Romankritik. Heirate mich, von John Updike (1976, engl. Marry Me) – 7 Sterne

Jerry und Sally lieben sich, doch beide sind anderweitig verheiratet, jeweils mit Kindern, und planen ihre Schäferstündchen mit viel Heimlichtuerei. John Updike (1932 – 2009) beschreibt Gefühle und Upläufe teils atemberaubend nah und nachvollziehbar.

Die betrogenen Ehepartner sind ihrerseits keine Kinder von Traurigkeit. John Updike bringt sehr genaue Beobachtungen aus der US-Mittelschicht Anfang der 1960er Jahre, scharfe Dialoge ohne schnelle Pointen, jedoch mit viel Hintersinn und vergifteter Freundlichkeit. Der Leser meint, er muss höflich weghören, doch das ist unmöglich.

John Updike erzählt durchweg aus Sicht der Frauen, in die er sich gut einfühlt. Die Männer sind eher gefühllose, selbstverliebte Schrate, auch wenn sie klug oder cool daherschwafeln. Die Frauen himmeln die Herren der Schöpfung gleichwohl an, selbst wenn die zwischendurch ’ne andere beschlafen.

Wiederholt säuselt John Updike allzu lyrisch bis verklärend*:

On the brightening edge of the long June day that followed the third night they had ever spent together, Jerry and Sally made love lucidly, like Adam and Eve…

und nur selten zu derb:

The waitress… took her for a fucked secretary.

Zum Säuseln gehören auch religiöse Debatten, bis hin zu Jesus-Pimmel-Vergleichen:

„Because it makes my prick Christ?… As Christ relates to the universe, my prick relates to me.“

Amen.

Assoziation:

  • Ehebruchiaden, ähnliche Konstellation und Titel gibt’s auch in John Updikes Roman Ehepaare (Couples, 1968) und in vielen Updike-Kurzgeschichten der mittleren Phase, u.a. in More Stately Mansions aus Collected Later Stories, jedoch in anderem Tonfall und mit viel mehr Personal
  • Ähnlich lyrisch bis verklärend klingt Updike im Roman Brasilien (Brazil, 1994)
  • Ehebrecherei in New York und Washington DC, das erinnert an Norah Ephron
  • Ehebruch und religiöse Grübeleien kombiniert gern auch Graham Greene
  • Einen Reigen von Paaren, Ehebrüchen und Problemdiskussionen kredenzt auch Daniela Krien in Die Liebe im Ernstfall (2019)
  • Ehekrise in einem New Yorker Vorort, die Kinder quengeln im Hintergrund, das klingt auch nach Zeiten des Aufruhrs von Richard Yates – und beide Romane spielen Anfang der 1960er Jahre.

*ich kenne nur das engl. Original Marry Me und kann die Eindeutschung nicht beurteilen

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