Ja, ich habe ein paar Mal gelacht, und ich habe das Buch zügig zu Ende gelesen (das geht ganz schnell). Aber es ist eine hysterische RomKom mit unrealistischen Annahmen und absurden Pannen, mit forciertem Slapstick, forciertem Schmalz, regelmäßigen Katastrophen und aufdringlichen Trauer- und Verzögerungsmomenten.
Zeitweise schwafelt die Ich-Erzählerin selbstgefällig zu viel Banales, statt zur Sache zu kommen – besonders vor entscheidenden Momenten, ein lahmer Spannungstrick. Hier ein Beispiel für penetrantes Anmoderieren statt Erzählen. Man erwartet eine dramatische Entwicklung, aber (alle Zeilenschaltungen wie im Buch):
Here, I just have to pause for a second and tell you something genuinely sad.
I apologise in advance.
I wish I could spare us all the heartache. I do.
I promise, if there were any way to skip it, I would.
But you have to know what happened first to understand what happened next.
Until you know the before, you can’t grasp the after. Why
((…))
I have to tell you the thing I’ve been putting off telling you.
Stick with me. We’ll get through it – and will be stronger on the other side, as all of us always are, for facing hot things and finding ways to keep going.
Plus: ((…))
Katherine Center schreibt überdramatisch: immer wieder Stummelzeilen mit Stummelsätzen, dann Zeilenschaltung, dann noch eine Stummelzeile mit Stummelsatz, und Zeilenschaltung, und Stummelsatz; s.o.
Die Ich-Erzählerin übertreibt hysterisch, so beim misslungenen Drehbuch des renommierten Autors:
this nuclear-waste-fueled dumpster fire of a screenplay
Schmalz und Tränen:
Und die Ich-Erzählerin drückt mächtig auf die Tränentube: sie hat den liebsten Daddy der Welt, aber nach einem tragischen Unfall tragisch behindert – Emma kümmert sich aufopferungsvoll seit fast 10 Jahren; und sie hatte eine coole Mom, deren Asche sie jedoch schon vor Jahren in den Pazifik streuen musste; und sie hat eine kluge schöne kleine Schwester, die ihre Zukunft selbstlos für die große opfert. Von diesen Familientragödien handeln mehrere Kapitel und weitere Einzelseiten, insgesamt ungemütlich viel, vor allem das Schmalzfest in Luxuskrankenzimmer und Ballsälen gegen Ende.
Emmas Gegenpart, der berühmte Drehbuchschreiber, hat seinerseits Päckchen zu tragen: multipel verlassen von den Frauen seines Lebens, geschlagen mit heimtückischer Krankheit, depressivem Meerschwein und einer Schublade voller Oscars.
Die Geschichte könnte man als Theaterstück inszenieren – sie spielt weitgehend in Wohnungen, Villen, Restaurants, Pools und Krankenzimmern. Die Handlung würde auch in einer Kino-Romcom nach aktuellem hysterischem Strickmuster funktionieren. Die Dialoge könnte man 1:1 übernehmen, nur das Ende wäre selbst für Hollywood zu süßlich.
Kalifornien oder Los Angeles werden nicht lebendig. Relativ wenig lernt man über Hollywood-Sitten oder das Drehbuchschreiben. Interessant immerhin fand ich in der englischen Version den Ausdruck „to block a scene“.
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Vieles klingt unrealistisch:
- Der erfolgreiche Drehbuchautor Charlie lässt sich von der erfolglosen Ich-Erzählerin, die ihn als “writing god” verehrt, sagen, sein Drehbuch sei „apocalyptically shitty” und er verstehe nichts von Romcoms
- Mehrfach lauscht die Ich-Erzählerin rein zufällig, wie andere über sie lästern
- Weitere arg konstruierte Situationen
Ich könnte jetzt noch drei klare Logiklücken aufzählen; aber vielleicht hat nicht das Lektorat zu flüchtig gelesen, sondern ich.
Assoziation:
- Dass der fiktive Drehbuchautor mit Nachnamen Yates heißt, so wie einer meiner bevorzugten US-Autoren und HansBlog-Helden, dessen Figuren offenbar milde Ähnlichkeit mit den Geschöpfen von K. Centers Romanfigur Charlie Yates haben, einem Drehbuchautor, irritiert mich; und Richard Yates arbeitete auch in Hollywood, schrieb den Roman Disturbing the Peace darüber
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