Romankritik: Behind the Painting, von Siburapha (1937) – 7/10

Thailand

 

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links (mit * oder mit "Amazon-Werbelinks" gekennzeichnet). Wenn Du darüber kaufst, erhalte ich eine kleine Provision – ohne Aufschlag für Dich.

Japan: Der Autor schildert die langsame, heikle Annäherung zwischen dem thailändischen Auslandsstudenten und der 13 Jahre älteren, verheirateten Thailänderin reizvoll, nachvollziehbar. Siburapha erzählt meist chronologisch, mit kurzen Kapiteln und viel Dialog. Doch wer den Prolog im Kopf behält, kennt das Ende der Affäre.

Die Spannung steigt auch wegen der bedeutungsgeladenen Gespräche; die unglücklich Verliebten reden knapp um den heißen Brei herum. Sülzig? Nicht für mich, nicht mal das schmachtende Ende.

Schön, schön:

Doch die ewige Betonung der Schönheit und wenig Interesse an Charaktereigenschaften ermüden; sogar die Frau sagt:

We’re born to be decorations, to please the world… we have to preserve our appearances

Der verknallte Ich-Erzähler stimmt ihr natürlich geblendet zu. Er fragt, warum sie den alten Macker heiratete:

You look so young and beautiful, even now… you were sure to find love if you’d waited a bit longer

Sieht eine Frau gut aus, dann findet sie auch die passende Liebe, sogar noch mit biblischen 35; dies scheint die Logik zu sein.

Geld & Adel:

Für mich hat “Behind the Painting” weder besondere Thailand- noch Japan-Atmosphäre. Die Novelle spielt in geldig sorglosen Sphären; die Rückblende in die Jugend der Frau führt in thailändische Adelskreise, das wirkt aufgepfropft. Auch der Stil erinnert an gängige westliche Belletristik. Siburapha (Kulap Saipradit, กุหลาบ สายประดิษฐ์, 1905 – 1974) könnte fast auch eine Ehebruchiade aus dem historischen Deutschland schildern.

In einfaches Englisch übersetzt hat das Buch der Siburaphologe David Smyth. Meine Ausgabe von Silkworm Books (ISBN 9747551144 bzw. 978-9747551143) zeigt allerlei Anführungszeichen falsch oder gar nicht, vielleicht ist die Penguin-Ausgabe der Smyth-Übertragung besser lektoriert.

Assoziation zu “Behind the Painting”:

  • Mehrere Parallelen zu Effi Briest von Theodor Fontane fallen auf, u.a. die arrangierte Ehe ohne Liebe mit einem viel älteren Mann und die langen Gespräche mit einem jüngeren, ach so verständnisvollen Gegenexemplar; es gibt auch wesentliche Unterschiede
  • Zwei Thailänder zelebrieren ihr Melodram in Japan, ohne dass der Ort relevant für sie ist: das erinnerte mich an andere Werke, in denen ein Land nur als exotischer Hintergrund für Liebesschmalz fungiert, z.B. Bollywood-Schmachtschinken wie Khabhi Alvida Na Khena in USA oder KKKG in England, die aber nur von NRIs, Auslandsindern, bevölkert sind oder Graham Greenes Romane um Briten, nix als Briten (und Gin Tonic) vor exotischer Kulisse

Weitere Kurzgeschichten:

Die Novelle “Behind the Painting” (1937) belegt in der Silkworm-Ausgabe rund 110 Seiten. Ihr folgen bei Silkworm drei Kurzgeschichten mit jeweils rund zehn Seiten von 1950 und 1952. Meine Silkworm-Ausgabe wie auch den Penguin-Band hat David Smyth übersetzt; ich weiß nicht, ob das Penguin-Buch auch diese weiteren Kurzgeschichten enthält:

Those Kind of People (1950) – 5,5/10:

Reiche Säcke reden herablassend über arme Arbeiter – „those kind of people“ – und verweigern naheliegende Hilfe; so entsteht viel Unglück. Die sozial engagierte reiche Tochter lehnt sich auf, ein bisschen.

Sehr plakative, agitative Sozialkritik. Einige Motive aus „Behind the Painting“ kehren wieder, so die Sphäre der Reichen und verhinderte Beziehungen. Liebe sieht man nur in Spurenelementen. Für Geschichten wie diese würde ich Siburapha nicht lesen.

Lend us a hand:

Ein armer Bauer wird von einem reichen Mann ausgenutzt und dann bei Erkrankung nicht unterstützt, sondern herablassend abgewiesen. Auch diese Geschichte klingt didaktisch bis agitatorisch und ich habe abgebrochen, die dritte verbleibende Kurzgeschichte nach Leseprobe auch beiseite gelegt.

Assoziation zu den Kurzgeschichten:

Bücher bei HansBlog.de:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

 

Nach oben scrollen