Tag Archive for Ostasien

Kritik Japan-Buch: Grammatik des Lächelns, von John David Morley (1985, engl. Pictures from the Water Trade) – 6 Sterne

John David Morley beschreibt das Japan der 1970er mit großen staunenden Augen, wie ein Tourist, zu genau, zu nacheinander, zu angelesen, und nicht schriftstellerisch abgeklärt, nicht souverän gefiltert. Er erzählt ein paar Begegnungen fast zu detailliert; dazu kommen lange verallgemeinernde Seiten voll kursivierter japanischer Ausdrücke. Dafür gab’s allerhöchstes Lob. Ganz genau: Das beginnt schon mit…

Über den Reisebericht von W. Somerset Maugham, Das Lied des Flusses (1922, engl. On a Chinese Screen)

Somerset Maugham auf Amazon (Werbelinks): allgemein | Kurzgeschichten | Romane | englisch Auf Amazon (Werbelinks): Bücher zu Hongkong | Südostasien | China Der schmale Band enthält 58 kurze, unverbundene Eindrücke von der China-Reise, die Maugham 1919 unternahm. Jedes Stück ist nur ein bis drei Seiten lang. W. Somerset Maugham (1874 – 1965) portraitiert wenig Chinesen,…

Kritik Roman. W. Somerset Maugham: Der bunte Schleier (1925, engl. The Painted Veil) – 7 Sterne

Fazit Liebe, Verrat, Lebensgefahr, Tod und Glaube vor exotischer Kulisse: Das ist großes Kino und immer wieder neu spannend. Autor W. Somerset Maugham entwirft einen Plot mit interessanten Verstrickungen, intimen Zimmerdramen und beklemmenden Dialogen bis zum runden Schluss – feinstes Storytelling-Kunsthandwerk. Der Autor kredenzt aber auch Kitsch und Schmalz: nicht nur wegen des Mediziners in…

Kritik Kurzgeschichten: Von Männern, die keine Frauen haben, von Haruki Murakami (2014) – 4 Sterne

Die sieben Geschichten transportieren nicht nur gleichförmige Stimmung und Figuren, sie sind mit 30 bis 40 locker bedruckten Seiten auch gleichförmig lang (gefühlte Länge 22 Seiten; ich hatte die von Dumont lizenzierte Büchergilde-Ausgabe). Man liest sie mühelos (wenn man sich nicht an Verrätseltem stört). Distanz und Mittelmäßigkeit: Obwohl hier ein Mann über einsame Männer schreibt,…

Rezension Sachbuch: Stealth of Nations, von Robert Neuwirth (2011) – 7 Sterne – mit Video

Neuwirth beschreibt Händler im informellen Sektor vor allem heißer Länder wie China, Nigeria oder Brasilien. So leben nach Neuwirths Informationen vielleicht 30.000, 100.000 oder 300.000 Afrikaner allein im chinesischen Guangzhou, zumeist ohne gültiges Visum. Sie schaffen chinesische Ware wie Handys oder Autoteile nach Afrika – und zahlen nur einen Bruchteil der regulären Steuern und Zölle,…

Rezension: Tianchi: Unterwegs in China und Tibet, von Vikram Seth (Tibet-Reisebericht, 1983, engl. From Heaven Lake) – 7 Sterne

1981 reist der indische Doktorand Vikram Seth zwei Monate lang vom nördlichen China über Land nach Süden, durch Tibet bis nach Nepal – zunächst per Eisenbahn, später vor allem in LKWs. Er kämpft mit Visumproblemen, zerstörten Brücken und quicklebendigen Flöhen. Seth spricht Chinesisch, aber nicht Tibetanisch. Er schildert vor allem Reiseschwierigkeiten und Reisebekanntschaften mit wenigen…

Rezension Reportage-Buch: Weiße Plantagen, von Érik Orsenna (2006, über Baumwolle) – 4 Sterne – mit Pressekritiken

Orsenna besucht Baumwoll-Anbaugebiete und ihre Macher in Mali, USA, Brasilien, Ägypten, Usbekistan, China und Frankreich. Er schreibt vage lyrisch und ohne Tiefgang: weder sozial, wirtschaftlich, politisch noch menschlich wird es interessant (seine tatsächlich wissenschaftlichen Texte veröffentlicht Orsenna unter einem anderen Namen). Er redet oft mit leichtem Spott, der teils wie eingebildete Besserwisserei anmutet. Häufig klingt…

Rezension Fahrschüler-Doku: You Drive me Crazy (2012) – 8 Sterne – mit Video

Die 84minütige, sehr unterhaltsame Dokumödie begleitet drei internationale Fahrschüler: eine oft angespannte deutsche Modedesignerin in Mumbai; eine scheinbar entspannte koreanische Musikstudentin in München; einen amerikanischen Nachwuchsdesigner und Aushilfsjobber in Tokio. Mitten im Verkehr: Alle ein oder zwei Minuten wechselt der Schauplatz zwischen Indien, Deutschland, Japan. Die Doku ist schön gefilmt und zeigt viele Momente aus…

Rezension Japan-Roman: Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß, von Hiromi Kawakami, 2001 – 4 Sterne

Die 37jährige Ich-Erzählerin Tsukiko trifft in der Kneipe zufällig ihren ehemaligen Lehrer, 67. Seither sitzen sie gern am Tresen zusammen, machen auch mal einen Spaziergang. Eine Romanze deutet sich an, doch der Roman plätschert zwei Drittel der Strecke nur so dahin. Das Buch erschien 2001 im Original als Sensei no kaban, センセイの鞄, wörtlich Die Mappe…

Rezension Doku deutsch-koreanische Ehen: Endstation der Sehnsüchte – Ein deutsches Dorf in Südkorea (2009) – mit Video – 5 Sterne

Drei Koreanerinnen arbeiteten jahrzehntelang als Krankenschwestern in Deutschland. Mit deutschen Ehemännern verbringen sie nun das Rentenalter im südkoreanischen Dogil Maeul am Meer. Dieses spezielle Rückkehrer-Dorf ist als German Village bekannt und wird wegen seiner adretten Einfamilienhäuser am Wochenende von Ausflüglern überlaufen. Langsame Bilder, knappe Information: Der Film wirkt langatmig. Viele Szenen sind zu gedehnt –…

Rezension Hongkong-Roman: Suzie Wong, von Richard Mason (1957) – 8 Sterne

Routiniert gut und sympathisch erzählte, völlig jugendfreie Geschichte um chinesische Barmädchen im Hongkong der 50er Jahre. Die Stadt, die Bar und die Menschen werden im Roman sehr lebendig. Das Buch steuert nicht auf ein eindeutiges Ende zu, so dass ich gespannt bis zur letzten Seite gelesen habe. Das Vorwort liefert interessante Hintergrundinformationen zur Stadt, zum…

Rezension Korea-Spielfilm: Hanyo – Das Hausmädchen (1960) – mit 2 Videos – 8 Sterne

Bestechend, dramatisch, pathetisch, teils fast schon expressionistisch, fantastisch gefilmt, jedes Bild wirkt wie eine Schwarzweiß-Postkarte aus einer anderen Zeit. Sehr intelligent passend zur Handlung konstruiertes Haus, das viele Einblicke erlaubt, aber auch Schranken aufweist; selten störte es mich so wenig, dass Außenaufnahmen fehlen. Gelegentlich wirkt das Spiel etwas hölzern und ich hätte gut ohne die…

Rezension Korea-Spielfilm: Eat Drink Man Woman (1994, Regie Ang Lee) – mit Trailer – 7 Sterne

Stark gefilmt, stark geschnitten, starke Szenen vom chinesischen Kochen. Ein ungewöhnliches Drehbuch. Schöne Frauen, und ein schönes Eigenheim, wenn auch vielleicht etwas filmi. Schön gespielt? Ich bin mir nicht sicher. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Schauspieler ganz in ihren Rollen zuhause sind. Aber was weiß ich. Die sehr ähnlich klingenden Namen der drei…

Rezension Hongkong-China-Roman: Alle Herrlichkeit auf Erden, von Han Suyin (1952, engl. A Many-Splendoured Thing) – 7 Sterne

Bittersüße, schweifende Liebesgeschichte in Hongkong 1949/50; in China kämpfen sich die Kommunisten an die Macht, Flüchtlinge strömen nach Hongkong. Die Liebesgeschichte selbst ist wunderbar, zart sinnlich, poetisch, mit intelligentem Humor der liebenswerten und unkitschig romantischen Hauptakteure. Han Suyin beschreibt offenbar ihr eigenes Leben und darum bringt sie Nebenstränge in die Geschichte, die bei etwas mehr…

Korea-Spielfilm: Das Hausmädchen (2010) – mit Trailer – 7 Sterne

Gelacktes Edelpsychodram aus Südkoreas oberster Oberschicht, aber bis auf das bombastische Ende packend gespielt. Auch in Nahaufnahme überzeugen die Darsteller, signalisieren Beklemmung, Unterdrückung, Macht und Manipulationswillen (Regie Sang-soo Im, Hauptdarstellerin Do-yeon Jeon, engl. Titel The Housemaid, kor. Hanyo). Edle Bilder, vielleicht schon zu viele: Die Kamera betört unentwegt. Manchmal ist es schon zu viel, diese…

Rezension Japan-Groteske: Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb (1984) – mit Video – 7 Sterne

Wie diese brave Familie nach und nach komplett ausflippt, das zeigt Regisseur Sogo Ishii bewunderswert anstrengend schmerzvoll komisch, oft untermalt von rasender Rockmusik. Und es kommt immer noch schlimmer, noch absurder, noch verzweifelter. Zum Lachen und zum Schlucken, ganz und gar nicht gefällig. Die schauspielerischen Leistungen überzeugen durch die Bank, dazu kommt eine sehr lebendige…

Rezension 1950er-Hongkong-Memoiren: Gweilo, von Martin Booth (2004, US-Titel Golden Boy) – 7 Sterne – mit Presse-Links

1952 kommt der Engländer Martin Booth als Siebenjähriger mit seinen Eltern nach Hongkong und bleibt drei Jahre. Er erkundet die Straßen allein und ist bald mit vielen Händlern und Dienstboten befreundet. Er testet Knallfrösche und gebratene Käfer. Alle sind nett zum kleinen Martin, auch weil sein blondes Haar Glück verspricht. Booth (1944 – 2004) beschreibt…

Spielfilm Chinesen in London: Chinese Blues bzw. Soursweet (1988) – 6 Sterne

Eine chinesische Kleinfamilie baut sich in den 60ern mit einem Imbiss eine Existenz im ärmsten Teil Londons auf. Doch der Mann verstrickt sich in Schulden, eine Gangsterbande setzt ihn unter Druck. Das ist fein beobachtet, in immer neuen, sorgfältig choreographierten Kamerabildern in trüben Farben. Respekt, Tradition und Hierarchie à la China spielen eine große Rolle…

Hongkong-Roman: The Monkey King, von Timothy Mo (1978) – 6 Sterne

Ja, ich habe mehrmals laut gelacht. Ganz behaglich war das Lachen nicht, denn die Figuren in diesem Hongkong-chinesischen Familienroman (mit einem halben Außenseiter) sind alle unsympathisch. Timothy Mo lässt sie zudem ein Pidgin-Englisch reden, das in Schriftform debil wirkt. Alltag in Hongkong: Trotzdem sieht man der Familie gern beim Alltagstreiben zu. In der ersten Hälfte…

Sachbuch: The East, the West, and Sex: A History of Erotic Encounters, von Richard Bernstein, 2009 – 6 Sterne

Bernstein schreibt flüssig und leicht lesbar, aber ohne besonderen Reiz. Mitunter klingt er säuerlich missbilligend, so beim Thema Kolonialismus und bei allzu entschlossenen Ausschweifungen historischer Reisender; dabei erinnert Bernstein fast an die viktorianische Moral, die immer wieder zitiert wird, und im Fazit scheint er christlich geprägte Monogamie zu bevorzugen. Um diese Länder geht es: Bernstein…

Spielfilm: Sieben Jahre in Tibet (1997, mit Brad Pitt; mit Trailer) – 6 Sterne

Harrers und Aufschnaiters Leistung ist unglaublich. Harrer hat daraus ein enttäuschendes Buch gemacht, und dieser Film ließ mich auch kalt. Ich kann es gar nicht genau auf den Punkt bringen: für meinen Geschmack gibt es zu wenig Landschaft (die Wildniswanderung hat im Buch einen größeren Anteil), zu viel chinesische Gewalt, und Brad Pitt sticht unangenehm…

Asien-Memoiren 1949 – 1979: My House Has Two Doors, von Han Suyin (1980) – 3 Sterne

Dieser vierte Band von Han Suyins Memoiren wurde in späteren Ausgaben auf zwei Bände verteilt: Memoiren 4.1: My House Has Two Doors Memoiren 4.2: Phoenix Harvest (ursprünglich der hintere Teil der ersten Ausgabe von My House Has Two Doors; lt. Innentitel Volume 2 of My House Has Two Doors) Überheblich, aber mit Fehlern: Suyin schreibt…

Hongkong-Spielfilm: Alle Herrlichkeit auf Erden (1955, mit William Holden, Jennifer Jones) – mit Video – 5 Sterne

Begrenzt herrlichEin Farbfilm von 1955, gediegenes Hollywood. Die Dialoge funkeln zeitweise, Spiel und englische Stimmen sind jedoch oft steif – es wirkt, als ob die Schauspieler ein Theaterstück proben; die künstliche Bildanmutung mit diversen erkennbaren Rückprojektionen unterstützt das noch. Jederzeit hat man perfekten Meerblick, rein zufällig. Auf Amazon (Werbelinks): Bücher zu Hongkong | Südostasien |…

Rezension Bloggerinnen-Doku: Forbidden Voices (2012) – 7 Sterne

Die Doku von 2012 portraitiert die Bloggerin Yoani Sánchez in Kuba, Zeng Jinyan in China und die Iranerin Farnaz Seifi, die seit 2003 in Teheran bloggte, 2007 nach Deutschland ausreisen musste und dort weiter publiziert – auch bei der Deutschen Welle. Der Film zeigt zudem Bilder von Hungerstreiks, Demonstrationen und brutaler  Polizeigewalt, unter anderem sieht…

Rezension Kinobetreiber-Doku: Comrades in Dreams – Leinwandfieber (2006) – mit Trailer – 7 Sterne

Nette Begegnungen mit Kinobetreibern in Indien, Nordkorea, Burkina Faso und USADie Doku von 2006 zeigt ungewöhnliche, liebenswerte Kinobetreiber in Indien, Nordkorea, Burkina Faso und USA. Es gibt viele überraschende Einblicke und schöne Bilder. Wirklich Kino-verrückt wirken aber nur die Inder – nicht der junge Chef des Wanderkinos, sondern die Dorfbewohner, die fast den Zaun des…

Japan-Spielfilm: Postman Blues (1997) – mit Video – 4 Sterne

Zu dunkel, farbschwach, leicht gelb-braun stichig Das Bild zu dunkel, farbschwach, leicht gelb-braun stichig – oder ist das Absicht? Die Geschichte ist nicht ganz uninteressant – ein kleiner Postbote gerät sinnlos unter Polizeiverdacht – doch die Gesetzeshüter agieren und kalkulieren so dumm und tölpelhaft, dass man es nicht im geringsten ernst nehmen kann (jap. Posutoman…

Deutschland-Japan-Spielfilm: Kirschblüten – Hanami (2008, Regie Doris Dörrie, mit Elmar Wepper, Hannelore Elsner) – 4 Sterne

Küssende Lesben. Entblößte Prostituierte. Ein Alter mit einer obdachlosen jungen Asiatin. Ein Alter in Frauenkleidern, rot-weiß geschminkt am See tanzend. Eine junge Asiatin, die Knochen des verstorbenen Alten im Krematorium per Essstäbchen jonglierend. Auch das ist „Hanami“. Nichts bleibt erspart. Der Beginn in Bayern und Berlin gefiel mir: Bayern, Berlin, Tokio: Wie schon in Erleuchtung…

Japan-Deutschland-Spielfilm: Erleuchtung garantiert (1999, mit Uwe Ochsenknecht; Regie Doris Dörrie; mit Trailer) – 3 Sterne

Doch, der Film hat ein paar nette Momente. Immer dann, wenn die zwei ungleichen Brüder mal schweigen und einfach nur da sind, zum Beispiel zeltend in der Tokioter Innenstadt. Doch überwiegend schwafelt man hohles Zeug, impromptu aus dem Stegreif, stotternd, nach Begriffen und Inhalten suchend, eingestreut wolkig Weises aus dem Zen-Büchlein. Die Schauspieler haben nach…

Japan-Roman: Die Journalistin, von Saiichi Maruya (1993) – 3 Sterne

Der Ton: salopp und launig. Das wirkt zeitweise unterhaltsam („angetüterte Quasselstrippe“), aber nicht immer angemessen („der reinste Schwachsinn…, eine Frau mit Husserl vollzulabern“) und man fragt sich, ob der Autor im Original ähnlich umgangssprachlich schwadroniert. Öfter lappt es vom Saloppen ins Nachlässige: einmal schreibt die Journalistin etwas am Laptop, doch dann redet der deutsche Text…