Lese-Eindruck: Ist es nicht schön hier, von Te-Ping Chen (2014, engl. The Land of Big Numbers) – mit Links

Von einer Top-US-Journalistin mit langer China-Erfahrung erwartet man perfekt realistische Kurzgeschichten aus China. Die gibt’s aber in diesem Buch nicht: Ein paar Geschichten sind wohl offen surreal. Bei anderen Texten nagt die Frage: Kann das sein? Ist China so?

Ich habe darum nur zweieinhalb Geschichten auf Englisch online gelesen. Sie sind atmosphärisch und recht stilsicher. Zwei Geschichten behandeln geplatzte Träume in der Großstadt, kleine Existenzen im großen Menschenmeer, und unbehagliches Nachstellen. Aber ich musste mich wundern:

  • Field Notes on a Marriage: US-Amerikanerin und Chinese, beide Top-Akademiker, heiraten sorglos nach kurzer Bekanntschaft („we hardly know each other“). Realistisch?
  • Shanghai Murmur: Ein junge Blumenverkäuferin vom Land belagert einen älteren, wohlhabenden Stammkunden in der Stadt: sie erfragt aus dem Nichts Privates, klingelt an seinem Apartment, gibt seinen Stift nicht zurück. Das kann ich mir in Asien schwer vorstellen.
  • Hotline Girl: Die staatliche Überwachung hier hat leicht futuristische Züge – oder ist China so? Das wüsste man zu gern. Dass der Mann täglich in einem großen Call Center nach vielen Versuchen genau seine Ex-Freundin ans Telefon bekommt, erscheint mir auch nicht plausibel.

Im Interview klärt Te-Ping Chen auf, Hotline Girl sei „a dystopian Story“; und sie habe nicht groß über Vorkenntnisse bei den Lesern nachgedacht.

Links zu englischen Kurzgeschichten aus dem Buch online (in Magazinen):

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