Deutschland

Romankritik: Fliehkräfte (2012), Gegenspiel (2015); von Stephan Thome – 7,5/10:

Schon im ersten Band „Fliehkräfte” lernen wir sie ziemlich genau kennen, den C4-Philosophieprofessor, seine portugiesische Frau aus der Theaterbranche, die mild rebellische Tochter und die so ganz andere Professorenschwester. Stephan Thome beschreibt differenzierte Persönlichkeiten, eigenwillig, aber nicht krass, keine Abziehbilder, klischeefrei, irgendwie im linksliberalen Spektrum, mit Selbstzweifeln und Widersprüchen, ganz normal. Ungefähr ab der Hälfte,…

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Romankritik: Gesang der Haut, von Sylvie Schenk (2011) – 4/10

Gelegentlich wird es zu schwülstig, vor allem in den kurzen Kapiteln, die „(Moira)“ überschrieben sind, aber auch im Inneren Monolog der Arztgattin Henriette, wo auf der Doppelseite 20/21 erst von Harpyien und dann von Kronos die Rede ist– freilich geht es um Bildungsbürger, die später auch „Rideau!“ rufen (wohlgemerkt deutsche Bildungsbürger). Die Figuren oder die…

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Romankritik: Goodbye to Berlin, von Christopher Isherwood (1937) – 8/10

Ich liebe den bekannten Satz aus der ersten Geschichte: I am a camera with its shutter open, quite passive, recording, not thinking. That’s the spirit. Doch aktuelle deutsche Schreiber liefern genau das Gegenteil: anders als Isherwood zeichnen sie nichts von außen auf, sondern liefern Endoskopie-Selfies, denken die ganze Zeit an und beobachten sich selbst, ihre…

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Biografiekritik: Hubert Burda. Der Medienfürst, von Gisela Freisinger (2005) – 6/10

Offenbar hatte die Autorin Zugang zu allen Hauptfiguren und 100 weiteren Akteuren samt Friede Springer, Mark Wössner, Günter Prinz, Reinhold Messner und Schulte-Hillen, auch wenn sie im Dankwort nicht alle Namen nennen will. Der Briefwechsel zwischen Axel Springer und Franz Burda senior blieb indes unter Verschluss, Rupert Murdoch stumm; doch sie konnte Tagebücher von Hubert…

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Ulrike Siegel Bauernhof Dorf

Romankritik: Hier draußen, von Martina Behm (2025)– 7/10

Vor- und Nachzüge: Der Roman zeichnet unterschiedliche Akteure auf dem Dorf psychologisch genau. Er liefert (zu) viele Details aus dem bäuerlichen Alltag. Mitunter menschelt es zu streng, es gibt wenig Politik und Gesellschaft. Das Drama um die weiße Hirschkuh wirkt wie nachträglich angeflanscht und falsch illustriert.  Amazon-Werbelinks: Martina Behm | Dörte Hansen | Bestseller Literatur…

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Lese-Eindruck Kurzgeschichten: Freiheit, von Daniela Krien (2014)

Freiheit: Diese Geschichte handelt detailreich von einer medizinisch indizierten Spätabtreibung in der 33. Woche, Fetozid mit Kaliumchloridspritze. Es geht auch um die strenggläubig katholischen Eltern der Kindsmutter Eva. Die schrieb übrigens ein Lied über ein gläubiges Mädchen, das als Kind vergewaltigt wird, sich von Gott abwendet und sich mit 14 Jahren das Leben nimmt Geht…

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Romankritik: Lichtspiel, von Daniel Kehlmann (2023) – 7/10

Daniel Kehlmann überwältigt mit seiner Brachialschreibe ab Seite 1:  kurze Sätze, atemloses historisches Präsens (nicht immer), eine Anekdote zweimal angerissen und nicht  beendet, jedes kurze Kapitel eine neue Situation aus neuer Perspektive. Filmi filmi schreibt (überwiegend) der Auch-Drehbuchautor Daniel Kehlmann, Sohn einer Schauspielerin und eines Regisseurs. Dialoge kann er  wie vielleicht kein zweiter deutscher Zeitgenosse, …

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Romankritik: Abschied, von Sebastian Haffner (1932)– 7/10

Einzelne Sätze verstand ich nicht, zum Beispiel Französisches wie Il faut la secouer parfois ((…)) comme sa maîtresse.    (Ich-Erzähler Raimund sagt, er verstehe selber nicht viel Französisch.) Auch Deutsches kapierte ich nicht immer: ((Fräulein Gault gehörte)) zu dem Typ, der, wenn er älter wird, die Marianne‑Karikaturen abgibt.“ Das Wort “abgeben” ist hier mehrdeutig, und die…

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Biografie-Kritik: Harry Rowohlt, von Alexander Solloch (2024) – 7/10

Harry Rowohlt war penibel mit Sprache, und das zeichnet Biograf Solloch schön nach. Mehrfach gibt er Sprachbetrachtungen Rowohlts wieder und vergleicht Rowohltsche Übersetzungen mit anderen Eindeutschungen, dazu das englische Original – sehr gut; freilich finde ich Rowohlts Versionen weniger herausragend als der penetrant enthusiastische Biograf. Stil: Tatsächlich rühmt Solloch Harry Rowohlts Schreib-und Lebensstil wie auch…

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Romankritik: Was man von hier aus sehen kann, von Mariana Leky (2017) – 6/10

Der Roman hat eine Schlagseite Richtung Dorfidylle und  Friede-Freude-Mehrgenerationenhauseierkuchen. Die wichtigsten Geschäfte sind Buchladen, Kramer, Eiscafé, Geschenkideengeschäft und Blumenladen; diesen Wohlfühl-Kitsch konterkarieren ein paar absurde Dorf-Kratzbürsten; selbst ihnen begegnen die Hauptfiguren zugewandt, so werden auch die Dorf-Kratzbürsten zutraulich handzahm. Ein  Kuschel–Buch. Fazit: Mariana Leky bezirzt den Leser mit drolligen Vergleichen, Begriffskombinationen, Dialogen und Situationen. Die…

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Lese-Eindruck Erzählungen Bernd Cailloux: german writing (2006)

Die kleine Satiren amüsieren teils mild. Bernd Cailloux berichtet vermeintlich aus dem Schriftstellerleben, erzählt aber auch alles andere – angehende Schauspieler, nächtliche Berlinstreifzüge, Rozanne aus Kalifornien in Oklahoma und ihre fünf Mal verheiratete Mutter. Die Texte klingen matt und selbstgefällig, dafür steht z.B. dieser Ausschnitt: Auf den letzten Metern zum Zeitungscafé konnte ich mich gerade…

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Sachbuchkritik: Der Tag danach, von Michael Jürgs (2005) – 6/10

Natürlich redet Michael Jürgs nicht nur über den Tag danach, sondern er rafft ganze Biografien auf meist zehn Seiten zusammen, teils mehrere einschneidende Erlebnisse knapp beisammen (z.B. Entlassung und Schlaganfall bei Manfred Bissinger, ebenso zwei getrennte Ereignisse für den Studenten und später für den Journalisten Ulrich Wickert) und teils gleich mehrere Tage danach (wie bei…

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Biografie-Kritik: Manfred Bissinger. Der Meinungsmacher: Eine biographische Spurensuche, von Hermann H. Schmidt, Miriam Bernhardt (2019) – 4/10

Das liest sich flüssig, freundlich und tiefgangfrei. Am Gymnasium prügelte sich Bissinger so, dass er von der Schule flog und kein anderes Gymnasium ihn aufnehmen wollte – er musste auf die Realschule und den Traum vom Architekturstudium begraben. Welche Wut tobte im heranwachsenden Manfred? Und warum hatte er dagegen als Erwachsener eine ausgeprägte Fähigkeit, Menschen…

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Kritik Biografie: Rudolf Augstein, von Peter Merseburger (2007) – 6/10

Dies ist keine Biografie. Dies ist eine episodische bundesdeutsche Zeitgeschichte mit gelegentlichen Schwenks auf Rudolf Augsteins einschlägige Leitartikel, Briefe und Vorträge. Tiefschürfend am Thema vorbei recherchiert. Über Augstein sagt Peter Merseburger, er habe sich zeitlebens mehr für Männer, die Geschichte machen, interessiert als für die strukturelle Seite der Historie Über Merseburgers Augstein-Buch sagt Hans D….

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Memoirenkritik: Der Herausgeber (2016), von Irma Nelles – 5/10

Geschickt vermischt Irma Nelles  Privates, Spiegel-Interna und bundesdeutsche Zeitgeschichte. Schon als Kind hörte sie Vater und Lehrerin ehrfürchtig von Rudolf Augstein reden. Sie beginnt mit dem Tod Rudolf Augsteins und springt dann in ihre Kindheit; so macht man das in modernen Büchern. Sie schreibt gefühlvoll und sehr menschlich, wahrt Takt, ohne Schwieriges komplett auszusparen. Fast…

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Biografie-Kritik: Henri Nannen, Der Herr vom Stern, von Hermann Schreiber (1999) – 7/10

Hermann Schreiber übertreibt es: er beginnt nicht nur mit gleich 2 Vorwörtern (Idealwert: 0), sondern rekurriert sofort auf die „Hafenstadt Emden… zu Zeiten ihrer Hochblüte im 16. Jahrhundert“. Wo ist der stern-Chef? Keine Quellenangaben: Hermann Schreiber (1929 – 2020) recherchierte erkennbar tief, redet im Vorwort von “zwei Jahren intensiver Nachforschung”, wühlte in Drucksachen seit den…

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Lese-Eindruck Kurzgeschichten: Die Saujagd und andere Vorstadtgeschichten von Max von der Grün (1995)

Die vielen kurzen Episoden beginnen meist mit typischen Nachbarschaftsszenen, die dann in unrealistische Streiche und platte Gags ausarten. Andere Szenen spielen auf der Autobahn oder in der Fußgängerzone. Gleich zweimal werden Kirchen unbefugt aufgesperrt, zweimal anonym Fahnen an schwer erreichbaren Orten gehisst. Max von der Grün schreibt gewandt und leicht lesbar. Über die Konflikte allein…

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Romankritik: Der Chor, von Anna Katharina Hahn (2024) – 4/10

Ich fühlte mich bocklhart zugelabert – vor allem im letzten Drittel mit schwer nachvollziehbaren Verwicklungen, Entscheidungen, Figuren, einer völlig unrealistischen Paarung und Begegnung (sofern ich das richtig verstand). Ich kämpfte verbissen bis zur letzten Seite. Amazon-Werbelinks: Anna Katharina Hahn | Daniela Krien | Julia Schoch | Patricia Highsmith Alle Hauptfiguren sind Frauen, die meisten Nebenfiguren…

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Romankritik: Späte Liebe, von Max von der Grün (1977) – 7/10

Die zwei 70-Jährigen kommen schon sehr früh im Roman zusammen, und dann folgen überwiegend heitere Episoden, die Rentnerliebe ist nie gefährdet – keine dramatische RomKom, Happy ever after nach ein paar Seiten. Max von der Grün schreibt betulich, aber nicht muffig; doch er beschreibt eine abschreckend muffige Welt: Häkeldeckchen, röhrender Hirsch, Herzleiden, Rentnerbustour, Minieiffelturm, Skatkumpel…

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Buchkritik: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur, von Andrea Wulf (2015) – 7/10

Fazit: Andrea Wulf bemüht sich intensiv, Alexander von Humboldt als Klimaschützer zu zeigen – der erste ökologische Wissenschaftler, der den Raubbau an der Natur anprangerte statt pries und die Vernetzung allen Lebens betonte. Zudem war von Humboldt pro-divers, antirassistisch, antikolonialistisch und schätzte sogar die Amazonas-Indios, oder zumindest ihre Naturkenntnisse. Die Autorin vertieft sich zudem sehr/zu…

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Kritik Sachbuch: Guten Morgen, Güzelim!, von Sevim Çelik-Lorenzen (2022) – 5/10

Die Autorin ist “Malerin, Familientherapeutin und systemische Supervisions- und Institutionsberaterin“. Ihr überraschender Ansatz hier jedoch: Ich stellte nur zwei Fragen. Wie bist du aus der Türkei ausgewandert und wie war es dann in Deutschland für dich? Tiefgang entsteht so nicht, viele Frauen berichten nur rund zwei Seiten lang, eine Bahar gar nur Belangloses auf knapp…

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Romankritik: Kürzere Tage, von Anna Katharina Hahn (2009) – 6/10

Anna Katharina Hahn schreibt psychologisch sehr genau und nachvollziehbar, wenn auch zu dialogarm. Der Roman wurde ins Englische übersetzt und für den Deutschen Buchpreis 2009 gelonglistet. Englischsprachige Romane sind durch die Bank besser als deutsche, aber aus psychohygienischen Gründen muss ich doch um 50% Deutsches lesen; zu diesem Programm gehört auch Kürzere Tage. Amazon-Werbelinks: Anna…

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Rezi: Hot Topic! 5, 12 pure Versuchungen, Lust zum Lesen!

Wenn überhaupt, sollte man das rosa Heftchen keinesfalls am Stück lesen, sondern mit anderer Lektüre mischen. Die Kurzgeschichten wirken pubertär, aufgesetzt und holzhammererotisch, aber ich bin auch Jahrzehnte älter als die mutmaßliche Zielgruppe (immerhin lese ich Print, so wie dieses Heftchen; tut das die Zielgruppe?). Immer wieder geht es um Tattoos und Piercings, auch in…

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Buch-Eindruck: Der verschwundene Zeuge – Das kurze Leben des Felix Hartlaub, von Matthias Weichelt (2020)

Die ersten Worte überhaupt in diesem Buch: Kapitel 1 Das Ende Ein paradoxer Einstieg. Vielleicht passt er ja zum bevorstehenden Untergang der Hauptfigur in Berlin 1945. Auch andere Biografien steigen mit dem Tod des Protagonisten ein (ich gendere nicht); ich bin sehr für medias in res, doch diese Form der Dramatisierung wirkt abgeschmackt. Und natürlich…

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Romankritik: Jahre mit Martha, von Martin Kordić (2022) – 4/10

Fazit: Ja, Martin Kordić kann es: Sein Roman fesselt zunächst mit der semi-subtilen Annäherung von Professorin Martha Gruber, 40  an den armem Migrantenjungen „Jimmy“, 15. Und Martin Kordić vergeigt es: Ab der Buchmitte gibt’s von dem wunderlichen Paar nur noch wunderliche snippets; der Ich-Erzähler bejammert v.a. die Verachtung der Biodeutschen für die Kroaten, obwohl die…

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Buchkritik: Ströbele. Die Biografie, von Stefan Reinecke (2016) – 7/10

Ex-taz-Journalist und Schily-Biograf Stefan Reinecke schreibt flüssig und nicht als Ströbele-Fanboy, auch wenn er Ströbeles Anliegen wohl überwiegend teilt. Um Seite 157 weist er ihm aufwändig mangelnde Distanzierung vom Antisemitismus seines Mandanten Dieter Kunzelmann nach; ab etwa 1989 folgt mehrfach heftige Kritik. Amazon-Werbelinks: Die Grünen | Christian Ströbele | Deutsche Politik | Nichts Privates: Reinecke…

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Buchkritik: Unser Deutschlandmärchen, von Dinçer Güçyeter (2023) – 7/10

Türkische und griechische Ich-Erzähler berichten in authentischem Ton (wenn auch einander zu ähnlich) vom Leben in Deutschland seit den späten 1970er Jahren: Die Griechin mit dem türkischen Namen Zeynep beschafft der schwangeren Türkin Fatma (Dinçer-Mama) heiß begehrte Maiskolben, und das im Januar; Amtsrichter Hoeke bringt en passant den jugendlichen Dinçer nach Istanbul sowie in den…

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Ulrike Siegel Bauernhof Dorf

Sachbuchkritik: Ein Hof und elf Geschwister, von Ewald Frie (2023) – 7/10

Ewald Frie schreibt eher allgemein über Veränderungen in der münsterländischen Landwirtschaft seit 1945 (in der Buchmitte mit einer ermüdenden Rückblende bis ca. 1817), gestützt auf ausführliches Quellenstudium. Seine sozialhistorischen Erkenntnisse garniert Frie mit Erfahrungen der eigenen Familie samt Zitaten seiner zehn Geschwister, die aus unterschiedlichen Jahrzehnten berichten. Aber die Frie-Geschwister treten kaum als Individuen hervor,…

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Napoleon

Rezension historisches Sachbuch: 1813, von Günter Müchler (2012) – 5/10

Günter Müchler beschreibt nicht nur das titelgebende Dresdner Treffen Napoleon-Metternich 1813. Er liefert ausführlicher noch Biografien der antagonistischen Staatslenker. Müchler erzählt dies jedoch nicht systematisch und für Neulinge, sondern setzt immenses Vorwissen heraus; es klingt wie gerafft Bekanntes, das ein Geschichtsnerd seinen gelehrten Zuhörern kurz ins Gedächtnis rufen möchte – wer Amiens, Preßburg, Tilsit, Austerlitz,…

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Romankritik: Rheinblick, von Brigitte Glaser (2019) – 5/10

Die Dialoge klingen hölzern, die Verwicklungen schwer nachvollziehbar, ebenso die Zufälle. Und sprachlich ist das schlechter als eine buchmarktüblich lieblose Übersetzung. Dabei hat Brigitte Glaser reizvolles Personal: eine Kneipenwirtin, einen Taxifahrer-Studenten, Willy Brandt im Krankenzimmer mit Logopädin und Horst Ehmke, in Nebenrollen Helmut Schmidt und Schäuble. Auf den letzten Seiten listet Brigitte Glaser ihre historischen…

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Ulrike Siegel Bauernhof Dorf

Buchkritik: Was die Dörfer einst zusammenhielt, von Ulrike Siegel (2022) – 7/10

18 Dorfbewohner aus Deutschland, geboren etwa zwischen 1951 und 1964, erzählen in 19 Geschichten von ihren frühen Kindheitsjahren auf dem Dorf – oder von ihren Großeltern, dann geht es bis in die 1930er Jahre zurück. Oft geht es um Bauern, aber auch um die arme Schneiderin Omi Anni, den fahrenden Höker Alwiss und die bescheidene…

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