Meine Ausgabe enthält drei Novellen, die zusammenhängen; es gibt dieselben Hauptfiguren, insonderheit Hank und Edith. Man könnte fast von einem Roman sprechen.
We Don’t Live Here Anymore (1975) – 7,5/10:
Jack ist verheiratet mit Terry und hat eine Affäre mit Edith. Die ist verheiratet mit Hank und immer noch sauer, weil Hank was mit Jeanne hatte. Hank will aber auch an Terry ran und leiht Jack Geld. Die beiden Männer sind auch Kollegen und alte Freunde.
Ich-Erzähler Jack schildert die Situation trocken bis zynisch, auch die Unzufriedenheit seiner Frau Terry. Der Sex klingt realistisch, nicht zu ausbuchstabiert, aber gut vorstellbar samt Bier beim Vögeln am Waldrand (den Sex auf dem Friedhof finde ich zu filmi). Es gibt Heimlichtuerei und Lügen, gut umgesetzt in vielen angespannten Dialogen, kleinen und großen Gemeinheiten.
Gegen Ende hält Terry lange, geschriftstellerte Monologe, die nicht zum Stil der ersten 60 Seiten passen (aber gut zum Stil der dritten Geschichte). Die zwei Frauen in diesen 70er-Jahre-Akademiker-Paaren sind reine Hausfrauen, die ihre Pflichten erfüllen müssen und nur danach beurteilt werden. Die betrogene Terry fleht ihren scheinbar flüchtigen Mann an:
Couldn’t you just stay and keep screwing Edith?
Irgendein Eigenleben haben die Frauen scheint’s nicht, außer einem Hang zu Alkohol und Zigaretten.
Assoziationen:
- Akademiker-Ehepartner an der Ostküste beobachten sich gegenseitig bei Ehebruchiaden – das erinnert an Vieles von John Updike, u.a. an die Maples Stories
- Eine mehrseitige Zusammenfassung dieser ersten Geschichte liefert die dritte Geschichte, Finding a Girl in America
- Betrogen, das TheaterstĂĽck von Harold Pinter
- Der kĂĽhle Ton klingt gelegentlich nach Raymond Carver, aber Dubus hatte keinen Gordon Lish.
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Adultery (1977):
Die Hauptfiguren kehren in den zwei weiteren Geschichten des Bandes wieder. Die zweite Geschichte, Adultery, habe ich nicht gelesen, obwohl mich ihr Titel zu dem Buch brachte, aber die dritte:
Finding a Girl in America (1980): 3/10
Die Geschichte driftet hierhin und dorthin mit Verallgemeinerungen und vagen RĂĽckblenden.
Hauptfigur Hank lebt jetzt allein in einem Single-Apartment und vertreibt sich die Zeit mit Loverinnen, teils viel jünger. Der Lehrer und Schriftsteller ist aber noch traurig, dass Ehefrau Edith ihn aus der Vorstadtidylle mit Tochter Sharon rausschmiss. Er grübelt auch darüber, wie die nun 14-jährige Sharon, die er regelmäßig sieht, mit seinem Frauenreigen zurechtkommt.
Andre Dubus produziert weinerliche Rückblenden auf Ex-Loverinnen. Mit einer machte Hank Schluss, weil sie seine Romane nicht las. Einer anderen erklärt er sein Sexversagen damit, dass er beim Rammeln eine Romanszene überdachte. Ein paar Seiten lang geht es nur um die Seele der neuesten Loverin Lori. Die wenigen Dialoge klingen banal bis kitschig.
Die Geschichte verwendet Wörter wie „crapulent“ und „vulpine“, und der in der ersten Geschichte so zynische Hank bekommt einen Psychowurm, weil eine Ex-Loverin sein Kind abtrieb.
Der Autor delektiert sich aufdringlich an Körperfunktionen bis hin zu fiesem Klogeruch, Teenagerinnenmenstruation oder, würg,
that lovely first penetration into new yielding flesh
Dies oft nicht in konkreten Situationen, sondern in raunenden, öden Verallgemeinerungen und Rückblenden.
Assoziation:
- Mittelalter Intellektueller hat das kommode Vorstadtheim verlassen, vergnügt sich im Single-Apartment mit jungen Dingern, es gibt derb Explizites – das erinnert wieder an John Updike, und zwar an die Geschichte Gesturing aus den Maples Stories, die zufällig zwei Jahre vor Finding a Girl in America im Playboy stand. Im Vergleich schreibt Dubus nüchterner und weniger ironisch
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