Spielfilm

Roman + Film: Heiße Küste / The Sea Wall / Un barrage contre le pacifique, von Marguerite Duras (1950, 2008) – 7 Sterne – mit 2 Videos

Marguerite Duras verarbeitet im Roman Heiße Küste ihre eigene, ärmliche Kindheit im Indochina der 1920/1930er Jahre, offenbar in Prey Nob, Kambodscha, zwischen Kampot und Sihanoukville (der Ort auf Google Maps). Sie schildert eine verlotterte Kleinfamilie in öder Einsamkeit, deren landwirtschaftliche Pläne längst scheiterten. Rohheit, Opportunismus, Willkür: Das Buch ist voll Rohheit, Opportunismus (bis hin zu…

Buchkritik, Filmkritik: An Education, von Nick Hornby (2009), von Nick Hornby – 8 Sterne – mit Video, Hintergründen & Links

Das Drehbuch (2009): Hornby schreibt scharfe Dialoge: kultiviert, witzig, psychologisch genau und zugleich hintergründig bedrohlich in der Annäherung des charmant-öligen Älteren an die 16jährige Bürgertochter Jenny. Dazu kommen die vielen schnellen Szenenwechsel und die anstehenden Entwicklungen – ich konnte die dünne Fibel kaum weglegen. Nick Hornby bei Amazon Dies ist ein Drehbuch mit Dialogen. Doch…

Filmkritik: Der Verdammte der Inseln (1951, Regie Carol Reed, mit Trevor Howard, engl. Outcast of the Islands) – 7 Sterne – mit Video

In diesem Film ist immer was los, herrscht immer Bewegung: exotischer Trubel, Mensch und Tier im Kolonialhafen und im Flussdorf, lachende nackte Kinder, die schöne Aissa im nassen Leinenkleid, dramatischer Streit, dramatische Bambusbauten, Tanz, ein rätselhaftes Büblein mit dito Haarschnitt im Kinderkanu, prächtige Zweimaster in aufgewühlter See, Krokodile, Elefanten (gab’s die in Makassar oder Ostborneo?).…

Filmkritik: La folie Almayer bzw. Almayer’s Folly (2011, Regie Chantal Akerman) – mit 2 Videos & weiteren Verfilmungen

Über lange, quälende Strecken zeigt Akermans Film narzisstische Männer beim wonnigen Ansichselbstleiden. Zur Abwechslung schifft eine Teenagerin in einen Durchgang, sie erhält dafür alle Zeit der Welt. Die meisten Szenen spielen im Halbdunkel, dauern sehr lang, haben kaum Worte oder Kamerabewegung und teils bizarr entrückte Anmutung. Der Film soll in Ostborneo mit malaiischer Sprache spielen;…

Filmkritik Komödie: Warten auf Mr. Right – Waiting to Exhale (1995, mit Whitney Houston, Angela Basset) – 5 Sterne – mit 2 Videos

Hier gibt’s was auf die Ohren und die Augen: Unentwegt schmeichelt Kuschelrock (genannt R&B, symptomatisch Whitney Houstons Filmsong Exhale (Shoop Shoop)). Und unentwegt sieht man schöne Frauen und ein paar smarte Männer in streng auf Mainstream gebürsteter Edel-Umgebung: Nobelhotelbar, Nobelvillawohnzimmer. Die Edeloptik erinnert an Musikvideos und Werbung, ohne Substanz oder Individualität. Politisch ist der Film…

Filmkritik Komödie: Wie gut ist deine Beziehung (2019, mit Julia Koschitz) – 5 Sterne – mit Video

Wenn Männer zu sehr lieben, dann werden sie krankhaft dämlich: Diese Berliner Hipster-Soap liefert zwar ein paar pfiffige Sprüche und überraschende Wendungen. Sie ächzt aber auch unter all dem dummen, unrealistischen Gerede, das die IT- und Agenturfritzen weinerlich aufsagen, sobald sie mal vom Rad steigen. Hier agieren Warmduscher und verkrampfte Frauenversteher, die auch noch „Steve“…

Filmschmäh: Late Show (1999, Regie Helmut Dietl, mit Thomas Gottschalk, Veronica Ferres) – mit Video

Ich scheiß euch sowas von zu mit meinen Stars, dass ihr keine ruhige Minute mehr habt. Das dachte sich wohl Helmut Dietl, Schöpfer der zauberhaften Serie Kir Royal, und so castete er für seine Holzhammersatire Late Show die Supernasen am deutschen Fernsehmarkt en bloc: nicht nur, aber auch Thomas Gottschalk, Veronica Ferres, Harald Schmidt, Jasmin…

Kritik romantische Komödie: Es ist kompliziert (2015) – 7 Sterne – mit Video

Das ist fast schon Cool Britannia: Die Figuren in dieser Komödie agieren lässig, selbstironisch und witzig, ohne dabei flach, schrill oder allzu melodramatisch zu geraten. (Zunächst.) Das Szenario hat was: Der Mann spricht eine Frau an, die er für seine Blind-Date-Verabredung hält; sie lässt sich von ihm einladen, obwohl sie gar nicht die Gesuchte ist.…

Kritik TV-Spielfilm: Leberkäseland (2015) – 6 Sterne – mit Video

Moderne türkische Familie mit drei Kindern zieht ins Wirtschaftswunderdeutschland. Er wird dort Zahnarzt, sie Matheprofessorin. Zum prügelnden Relilehrer sagt die Frau: „Meine Kinder sind Atheisten. Schlagen Sie sie niemals.“ Das ist gegen alle interkulturellen Klischees, und damit spielt der TV-Film etwas aufdringlich: die Deutschen sind religiöser, spießiger, bornierter und chaotischer als die Überflieger aus Istanbul.…

Kritik TV-Spielfilm: Mein gebrauchter Mann (2015) – 5 Sterne

40er-Singlefrau arbeitet im Buchverlag (wie Bridget Jones in jüngeren Jahren) und beginnt eine Affäre mit einem geschiedenen Zahnarzt, der manchmal seinen 12jährigen Sohn dahat. Sie will aber auch ein eigenes Kind – notfalls per Klinik in Dänemark. Der TV-Spielfilm bekam gute Kritiken, die ich nicht verstehe: Mir erschien die Geschichte in vielen Punkten völlig unrealistisch…

Kritik TV-Spielfilm: Verratenes Glück (2018) – 7 Sterne – mit Video

Ein ruhiger, stimmungsvoller TV-Spielfilm um ein arriviertes Ehepaar mit einem Ehemann auf Abwegen (Xavier Lemaître, Isabelle Carré; Regie Philippe Harel). Besonders gefällt mir Roxane Arnal als junge, unsichere Ehebrecherin, die ganz bei sich ist; sie erhielt einen Nachwuchspreis, ist aber zur Filmmitte bereits im Off. Das Ganze ist betont geschmackvoll ausgestattet und abgelichtet. Der Film…

Filmkritik: Taxi (2015) – 6 Sterne – mit Video

Rosalie Thomass spielt eine bestechend gutaussehende junge blonde Taxifahrerin, die gelegentlich mit Männern ins Bett geht, aber Beziehungen eigentlich ablehnt – obwohl sie zeitweise eine Beziehung hat und zugleich einen anderen Gelegenheitsmann stalkt. Thomass zeigt die dauergenervte, supercoole Alex sehr sehenswert, und die Kamera von Sonja Rom liefert elegante nächtliche Bilder. Ausdrucksvoll auch Peter Dinklage…

Filmkritik: Love Is All You Need (2012, mit Pierce Brosnan) – 5 Sterne – mit Video

Aufgesetzter könnte die Handlung nicht sein: Trine Dyrhom hat Krebs mit ungewissem Ausgang verliert ihren Ehemann an eine viel Jüngere hat einen Sohn, der als Soldat nach Afghanistan muss und eine schöne Tochter, die in Italien einen frauenfeindlichen Schwulen heiraten will rammt aber erst noch mit ihrem Kleinwagen das Luxusmobil eines grimmigen Firmenchefs, und das…

Filmkritik: Ein griechischer Sommer (2011) – 7 Sterne – mit Video

Dieser griechische Dorffilm richtet sich an Jugendliche, mag aber auch Oldtimer heiter stimmen. Die Stars: eine Ziege, ein Pelikan und ein paar mediterrane Hügel und Strände, die fast an Mamma Mia erinnern. Die menschlichen Schauspieler sind nichts Besonderes. Und obwohl der Streifen im Deutschen „Ein griechischer Sommer“ heißt, gibt es nur am Rand eine kleine,…

Filmkritik: Plötzlich Vater (2013) – 6 Sterne – mit drei Videos

Der mexikanische Frauenheld Sam steht plötzlich mit einem blonden Baby da, das angeblich seins ist. Rubbldikatz wird er hochbezahlter Stuntman in Hollywood und baut seinem Kiddie eine Kinderzimmer-Traumwelt. Zur Schule geht das Mädchen nur selten, weil es bei allen Drehs für den plötzlichen Papa dolmetscht. Dann taucht die angebliche Mutter nach sechs Jahren wieder auf,…

Filmkritik: Plötzlich Papa (2016) – 7 Sterne – mit drei Videos

Sicher, der Film ist sehr unrealistisch und zeigt ein Disney-Kuckucksheim. Die Motivation der Figuren bleibt teils völlig diffus. Da ist der schwarze Ferienclub-Animateur in Südfrankreich, der plötzlich allein mit einem Milchkaffee-Baby dasteht – angeblich seins. Rubbldikatz wird er hochbezahlter Stuntman in London und baut seinem Kiddie eine Kinderzimmer-Traumwelt. Zur Schule geht die Kleine nur selten,…

Filmkritik: Immer Drama um Tamara (2010) – 7 Sterne – mit Video

Ausgefeilt Psychologisieren wollte Regisseur Stephen Frears sicher nicht. Aber er produzierte eine stets kurzweilige, relativ intelligente Komödie, die Klischees vom (sehr englischen) Land- und Schriftstellerleben aufspießt, schöne Bilder und Abläufe zeigt. Nur punktuell wird es zu grell oder vulgär, erscheint Ex-Bondgirl Gemma Arterton gar zu knusprig; dafür gibt es viele witzige Einfälle und Figuren, die…

Filmkritik: Harri Pinter, Drecksau (2017) – 4 Sterne – mit Video

Angebliche Komödie um einen extrem mackerhaften Endvierziger (Juergen Maurer als Fahrlehrer, Ex-Eishockeystar und Eishockey-Jugendtrainer in Klagenfurt). Seine jüngere philologische Freundin (Julia Cencig) betrügt ihn mit einem Softie-Professor, der sogar selber kocht. Die Klischees kommen knüppeldick, aber dafür vollflach; die ausführliche, aufdringliche 80er-Jahre-Musik macht’s nicht subtiler („Eye of the Tiger“, „I’m in Heaven“). Nichts, aber auch…

Filmkritik: Paradies: Liebe (2012) – 7 Sterne – mit Video

Vier füllige Österreicherinnen lachen sich im Kenia-Strandurlaub junge, gutgebaute Afrikaner an. Sie wollen an Liebe glauben, werden aber laufend zum Zahlen gedrängt. Ulrich Seidls Film wirkt einerseits sehr dokumentarisch, auch weil er auf jeden Glamour und auf Hintergrundmusik verzichtet; die Gesichter, die Körper, die Innenräume, die Regungen könnten nicht durchschnittlicher sein. Es gibt auch keine…

Filmkritik: Zwischen zwei Herzen (TV-Spielfilm 2019) – 6 Sterne – mit Video

Die Anziehung zwischen Katrin und Peter ist mit Händen zu greifen, und Anna Schudt sowie Mark Waschke zeigen das eindrucksvoll im Film. Beide sind aber in äußerlich glückliche Ehen eingebunden und wollen nichts riskieren – eigentlich. Doch es britzelt immer mehr. Der TV-Spielfilm fängt mit witzigen, mehrdeutigen Dialogen an – bedingt realistisch, unbedingt vergnüglich. Dann…

Filmkritik: Tag und Nacht (2010) – 7 Sterne – mit Video

Zwei nette Studentinnen in Wien wollen sich mit Prostitution die Miete verdienen. Sie geraten aber meist an fiese Männer und zerbrechen halb daran. Der Film  (offiziell ab 16) zeigt ausgesprochen viel nackte  Haut und ist dabei weder romantisch noch erotisch oder sehr anklagend. Die Sexszenen enden meist mit widerwärtigem Verhalten der Männerkundschaft. Zwischendurch sieht man…

Filmkritik: Alexander, der Lebenskünstler (1968, mit Philippe Noiret) – 7 Sterne – mit Video

Liebenswerter Bauernschwank aus einem französischen Dorf: Bauer Alexandre (Philippe Noiret) wird von seiner Frau jeden Tag per Walkie-Talkie über alle Felder gehetzt. Dann endlich rafft ein gnädiger Unfall das herrische Weib hinweg, und Alexandre legt sich zwei Monate ins Bett; zuvor lässt er noch alle Tiere frei, und zum Einkaufen schickt er sein gewitztes Hundchen.…

Filmkritik: Night on Earth (1991, von Jim Jarmusch, mit Gena Rowlands, Winona Ryder, Roberto Benigni) – 7 Sterne – mit Video

Der Film zeigt fünf unverbundene Geschichten von fünf längeren, nächtlichen Taxifahrten in fünf Großstädten – Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki. Regisseur und Autor Jim Jarmusch skriptete überwiegend hervorragend, teils sehr gefühlvoll, teils rabiat sarkastisch, mit starken Dia- und Monologen. Die Schauspieler bringen ihre oft schrägen Figuren oft überzeugend und sehr präsent auf…

Filmkritik: Crazy Rich (2018, engl. Crazy Rich Asians) – 7 Sterne

Ungewöhnlich für eine *Hollywood*-Produktion: Der Erfolgsfilm auf Basis des Erfolgsbuchs von Kevin Kwan zeigt nur chinesische Gesichter unter chinesischer Regie an asiatischen Schauplätzen. Die Mittelschicht-US-Chinesin Rachel erlebt in Crazy Rich Asians die Welt der chinesisch-stämmigen Superreichen in Singapur, mit atemberaubendem Luxus und schockierenden Intrigen. Die romantische Komödie läuft flockig durch, hat Schwung, die richtige Menge…

Filmkritik: Julieta (2016, von Pedro Almodóvar) – 7 Sterne – mit Video

Die Trauer einer Mutter über den Kontaktabbruch der Tochter steht im Mittelpunkt des Films;  die Vorgeschichte läuft in langen, meist überschaubar angeordneten Rückblenden durch. Der Kontaktabbruch kam für mich völlig überraschend, ebenso wie die nachgelieferte Begründung für das Abtauchen der Tochter. Die gezeigte Handlung macht das nicht ganz nachvollziehbar. Noch mehr Tragödie liefern zwei Todesfälle,…

Filmkritik: Der letzte schöne Herbsttag (2010, von Ralf Westhoff) – 5 Sterne – mit Video

Was für ein Quasselfilm. Die halbe Zeit reden Julia Koschitz und Felix Hellmann direkt in die Kamera. Ansonsten miteinander, und immer geht es um immergleiches Beziehungsgewuhre. Die im Film etwa 30jährigen gerieren sich wie leicht entflammbare 16jährige. Es ermüdet.(Wie viel besser Koschitz wirkt, wenn sie länger *nicht* redet, sieht man im passend betitelten Film Schweigeminute.)…

Filmkritik: Der dritte Mann (1949, mit Orson Welles) – 7 Sterne – mit Video

Der Klassiker ist in ganz erlesenem Schwarzweiß gedreht – perfekte Kontraste, markant, schön arrangierte Einstellungen, fast jede Szene wie eine Postkarte oder ein Standbild (Regie Carol ReedCarol Reed, Kamera Robert Krasker). Das sieht auch heute noch sehr gut aus, viel besser als sagen wir Billy Wilders schwarzweißer Sunset Boulevard von 1950. Allerdings wirken die Szenen…

Kritik TV-Komödie: Lychees weiß blau (1998) – 7 Sterne

16jährige Thailänderin wird als Sexsklavin nach DE entführt, rettet sich aber in ein hinterwäldlerisches Oberbayerndorf. Dort weckt sie Beschützer-, Begatter- und Abwehrinstinkte – und irgendwann mischen sich Tempel- und Blasmusik. Das ist eine naive Heimatkomödie, noch weniger realistisch als möglich, aber nicht extrem grell oder extrem kitschig. Einige Dörfler haben das Herz liebenswert am rechten…

Kritik Kinokomödie: Das Mädchen Rosemarie (1958, mit Nadja Tiller, Mario Adorf) – 7 Sterne – mit Videos

Was sind die Herren Generaldirektoren und Industriebarone doch für lächerliche Hurenböcke in dieser frechen Schwarzweißsatire von 1958. Mit schwarzen Benzen und unerträglich selbstgefälligem Mundwerk walzen sie im spöttisch choreografierten Gänsemarsch durch die deutsche Wirtschaftswunderkulisse. Sie verfallen verständlicherweise dem hinreißenden Callgirl, das Nadja Tiller mit Verve und konservativem Sexappeal auf die Leinwand stöckelt. Das ist alles…

Filmkritik: Shopgirl (2005) – 6 Sterne – mit Video

Die nette, einsame Verkäuferin (Claire Denis) steht plötzlich zwischen zwei Männern: einem superreichen silbernen Löwen und einem pubertären Fachmann für Gitarrenverstärker. Keiner ist jedoch so recht verbindlich. US-Multitalent Steve Martin schrieb die zugrunde liegende Novelle (die es auch auf Deutsch gibt), das Drehbuch und spielt auch noch den silbernen Löwen. Daraus entsteht eine interessante Geschichte…