Belletristik

Kritik Kurzgeschichten. W. Somerset Maugham: Collected Short Stories Volume 3 bzw. Ashenden Or the British Agent (1927, dt. Ashenden oder Der britische Geheimagent) – 7 Sterne

Fazit: W. Somerset Maugham liefert markante Figuren, nonchalante Dialoge und zeitweise aufregendes Spionage-Drama, dazu ein paar Liebesgeschichten. Wenig Gewalt, und nie durch die Hauptfigur Ashenden. Dieser Protagonist aller Geschichten, Schriftsteller und Teilzeit-Spion, ist altmodisch, bieder, gewaltfrei – und eng an Maughams eigene Spionagejobs aus dem 1. Weltkrieg angelehnt. Ashenden analysiert und manipuliert seine Zielpersonen aber…

Kritik Kurzgeschichten. W. Somerset Maugham: Collected Short Stories Volume 2 – 7 Sterne

Die Bände 1, 2 und 4 der Collected Short Stories sind sehr heterogen: Sie versammeln Geschichten mit unterschiedlichsten Entstehungsjahren, Längen, Themen und Schauplätzen. Auch Band 2 mischt Geschichten aus London, Süd- und Mittelamerika, Russland und heißem Asien, entstanden zwischen 1922 und 1940; Band 1 wirkt noch etwas heterogener. Für diese Bände 1, 2 und 4…

Kritik Kurzgeschichten. W. Somerset Maugham: Collected Short Stories Volume 1 – 7 Sterne

Die Bände 1, 2 und 4 von Maughams Collected Short Stories sind sehr heterogen: Sie versammeln Geschichten mit unterschiedlichsten Entstehungsjahren, Längen, Themen und Schauplätzen. Volume 1 der Collected Short Stories wirkt besonders heterogen: Der Band enthält nur wenige der meistgefeierten Maugham-Shorties – das vielberaunte Südsee-Schmalzodram Rain ist jedoch drin. Die Kurzgeschichten sind oft routiniert erzählt,…

Kurzgeschichten. W. Somerset Maughams Collected Short Stories Vol. 1 – 4: Hauptthemen, Hauptschauplätze

In den Collected Short Stories Band 1 – 4 von W. Somerset Maugham (1874 – 1965) gibt es diese Hauptschauplätze: Weißes Kolonialleben auf einsamen Posten in traurigen Tropen, v.a. Malaya oder Südsee (v.a. Band 1 und 4) Sozialsatiren aus London oder Südengland (v.a. Band 2) Gentleman-Spionage im ersten Weltkrieg in der Schweiz und Russland (Band…

W. Somerset Maugham, Collected Short Stories etc.: Welche Kurzgeschichte in welchem Band?

Somerset Maugham auf Amazon: allgemein | Kurzgeschichten | Romane | englisch Diese Geschichten stehen in den Collected Short Stories Volume 1 – 4 u.i.w. Ausgaben: Ev31 = auch enthalten in Collected Stories in Everyman’s Library (31 Geschichten, bei Amazon) B17 = auch enthalten in The best short stories of (17 Geschichten, bei Amazon) B10 =…

W. Somerset Maugham: Which Short Story in Which Volume? [English]

Somerset Maugham on Amazon.DE: allgemein | Kurzgeschichten | Romane | englisch Those stories are in Collected Short Stories Volume 1 – 4 and in other editions: Ev31 = also included in Collected Stories in Everyman’s Library (31 stories, Amazon.DE) B17 = also included in The best short stories of (17 stories, Amazon) B10 = also…

Kritik Roman. Daniela Krien: Irgendwann werden wir uns alles erzählen (2011) – 7 Sterne

Daniela Krien erzählt eine runde, klare Geschichte – Ort, Zeit und (ab dem dritten Kapitel) das Personal sind in sich geschlossen überschaubar. Das Buch endet, wiederum stimmig, mit einer abrundenden Vollbremsung. \᛫/\o/ Auf diesem Bauernhof in der thüringischen Provinz leben drei Generationen unter einem Dach, leicht gepatchworkt. Die Atmosphäre mit harter körperlicher Arbeit, großen Tischrunden…

Kritik Roman. Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall (2019) – 7 Sterne

  Daniela Krien schreibt flüssig in betont einfachem, klarem Deutsch, das nie schwach klingt – stark. Sie verbindet die Leben und Buchabschnitte der fünf Protagonistinnen geschickt und reizvoll. Allerdings kommt die erste Protagonistin, Paula, gegen Ende abhanden, ein Mangel. Die Autorin liefert kaum Verallgemeinerungen, Reminiszenzen und Blabla, sondern jederzeit konkrete Handlung und Dialog. Dabei nicht…

Kritik Roman: Lucrecia515, von Lasha Bugadze (2013) – 1 Stern

Fazit: Der Autor hat eine interessante Plotidee: die Ehefrau lässt das Passwort ihres ehebrecherischen Mannes knacken, chattet unter seinem Namen mit der Konkurrenz. Doch Lasha Bugadze schreibt primitiv, vulgär, banal, unrealistisch und verwirrend. Nicht eine Sekunde lustig oder auch nur charmant. Rein raus rein raus: Der reiche Saucenfabrikant Sandro betrügt seine Ehefrau Keti unentwegt. Der…

Kritik Roman: Privateigentum, von Julia Deck (2019) – 7 Sterne

Julia Deck (*1974) beschreibt lakonisch-bösartig die Vorort-Hölle in einer Pariser Reihenhaus-Siedlung, inklusive „Solarmodulen und Kompostbecken“ und Wüsteneien entlang der Ausfallstraßen. Die Nachbarn plaudern scheißfreundlich über „Komposthaufen oder Flohmärkte“, belauern sich, werden beiläufig läufig und übergriffig. Diesen Albtraum samt giftgrünem Rasen und Autowaschen vorm Haus schildert Julia Deck beklemmend, düster satirisch, momentweise lustig. Allerdings schwächelt das…

Kritik Roman: Ediths Tagebuch, von Patricia Highsmith (1977, engl. Edith’s Diary) – 9 Sterne – mit Video

Auch in diesem Roman von Patricia Highsmith sitzt jedes Wort. Sie schreibt sparsam, skizziert Stimmungen und Beziehungen messerscharf, streut stimmige Details, erzeugt Beklemmung aus dem Nichts. Patricia Highsmith (1921 – 1995) erzählt eine realistische Handlung nüchtern, ohne dräuende Andeutung oder sonstige Dramatisierung. Politische Schlagzeilen (Nixon, Vietnam, die Kennedys) und Ediths Tagebucheinträge bindet Highsmith elegant ein.…

Rezension Kurzgeschichten, Gedichte, Kritiken: The Collected Dorothy Parker (Penguin Classics 2001) – 7 Sterne – mit Ausgabenvergleich, Links & Hintergründen

Dorothy Parker ist bekannt für extrem sarkastische, selbstironische Gedichte und Kurzgeschichten über das Liebes- und Sozial-Leben im New York der 1920er bis 1940er Jahre. Dieser gut 600seitige Sammelband zeigt: Oft schreibt Dorothy Parker gar nicht so amüsant hochtourig sarkastisch. Nicht überall lauern köstliche Einzeiler. Einige Kurzgeschichten klingen einfach stark satirisch oder auch psychologisch genau, sozialkritisch,…

Kritik Kurzgeschichten von Eudora Welty: The Collected Short Stories bzw. Ein Vorhang aus Grün (engl. A Curtain of Green, 1941) – 7 Sterne

Mein persönliches Fazit zu Collected Stories oder A Curtain of Green: Es gibt zwei Highlight-Geschichten voll drolligem Dialog, für die allein der Kauf lohnt (egal ob Collected Stories oder A Curtain of Green). Ein paar weitere Geschichten fand ich ok, und viele haben mich gar nicht angesprochen – zu elegisch, zu gruselig. Mundart: In den…

Kritik Kurzroman. Eudora Welty: The Ponder Heart (1953) – 6 Sterne

Die Ich-Erzählerin berichtet mit unterhaltsamer Schnatterschnauze vom Leben in der Mississippi-Kleinstadt Clay und von ihrem Onkel Daniel Ponder, der sich eine viel zu junge (und zu dünne) (und zu arme) Braut anlacht. Eudora Welty (1909 – 2001) kreiert eine fulminante Ich-Erzählerin aus Fleisch und Blut. Die redet teils direkt zum Leser: I size people up:…

Kritik Paar-Roman: Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst, von Nick Hornby (2018, engl. State of the Union), von Nick Hornby – 7 Sterne – mit Video

Ich habe beim Lesen öfter laut gegackert, gewiehert und gequakt, wann gibt’s das schon. Der Autor entwirft ein originelles Szenario und bringt einen komischen Satz nach dem anderen. Nick Hornby bei Amazon Gepfefferte Einzeiler: Freilich zelebriert Roman- und Drehbuchroutinier Nick Hornby (*1957) seine Kunst fast zu lässig-souverän: Wie sich das Ehepaar im Zentrum des Buchs…

Rezension England-Roman: Just Like You, von Nick Hornby (2020) – 8 Sterne

2016 in London. Eine 42jährige weiße Lehrerin, alleinerziehend, gerät in eine Beziehung mit einem 22jährigen Schwarzen, den sie als Babysitter und Aushilfsmetzgereifachverkäufer kennenlernte. Autor Nick Hornby (*1957) macht die Annäherung einigermaßen nachvollziehbar. Doch ist es Liebe oder nur ein Pausenfüller? Die Umwelt zeigt sich schockiert. Anspielungen und Missverständnisse: Hornby schreibt pfiffige Dialoge voll unterschwelliger Anspielungen…

Kritik Kurzgeschichten: Not a Star, von Nick Hornby – 8 Sterne – mit Video

In der Kurzgeschichte Not a Star sieht ein biederes Ehepaar völlig überraschend ihren 22jährigen Sohn in einem Pornovideo, und zwar mit gewaltigem Kopulationsorgan. Daraus entstehen hochnotamüsante Diskussionen des Ehepaars mit dem Sohn, mit Angehörigen und mit einer tratschenden Nachbarin. Die spektakuläre Anatomie des Juniors führt zu heiklen Vergleichen mit nahen Verwandten und uralten Liebschaften. Nick…

Kritik Kurzgeschichten: Jeder liest Drecksack/Everyone’s Reading Bastard, von Nick Hornby (2012) – 8 Sterne

Die Kurzgeschichte Jeder liest Drecksack/Everyone’s Reading Bastard berichtet unterhaltsam von einem Ehemann, der in der Zeitung lesen muss, wie seine getrennt lebende Frau ihn Woche für Woche in einer Glosse durch den Dreck zieht. Das liest sich sehr unterhaltsam, wenn auch vielleicht nicht sehr realistisch. Zerknirschte Männer in Beziehungsnöten sind eine Spezialität von Nick Hornby…

Rezension Roman: How to Be Good, von Nick Hornby (2001) – 6 Sterne

Fazit: Der Autor kreiert einerseits realistisch unterhaltsame Alltagsszenen einer Londoner Mittelschichtfamilie und pfiffige Dialoge – alles sehr Hornby, mit seinen typischen Zutaten wie Ehebruch, linksliberalem Gutmenschentum und altklugen Kids, aufgelöst in amüsantes Palaver. Die Wandlung der männlichen Hauptfigur ist jedoch enttäuschend unrealistisch: Erst atemraubend aggressiv, dann abrupt maximal zugewandt, denn ein Wunderheiler vollführt unerklärliche Wunderheilungen.…

Buchkritik, Filmkritik: An Education, von Nick Hornby (2009), von Nick Hornby – 8 Sterne – mit Video, Hintergründen & Links

Das Drehbuch (2009): Hornby schreibt scharfe Dialoge: kultiviert, witzig, psychologisch genau und zugleich hintergründig bedrohlich in der Annäherung des charmant-öligen Älteren an die 16jährige Bürgertochter Jenny. Dazu kommen die vielen schnellen Szenenwechsel und die anstehenden Entwicklungen – ich konnte die dünne Fibel kaum weglegen. Nick Hornby bei Amazon Dies ist ein Drehbuch mit Dialogen. Doch…

Rezension 60er-Jahre-Roman: Miss Blackpool, von Nick Hornby (2014, engl. Funny Girl) – 4 Sterne

Fazit: Der Roman klingt nicht realistisch und lebendig wie andere Hornby-Bücher: Hornby macht nie glaubhaft, warum das Mädchen aus Blackpool in Nordengland Schönheitskönigin wird, dann blitzartig TV-Profis in London überzeugt und warum ihre dümmliche TV-Serie 18 Millionen Zuschauer vor die schwarzweiße Mattscheibe lockt. Hornby behauptet das einfach, fast ohne Beleg. Nichts ist funny. Nick Hornby…

Diese Bücher wurden falsch oder schlecht ins Deutsche übersetzt

Hier sind einige Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche mit Problemen in der Eindeutschung. Ich beginne mit klaren Fehlern, dann folgen schwache, wenn auch nicht völlig falsche Übersetzungen. Übersetzungsfehler in Zeiten des Aufruhrs, von Richard Yates: Klare Falschübersetzung: Das englische Original in der Ausgabe von Vintage Books (dies die Grundlage der deutschen Übersetzung) lautet sinnvoll…

Deutsch lesen, Englisch lesen, überhaupt Übersetzung lesen – was ist besser?

Die Buch-Übersetzer tischen uns viel Käse auf – echte inhaltliche Fehler und dazu unrealistisches Deutsch, in dem die Originalsprache noch durchriecht. Besonders deutliche Beispiele für falsche oder schlechte Übersetzungen habe ich hier zusammengefasst: HansBlog.de: Diese Bücher wurden falsch oder schlecht ins Deutsche übersetzt Ich selbst (Deusch-Muttersprachler) kann nur Deutsch und Englisch im Original lesen. Schon…

Kritik Werbeagentur-Roman: Gummi (2003, engl. The Book, the Film, the T-Shirt), von Matt Beaumont – 4 Sterne

Werbeagentur-Chef Greg Fuller in Nöten: Der für den Autoreifen-Werbedreh gebuchte Hollywoodstar sitzt bei der Polizei fest, ein unverzichtbares Kreativteam für Sofaprospekte ist dummerweise gefeuert, die schwangere Ehefrau verlangt dreist Zuwendung, eine zu ehrgeizige Kollegin will ihm an die Wäsche (sie hat freilich unbestreitbare Talente), ein lukrativer Verkauf scheint gefährdet, Gott und die Welt belagern ihn…

Kritik E-Mail-Romane von Matt Beaumont: E-Mail an alle (2000, engl. e, Teil 1 von 3 der E-Mail-Reihe) + The e. before Christmas (2000, Teil 2) + eSquared (2010, Teil 3) – 7 Sterne

E-Mails, hunderte kurze E-Mails in Londoner Werbeagenturen fliegen durch diese drei modernen Briefromane: E-Mail an alle (2000, engl. e, Band 1) spielt im Januar 2000, The e. before Christmas (2000, Band 2, nicht auf Deutsch, sehr kurz) zeigt dieselben Figuren in derselben Agentur im Oktober 2000. e2 (auch „e squared“, 2010, Band 3, nicht auf…

Kritik Grotesken: Katastrophen-Geschichten von Hermann Harry Schmitz – 7 Sterne

Harry Hermann Schmitz (1880 – 1913) schreibt Alltagsszenen: die Familie beim Kaffee, der tropfende Füllfederhalter, der Umzug. Die Geschichten beginnen spießbürgerlich banal und weiten sich bald ins Groteske und Fantastische: Figuren gehen auf den Händen, damit der Füller in der Tasche nicht mehr tropft, Robotermenschen tragen Umzugskisten unablässig auf und ab, die Kaffeemaschine spuckt Tod…

Romankritik: Heinrich Grewents Arbeit und Liebe, von Christoph Peters (1996/2007) – 3 Sterne

Der Leser verbringt den Roman im Kopf des verkniffenen, unsympathischen Angestellten Heinrich Grewent. Der grämt sich über seine untergeordnete Position in der Firma und bei der Ehefrau. Grewent muss plötzlich geschäftlich auf Bahnreise, ohne die Gemahlin selbst benachrichtigen zu können. Hier übermannen ihn seine Dämonen. Schwaden von Geselchtem: Alles ist sehr aufdringlich und müffig: Die…

Romankritik: Das junge Kairo, von Nagib Machfus (1945) – 6 Sterne

Nagib Machfus (1911 – 2006, auch Nagib Mahfuz, Naguib Mahfouz) beginnt sehr allgemein, langatmig mit Rückblenden und fast dialogfrei – so öd, dass die Doppelseite 26/27 des Unionsverlag-Hardcoverbandes einen einzigen durchgehenden Absatz zeigt, ohne Zeilenschaltung. Das ist strafbar. Dann konzentriert sich die Geschichte auf den Studenten Machgub Abdaldaim, der kurz vor dem Examen steht, ins…

Romankritik: Miramar, von Nagib Machfus (1967) – 7 Sterne

Ein paar eigenwillige Herren logieren nach der Nasser-Revolution dauerhaft im Hotel Miramar, Alexandria. Sie parlieren gedehnt über Geschichte, Politik und die zurückliegenden Ereignisse und tun ganz unschuldig. Doch sie umschleichen die Hausdienerin Zuchra, diese junge Fellachin ist zufällig „kräftig und anmutig, mit ausgeprägten Rundungen“ (S. 74). Der Clou: Nagib Machfus lässt die vier Eigenbrötler denselben…

Buchkritik: Arztroman, von Kristof Magnusson (2014) – 7 Sterne – mit Video

Auweia, vorher nicht gewusst: Der Roman stammt von einem Leipzigabsolventen, er zeigt also volle Leipzigsymptomatik: Schauplatz Berlin; hippes oder semihippes Berlinpersonal; wenig oder blasse Dialoge funkenfrei; blasses Personal und blasses Deutsch, in dem die Erzählstimme Sprödheiten sekretiert wie „Einrichtungsgegenstände“, „Kaffeevollautomat“, „nicht unnormale“, „High-End-Nippes“, „geradezu durchgeknallt beliebt“ oder „die ins Umland fahrenden Regionalexpresse“; unschöne Hilfsverb-Cluster (allein…