mehr als nur etwa 494 Seiten Haupttext verdient (Anhang nicht mitgerechnet).

Vermisst:

Adam Begley zitiert zu wenig aus weniger bekannten Texten: aus Updikes erfolgreichem Plauder-Journalismus für den New Yorker, aus seinen drolligen frühen Gedichten, oder aus dem  immensen Briefwechsel zwischen Sohn und Mutter Updike (die ebenfalls für den New Yorker schrieb). Selbst wenn solche Zitate nicht dringend nötig sind, geben sie viel Atmosphäre und Gefühl für den Gegenstand.

Und Adam Begley zeigt zu wenig Bilder: Auf 16 SW-Fotoseiten liefert der Verlag* zwar ein paar interessante Familienfotos. Die zweite Frau Martha sieht man indes nur einmal als hochmütige alte Dame. Die Updike-Titelblätter des Time-Magazins fehlen komplett, ebenso Updikes einst gerühmte Karikaturen für das Harvard-Studenten-Blatt Lampoon, so dass Begley sie mühsam beschreiben muss:

a chicken with a pince-nez and a Harvard sweatshirt confronted by an egg labeled „Class of ’57“ and bearing the instruction „HATCH ME“

(In der Richard Yates-Biografie sind die Zeichnungen des kratzbürstigen Autors für seine Tochter ein verblüffendes, heiteres Element.)

Kein Stammbaum, keine Zeittafel, kein Werkverzeichnis. Dies war die erste vollständige Updike-Biografie, weitere werden sicher folgen, auch ausführlichere.

Im Nachwort dankt Adam Begley auch seinem Vater, dem berühmten Romancier Louis Begley, für allerlei auch finanzielle Unterstützung. Würde der Vater auch gern ein Buch des Sohns über sich sehen?

Assoziation:

In anderen US-Schriftstellerbiografien liest man viel von Streitsucht, Rechthaberei, selbstzerstörerischem Suff und grober Frauenfeindlichkeit, etwa bei Philipp Roth, John Cheever (beide begegnen Updike kurz), Normal Mailer, Richard Yates, Ernest Hemingway und (nur Suff-technisch) bei F. Scott Fitzgerald. Im Vergleich dazu wirkt Updike versöhnlich, fast wie ein Warmduscher, Updike agierte lt. Begley „with sympathy rather than rancor“, „he never adopted a hostile tone“.  

 *ich hatte die Harper-Collins-Hardcover-Ausgabe, 1. Auflage 2014

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