Wandern + Radeln in Oberbayern abseits der Hauptwege – Erfahrungen 2022

Bergan durch Stangerlwald – wenig Lichtblicke. — Alle Fotos Copyright HansBlog.de, urheberrechtlich geschützt.

Der bayerische Wald:

…hat meist eine tieftraurige Gestalt: Auf dem Weg von 700 oder 800 NN hoch in Richtung Gipfel durchwandert man trostlosen Fichten-Stangerl-Wirtschaftsforst, ein Verhau aus gefällt herumliegenden Bäumen, dürren Fichten, Wackermännern, dazwischen derb breite Rücke-Spuren von Gefälltem und schwerem Gerät. Hier und da einsame Buche, Bergahorn oder Eiche und ganz viel mickriger, opportunistischer Sekundärwald in Kahlschlagbereichen.

Bäche sind begradigt, befestigt, von Staustufen geknickt.

Man geht teils nicht über lauschige Waldwege, sondern über breite, steinige „Forstautobahnen“, gegen die schon protestiert wird (Lokalpresse). Theoretisch kann man den Wald überspringen und per Seilbahn direkt zu den Gipfeln gondeln. Doch die Bergstationen sind unerträgliche Rummelplätze; und die Seilbahnen kosten; und sie verkehren oft nur von 9 bis 17 Uhr, sparen also im Sommer die schönsten Stunden aus; und sie verursachen großflächig Augenkrebs.

Einen Laubwald, der die Seele streichelt, gibt’s nur noch im Touristenpark rund um den Tegernsee. Hier geht Fremden- vor Milchvieh- und Forstwirtschaft. Freilich gibt’s wie überall im Tal

  • rote Hundekackbeutel massenhaft auf den Wegen
  • weiß-braune Tempokacktücher massenhaft neben den Wegen
  • Gesichtsmasken aller Couleurs massenhaft auf den Wegen

Deutscherwaldverhau.

Die Berghütten:

…bieten oft nur Fraß, Formfleisch-Wienerle und so. Was ist eigentlich ein Kaspressknödel? Eine vormals gelobte Hütte bekennt sich neuerdings zur „einfachen Karte“ und „stressfreierem Arbeiten“ (Stand August 2022).

Einerseits ist es schön, einzukehren; andererseits wäre ein mitgebrachtes Picknick unterm Baum gesünder, billiger, leckerer, und man hätte keine lauthalsigen Raucher am Tisch, es wäre also auch ruhiger. Die Gäste kleiden sich wie ausgeflippte Papageien, reden teils auch so und drehen bei Stimmversagen das Handy auf.

Die Wirte sind oft nett, teils auch gereizt-genervt (wenn die „Selbstbedienung“ nicht akzeptiert oder ein Hund im Weidegebiet nicht angeleint wird).

Eine Almbäuerin meinte, 2022 kämen viel weniger Gäste als in den zwei Corona-Jahren zuvor, weil die Leute wieder nach Malle, Kroatien und in die Türkei düsen. Ein Almbauer sagte, die ausgeschenkte Buttermilch komme zumeist aus dem Tetrapack.

Ein paar Almen machen aber Milch, buttern und käsen zudem selbst und haben mit Glück auch frische Buttermilli da. Örtlicher Alm-Käse und -Buttermilch schmeckten ok, waren aber keine Highlights und nicht billig: ein schlichter Alm-Kas wurde für 3,50/100g verkauft – im Bioladen ist’s feiner und meist günstiger. Aber die Hüttenware ist ok.

Einheimische grüßen am Berg und in der Hütte, Touristen oft nicht. Die Dortmunder in der Buchsteiner Hütte schwiegen indigniert, als ich sie grüßte. Sie verabschiedeten sich aber demonstrativ liebevoll von der Hüttenkatze.

Guter Käse im Tal schmeckt besser und kostet weniger. Hat aber weniger Romantikbeiwert als almgemachter almverputzter.

Informationen zum Wandern und Radfahren…

…gibt’s u.a. in diesen Formaten:

  • Handy-App mit Wegen oder fertigen Routen
  • Webseite
  • gedrucktes Buch
  • gedruckte Landkarte
  • Wegweiser

Ich nutze alle Varianten. Ich sah Wanderer, die sich nur mit Handy-Apps orientieren, aber da fehlt mir der große Überblick auf einer Papierkarte oder mindestens am großen Bildschirm. Ich lese auch Text-Tourenbeschreibungen, um den Charakter einer Etappe zu erfahren.

Keine Forst- oder Weidewirtschaft? Nein, hier wird Kurtaxe re-investiert, offenbar lohnt es.

Online-Kartenmaterial:

Alle Online-Karten im Browser erlauben Routenplanung für Wanderer und Radler, zeigen dazu Höhenprofile und Zeitbedarf.

  • Google Maps im Browser oder als App: Gut, um Geldautomaten oder Cafés in Städten zu finden. Gut für Öffnungszeiten und Ruhetage. Zeigt jede Starbucks-Filiale, aber keine Ortsnamen. Sinnlos zum Wandern oder Radeln auf kleinen Wegen – viele Wege fehlen, vorgeschlagene Routen sind ein Witz. Der Seitenblick auf Satelliten- oder 3D-Relief lohnt aber (lässt sich jedoch auch in anderen Diensten einblenden, s.u.).
  • Open Street Maps (OSM) im Browser oder als App: hat im Vergleich zu Google weitaus mehr kleinteilige Informationen für Wanderer und Radler, zeigt u.a. Furten, Wegweiser, Quellen, Steighilfen, nicht kommerziell. Tolle Datenbasis, jedoch keine eigenen Satellitenbilder. Im Browser verschiedene Ebenen und Darstellungsmöglichkeiten, auch öffentliche GPX-Tracks. Speichert im Browser ebenso wie Bayern-Atlas im Browser keine persönlichen Favoriten-Punkte und lässt Wegpunkte nicht ziehen. OSM ist Datenbasis u.a. für die Handy-Apps Osmand und Maps.me (s.u.) und für viele Tourenseiten im Netz.
  • BayernAtlas im Browser und evtl. als App: Bietet im Browser unterschiedlichste Karten samt Sat-Bildern zum Übereinanderlegen und separater 3D-Darstellung. Unterscheidet bei der Routenplanung zwischen Normalrad, Bergrad und Rennrad, Wegpunkte lassen sich ziehen (wie bei Google Maps im Browser, anders als bei Open Street Maps im Browser). Keine Favoritenpunkte.

Ein Laubwald in Oberbayern? Echt, oder? Naja, das hier ist eher ein Park.

Apps zum Wandern und Radeln – Wikiloc, Komoot etc.:

U.a. diese Handy-Apps bieten Routenplanung und Navigation für Wanderer und Radler auf kleinsten Wegen:

  • Wikiloc, Komoot etc.: Sowas benutze ich nicht mehr. Der kommerzielle Druck ist zu stark, es gibt zu viele unkuratierte Schwachsinnstouren von Privatnutzern sowie Datenschutzbedenken; so wird man ständig genötigt, jeden Schritt aufzuzeichnen und hochzuladen. Danke.

Apps zum Wandern und Radeln – Osmand und Maps.me:

Die zwei Apps Osmand und Maps.me

  • verwenden die hochdetaillierte Open Street Map als Datenbasis – viel besser als Google Maps zum Wandern und Radeln, sie zeigen jeden Trampfelpfad (aber Sat-Bilder nicht immer) (für Restaurants und Sat-Bilder lohnt ein Seitenblick auf Google Maps)
  • kosten nichts in der völlig ausreichenden Gratis-Variante
  • benötigen unterwegs im Gelände kein Internet – man lädt die Karten vorab herunter, und GPS zur Positionsbestimmung braucht kein Internet (aber viel Batterie)
  • zeigen keine fertigen Rundtouren (anders als Wikiloc, Komoot etc.)
  • erlauben es zumindest in der Gratis-Version nicht, Favoriten oder eine Route am PC zu planen und dann am Handy damit weiterzuarbeiten – ein Mangel im Vergleich zu Google Maps.

Aber sie erlauben eigene Routenplanung direkt am Handy. Meine Eindrücke im einzelnen:

  • Osmand: Herunterladene GPX-Tracks lassen sich anzeigen und verfolgen. Im Vergleich zum ähnlichen Maps.me ist Osmand wohl bunter, vielseitiger, aber auch komplizierter. Bing Earth-Satellitenbilder lassen sich einblenden, wenn man online ist. Google Earth-Satellitenbilder lassen sich mit einem Trick einblenden ( Quelle, hat bei mir nach Gefummel funktioniert). Tipp: Sat-Bilder schon zu Hause per WLAN hochaufgelöst anzeigen und offline am Berg hoffen, dass sie noch im Cache sind. Unterschiedliche Darstellungen zum Radeln und Wandern (konfigurierbar). Routenplanung über mehrere Wegpunkte. Konfiguration und Favoriten für Handywechsel exportierbar. Wegzeitberechnung unrealistisch.
  • Maps.me: Im Vergleich zu Osmand auf selber Datenbasis wohl weniger bunt, weniger vielseitig, aber auch eingängiger. Empfiehlt im Vergleich zu Osmand teils andere Routen und Wegzeiten, ein Gegencheck lohnt eventuell.Wegen Farbenvielfalt und Sat-Einblendung ziehe ich jedoch Osmand vor.

Welche ist die Beste? Ich weiß es.

Gedruckte Landkarten:

Drei Serien verwende ich in Oberbayern:

  • Alpenvereinskarte Bayern 1:25.000, AV_BY07 etc.: Dank hochauflösendem Maßstab sehr klar und eingängig, meine Lieblingskarte nicht nur beim Wandern, sondern auch beim Radeln auf Kleinwegen. Weist keine Fahrradwege aus (das wäre auch für Wanderer nützlich), jedoch verwirrend viele unterschiedliche Kennzeichnungen für Wander- und Skitouren. Dieses Material als Navi-App plus Sat-Ebene, das wäre es.
  • Landesvermessungsamt 1:50.000: Ähnlich präzises Kartenbild wie Alpenvereinskarte (wo man beteiligt war), aber der Maßstab ist weiter, die Dinge sind unkomfortabel kleiner. Weist empfohlene Fahrradwege klar aus – gut für Tourenplanung, selbst wenn man Teilstücke anders fährt oder zu Fuß geht und vor Ort eine App wie Osmand nutzt.
  • KompassKarte 1:50.000: Wirkt im Vergleich zu o.g. Serien wie bunte Spaghetti, zu weich gekocht. Trotzdem gut, um Hauptwege klar zu sehen. Weist Fahrradwege aus, je nach Karte grün oder rosa. Einzelne Blätter auch 1:25.000, z.B. Tegernseer Tal.

Bei allen Karten sollte man die Knicke mit Tesa abkleben, sonst reißen sie. Reiß- und wasserfeste Karten wie in USA habe ich für Bayern nicht gesehen.

Noch Fragen?

Genaue Wegbeschreibungen als Text:

Genaue Wegbeschreibungen gibt’s auf vielen Tourenseiten im Netz, in Büchern, in Zeitschriften, hier ein Zitat aus dem Buch Oberbayern, 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade:

Trifft man kurz später auf eine Forststraße, folgt man ihr wenige Hundert Meter nach rechts, bevor man kurz nach einer kleinen Hütte in der Wiese linker Hand wieder in den Wald nach rechts eintaucht. Immer noch auf der gleichen Uferseite bleibend ((…))

Solche Detailhuberei braucht’s nicht mehr. Solche Richtungshinweise holt man sich vor Ort von einer Wander-Navi-App wie Osmand oder Maps.me etc. (s.o.) – viel eindeutiger. Die Text-Wegbeschreibungen sollten sich auf den Charakter des Wegs beschränken (Wirtschaftsforst-Verhau, ausgesetzt, nur für Schwindelfreie, tolle Aussicht, Sperrzeiten etc.). Dazu bitte Fotos.

Wegbeschreibungen online:

Die beste Seite ist wohl Tourentipp.com – sehr übersichtlich, ausführlich, nicht hingeschlampt, ohne kommerziellen Druck, immer mit Landkarte, oft mit herunterladbarem GPX-Track und Fotos.  Es gibt Dutzende weitere Tourenseiten im Netz: einfach nach bestimmten Berggipfeln oder Hütten suchen, schon erscheinen die Seiten. Alle verwenden wohl Open Street Maps (s.o.) für ihre Karten.

Wegweiser:

Wegweiser oder Markierungen für Radler und Wanderer sind mal da, mal nicht da – nie zuverlässig für die ganze Strecke, für alle Wege. Manche Schilder zeigen so zweideutig zwischen zwei Wege, dass es schon hämisch wirkt.

Freilich: Wer nicht eine prima orientierende Handy-App wie Osmand dabei hat, ist selbst schuld. (Die App kostet nichts, braucht unterwegs kein Internet und ein älteres Gebraucht-Handy reicht vollauf. Sie hilft auch bei Nacht und Nebel, auch dank eingebauter Taschenlampe. Dazu einen externen Akku einpacken.)

Alles klar.

Buch Oberbayern, 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade:

Das Buch von Michaela Urban lieferte mir sehr willkommene Tipps für tatsächlich weniger überlaufene Gegenden, sogar an einem Samstag (Amazon-Werbelink). Ich vollzog Urbans Touren nicht exakt nach, verwendete aber ihre Hinweise auf die oberbayerischen Regionen und einzelne Zwischenziele. Viele informative Fotos. Einige Touren sind eher für Spaziergänger, Kanufahrer oder Familien mit Kleinkindern, einiges nördlich von München.

Einzelne wichtige Details fehlen nach meiner Übersicht (z.B. dass Teile der Isar-Südseite zwischen Vorderriss und Wallgau im Frühsommer wegen Vogelschutzes gesperrt sind).

Zur Qualität der Sprache am Beispiel des Zitats oben: ich lese statt „linker Hand in den Wald nach rechts“ lieber „auf der Westseite nach Osten“ etc., nur das ist eindeutig.Und es heißt „auf der selben Uferseite“, nicht „auf der gleichen“.

Weitere evtl. nützliche Gratis-Apps:

  • DB Navigator: Wichtig im 9-Euro-Sommermärchen, zeigt auch Busse und Privatbahnen, auch Verspätungen. Erlaubt keinen Kartenkauf für Privatbahnen oder Busse
  • Fahrplan Bayern: zeigt nach meiner Erfahrung weitestgehend dasselbe wie DB Navigator (s.o.), evtl. mehr Störungsmeldungen, die jedoch schnell widerrufen werden.
  • BRB: von der Bayerischen Regiobahn z.B. für München, Lenggries, Tegernsee, Bayrischzell, Rosenheim. Wer schon ein 9-Euro-Ticket hat, kann hier noch ein Radticket nachzapfen (halber Erwachsenenpreis). Vorab-Infos zu Streckensperrungen. In meiner Erfahrung verheerend schlecht und zu teuren Fehlkäufen verleitend, ebenso wie die BRB-Webseite (1); erlaubt keine Screenshots von Online-Tickets; mailt Tickets nicht als PDF; lieber am Automaten.
  • Flora Incognita: Pflanzenbestimmung, besser wenn online

Mittags gibt’s auf jeden Fall Verbindungen – und Platz fürs Rad.

Anreise per Bahn, lieber spät als nie:

Das 9-€-Ticket im Sommer 2022 beflügelte. Und sehr frühe Verbindungen aus der Kleinstadt in die Großstadt sind kein Problem, ebenso sehr späte Verbindungen aus der Großstadt in die Kleinstadt. Das will der Wanderer und Radler indes meist nicht. Er will weiter raus. Aber das ist schwer:

Sehr frühe oder sehr späte Verbindungen zwischen Kleinstädten oder weiter raus aus der Großstadt gibt’s nicht. Die gibt’s in der Bahn nur grob von 7 bis 22 Uhr, bei Bussen teils erst um neun Uhr früh. Das stört mich v.a. um die Sonnwende herum, wenn der Sonnenaufgang um 5 und der Sonnenuntergang nach 21 Uhr ist. Das kann man nicht immer voll ausnutzen – die Öffis fahren zu spät aufs Land und zu früh wieder zurück.

Siehe diese Beispiele:

1. Ankunft, letzte Abfahrt per Bus in Wandergebieten*:

1. Ank. So letzte Abf. So 1. Ank. Mo letzte Abf. Mo
Spitzingsee 8.53 18.23 8.23 18.43
Jachenau-Post 10.46 17.45 9.45 17.45
Eng Tirol 8.20 17.30 11.22 16.35
Achenkirch Tirol 9.52 17.40 9.52 17.40
Tatzelwurm Sudelfeld 9.12 17.07 9.12 17.07

*recherchiert auf bahn.de für So, 28.8.22 und für Mo, 29.8.22; im Winter evtl. andere oder keine Zeiten

(1) Mindestens zweimal suchte ich dort eine Verbindung für acht Uhr früh, kaufte die angebotene Fahrkarte – und die galt dann erst ab neun Uhr. Ist vielleicht auch eigene Doofheit.

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