Romankritik: Abschied, von Sebastian Haffner (1932)– 7/10

Einzelne Sätze verstand ich nicht, zum Beispiel Französisches wie

Il faut la secouer parfois ((…)) comme sa maîtresse.   

(Ich-Erzähler Raimund sagt, er verstehe selber nicht viel Französisch.) Auch Deutsches kapierte ich nicht immer:

((Fräulein Gault gehörte)) zu dem Typ, der, wenn er älter wird, die Marianne‑Karikaturen abgibt.“

Das Wort “abgeben” ist hier mehrdeutig, und die Marianne-Karikaturen haben bei mir keine Konnotation. Ich habe es mir von der KI erklären lassen, aber vielleicht halluziniert die noch mehr als ich?

Der Ich-Erzähler ist sympathisch:

gegenüber seiner sehr unabhängigen Freundin Teddy zeigt er sich wenig eifersüchtig oder besitzergreifend; und er will nicht, dass sie sich die Lippen anmalt. Er redet mild einnehmend selbstironisch – ein Ton, den es heute nicht mehr gibt.

Raimund ist verliebt und erträgt nicht, dass seine Teddy in Paris ständig andere Galane empfängt; aber er protestiert auch kaum dagegen, sondern knirscht nur innerlich – sympathisch und nachvollziehbar.

Raimunds Ungeduld setzt Autor Sebastian Haffner hervorragend in Literatur um: nie schreibt er „ungeduldig“, sondern gibt die kreiselnden Dialoge und Stimmungen wieder – show, don’t tell;  das amüsiert und strengt bisweilen an.

Liebenswert auch:

die Hauptfiguren gehen zum Eiffelturm und machen *kein* Selfie.

Der Ich-Erzähler verzichtet weitgehend auf Dativ-e, mit wenigen schockierenden Ausnahmen:

mit dem Kopfe ((S.129, 136))… im Kriege ((2x S. 177))…

Das kurze Nachwort des unvermeidlichen Volker Weidermann liefert interessante historische Einordnung.

Assoziation:

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