Belletristik

Romankritik: Atemübungen, von Anne Tyler (engl. Breathing Lessons, 1988) – 7/10

Der Roman beginnt genüsslich mit einem gereizten, dutzende Seiten langen Dialog zwischen den Eheleuten Maggie und Ira, unterwegs im Auto zu einer Trauerfeier. Die Rückfahrt am selben Tag glänzt mit weiteren ausgedehnten, mild absurden Dialogen, auch mit Zufallsbekanntschaften, die teils wie eingeschobene Kabarettstücke klingen, die nicht unbedingt zur Hauptgeschichte gehören. Die Autorin macht uns zunächst […]

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Romankritik: Im Krieg und in der Liebe (engl. The Amateur Marriage), von Anne Tyler (2004) – 7/10

Anne Tyler schreibt hochatmosphärisch, mit packenden Details und kleinen, intimen Konflikten. Sie schildert kleine Leute aus den Vororten. Sie schreibt meist hochgradig realistisch und nüchtern, ohne bizarre Zufälle, nur bei der Suche nach dem verschwundenen Kind wunderte mich zeitweise etwas. Sie verzichtet auf dräuende Andeutungen oder Symbole und vorahnungsvolle Träume. Sie verallgemeinert nicht und fasst

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Romankritik: Redhead by the Side of the Road, von Anne Tyler (2020) – 7/10

Das ist schön menschlich und alltäglich, ohne haarsträubende Zufälle oder Ausgeflipptheiten. Doch die Dialoge klingen teils zu filmreif oder bedeutungsvoll, ebenso wie einige Details – angefangen bei der Souterrainwohnung mit den Fensterschlitzen. Ein Beispiel: Kurz bevor der vermeintliche Sohn auftaucht, träumt die einsame Hauptfigur von einem Baby. Später wird uns explizit erklärt, dass aus diesem

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Lese-Eindruck: Scoop, von Evelyn Waugh (1938) – 6/10

Flott formuliert, bizarr karikiert, und manchmal schlicht zu routiniert: Evelyn Waugh schreibt elegant, lustig und mit pfiffigen Details und Dialogen. Er versteht es, Spannung aufzubauen. Doch die Handlung ist komplett unrealistisch, die Hauptfiguren sind grenzdebil und maßlos übertrieben – man denkt an Dick und Doof. Der  Erzähler sagt selbst, dass eine Nebenfigur im Ministeramt sich

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Romankritik: Yellowface, von Rebecca F. Kuang (2023) – 7/10

Kuang schreibt sehr leicht lesbar und liefert genüsslichen Klatsch aus der Verlags-, Wokeness- und Twitter-Welt. Teils fühlt man sich in einem Krimi. Nur Liebe spielt keine große Rolle. Kuang übertreibt die Satire etwas. Ein weißer Mann, eine weiße Frau dürften so etwas nie schreiben. (Ich kenne nur das englische Original und kann die Eindeutschung von

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Romankritik: The Tortoise and the Hare, von Elizabeth Jenkins (1954) – 7/10

Elizabeth Jenkins textet im ersten Buchdrittel zu blümerant, verwendet gern überflüssig doppelte Negierungen. Sie schildert im ersten Drittel, um alles zu erklären, ausgiebig Vergangenes, Gedanken und Bezüge, schreibt zu wenig direkte Handlung und Dialog in der erzählten Jetzt-Zeit. Berichtet sie eine Interaktion direkt, klingt das  psychologisch genau und mit stimmigem Dialog – aber dann kommen

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Lese-Eindruck: Einfach losfahren, von Fabio Volo (2006)

Das Buch liest sich leicht und seicht. Die Hauptfiguren sind Hallodris, die auch so reden und erzählen. Klogewohnheiten: Der Ich-Erzähler beschreibt unangenehm detailliert sein Prozedere auf dem Klo, separat für kleines und großes Geschäft. Auch Wichsen ins Handtuch und Dickdarmspülung mit Wasser diskutiert er mit Lesern oder Kumpel – und “in dem Moment kam unser

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Lese-Eindruck Kurzgeschichten: Die Saujagd und andere Vorstadtgeschichten von Max von der Grün (1995)

Die vielen kurzen Episoden beginnen meist mit typischen Nachbarschaftsszenen, die dann in unrealistische Streiche und platte Gags ausarten. Andere Szenen spielen auf der Autobahn oder in der Fußgängerzone. Gleich zweimal werden Kirchen unbefugt aufgesperrt, zweimal anonym Fahnen an schwer erreichbaren Orten gehisst. Max von der Grün schreibt gewandt und leicht lesbar. Über die Konflikte allein

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Lese-Eindruck Kurzgeschichten: No Comebacks, von Frederick Forsyth (1972)

Gemeinsamkeiten: Ich habe nur zwei Geschichten gelesen, doch es gibt klare Gemeinsamkeiten: etwas Dialog, teils angestrengt cool, teils ansprechend, nie hinreißend zu genaue technische Beschreibungen: Zerlegen einer Waffe und Verstecken in einer Buchsendung (inklusive Schalldämpferdiskussion); kaputtes Getriebe an einem LKW; Ganovenpläne etwas platte Plots: genau die Falsche wird erschossen; genau der falsche Brummi wird entführt;

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Romankritik: Der Chor, von Anna Katharina Hahn (2024) – 4/10

Ich fühlte mich bocklhart zugelabert – vor allem im letzten Drittel mit schwer nachvollziehbaren Verwicklungen, Entscheidungen, Figuren, einer völlig unrealistischen Paarung und Begegnung (sofern ich das richtig verstand). Ich kämpfte verbissen bis zur letzten Seite. Amazon-Werbelinks: Anna Katharina Hahn | Daniela Krien | Julia Schoch | Patricia Highsmith Alle Hauptfiguren sind Frauen, die meisten Nebenfiguren

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Romankritik: Wie ich lernte, die Frauen zu lieben (1965, engl. In Praise of Older Women), von István Vizinczey – 7/10

Der Roman klingt verblüffend nach echten Memoiren. Ich-Erzähler András Vajda ist ein Liebhaber der Frauen, dem Qualität über Quantität geht. Autor István Vizinczey (1933 – 2021) erzählt flüssig, die Affären überschneiden sich teils, es ist erotisch, charmant, auch mal rollig, nie vulgär oder auch nur angeberisch, sonden literarisch ansprechend und nebenbei historisch erhellend. Die Dialoge

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Romankritik: Das Jagdgewehr, von Yasushi Inoue (1949) – 4/10

Die Geschichte ist pathetisch bis schwülstig – kann man es auch „camp“ nennen? – und sehr konstruiert, wenn auch mit Finesse. Vermutlich steckt allerlei Symbolik darin, die mir entging. Eine Kostprobe aus dem Brief der Tochter Schoko: … kam mir der Garten im Licht des unheimlich weißen Mondes wild wie der Strand irgendeines sehr nördlichen

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Lese-Eindruck Ganovenkrimi: Get Shorty, von Elmore Leonard (1990)

Der Autor erzählt aus der Perspektive wechselnder Hauptfiguren, in aufdringlich coolem Ton: If he was putting it on he had it down cold… flying down to Rio by the se-o ((Musical-Zitat))… Find some broad to have dinner with him, nice bottle of wine… Weil dieser Ton gleichbleibend den Gedankenstrom unterschiedlicher Akteure wiedergibt, überzeugt er nicht.

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Romankritik: Euphoria, von Lily King (2014) – 8/10

Lily King studierte literarisches Schreiben und wendet das Erlernte souverän an: die Autorin steigt unmittelbar in die Handlung ein, erzeugt sofort Spannung und Unbehagen – nicht nur wegen der schwülen tropischen Bedingungen, sondern auch wegen der  Spannungen zwischen den Akteuren sie produziert kurze Kapitel mit vielen Atempausen, knackigen Dialogen und dramatischem Finale sie wechselt zwischen

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Romankritik: Early Morning Riser (2021), von Katherine Heiny – 6/10

Unterbrochen von zwei Tragödien, die schnell vorbeigehen, schildert Katherine Heiny eine allzu fluffige Kleinstadtidylle: jede kennt jeden, jede schlief mit jedem, versteht sich immer noch bestens. Man ist endlos verständnisvoll, hilfsbereit, aufopfernd. Welch quälende Idylle. Zudem will Heiny offenbar fünf witzige Sätze pro Seite bringen: das gelingt halbwegs, auch wenn sie deshalb fürs Großeganze unwichtige

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Kritik Japan-Roman: Der Schlüssel, von Junichirō Tanizaki (1956) – 7/10

Ikuko, 45, ist unzufrieden mit ihrem Schlappmann, 56. Mitleidlos ätzt sie in ihrem Tagebuch: Ach, wenn er doch nur ein wenig männlicher wäre, etwas stärker, etwas ausdauernder, wie einst in seinen jungen Jahren ((…)) Und wenn er mich wirklich liebt, dann muss er mich auch glücklich machen können. Von der tragischen erektilen Indisponiertheit des Mannes

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Buch unter Baum

Meisterklasse Sedatives Schreiben: In einem Zug, von Daniel Glattauer, 1. Kapitel

Kreatives Schreiben oder sedatives Schreiben? Mensch, Glattauer-Brünhofer: Geht so  Bestseller? 1. Kapitel. Drei Sätze Einstieg mit Handlung: Schräg gegenüber sitzt eine Frau… Und dann anderthalb geschlagene Seiten abgeschmackte Verallgemeinerung? Nee, oder? So Zeug wie: Ich bin keiner, der… Kinder ja, die kann man stundenlang… Oder sie sind von der anderen Sorte, zählen… Jedenfalls schauen Erwachsene,

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Romankritik: Vladimir, von Julia Jonas May (2022) – 7/10

Der Buchtitel “Vladimir” führt in die Irre: Der Roman handelt überwiegend nicht von den Gelüsten einer verheirateten 58-Jährigen Professorin nach dem gut gebauten, verheirateten 40-jährigen Kollegen russischer Abstammung – und auf den letzten 18 Seiten erscheint Vladimir nicht mehr. Es geht mehr um Wokeness und political correctness an einem kleinen US-College, um die Statthaftigkeit erotischer

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Romankritik: Am Ende ist es ein Anfang, von Dolly Alderton (2023, engl. Good Material) – 5/10

Der Roman zerfällt in eine Kette von Episoden, mit teils aufdringlich bedeutungsvollen Dialogen und Situationen, gelegentlich gerettet durch etwas Humor, öfter beschädigt durch Vulgarität, dumpfes Kumpeltum und Banalität. Man könnte einzelne Episoden löschen, ohne eine Lücke zu reißen. Dazu kommen schlichte Beziehungsweisheiten; Popreferenzen triggern Pawlowsche Reflexe. Dolly Alderton schreibt offen männerfeindlich. Ihr dämlich sich im

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Romankritik: Späte Liebe, von Max von der Grün (1977) – 7/10

Die zwei 70-Jährigen kommen schon sehr früh im Roman zusammen, und dann folgen überwiegend heitere Episoden, die Rentnerliebe ist nie gefährdet – keine dramatische RomKom, Happy ever after nach ein paar Seiten. Max von der Grün schreibt betulich, aber nicht muffig; doch er beschreibt eine abschreckend muffige Welt: Häkeldeckchen, röhrender Hirsch, Herzleiden, Rentnerbustour, Minieiffelturm, Skatkumpel

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Romankritik: Die Stimmen des Abends, von Natalia Ginzburg (1961) – 5/10

Natalia Ginzburg (1916 – 1991) erzählt unverklärte Geschichten aus einem italienischen Kaff kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Sie wechselt unübersichtlich zwischen mehreren Familien hin und her. Die Leute wirken gedrückt und verhuscht, selbst wenn Ginzburg Fröhlichkeit und Reichtum erwähnt. In diesem Dorf wurde “alle vorrätige Lebensenergie schon aufgebraucht“, sagt Hauptfigur Tommasino, das passt. Zudem schreibt

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Romankritik: So ist es gewesen, von Natalia Ginzburg (1947) – 6/10

Ja, klar, ihr Mann hat sie von oben herab behandelt, ein gefühlloser Lügner und Ehebrecher. Aber ihm deshalb eine Kugel „zwischen die Augen” ballern? Die Ich-Erzählerin von Natalia Ginzburg (1916 – 1991) macht doch selbst alles falsch: sie heiratet den Typ, der erklärtermaßen eine verheiratete Frau liebt und nicht die Ich-Erzählerin. Sie verrät ihm schon

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Romankritik: Auf allen Vieren, von Miranda July (2024, engl. All Fours) – 7/10

Miranda July sagt viele coole Sätze, die runtergehen wie Sahne auf Mandelmilch-Basis, selbst wenn man sie nicht versteht. Deswegen wurde sie ja auch schon 2012 vom US-Kongress vorgeladen, “to explain exactly what her whole thing is” (Quelle). In einer schäbigen Stadt lässt die Ich-Erzählerin ein schäbiges Motelzimmer, in dem sie vielleicht ein paar Tage bleibt,

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Romankritik: Das wilde Herz, von Andrea de Carlo (2014) – 5/10

Fazit: Andrea de Carlo liefert über 450 Seiten Machtspiele, Statusängste und Aggression, überwiegend zwischen zwei der drei Hauptfiguren, und er textet klar männerfeindlich. Ab der zweiten Buchhälfte gibt es etwas Erotik, James-Bond-Action und viel Schmalz, hier überzeugt das Buch weniger. De Carlo schreibt meist realistisch, psychologisch genau, mit guten Details und leicht lesbar; doch der

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Buchkritik: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur, von Andrea Wulf (2015) – 7/10

Fazit: Andrea Wulf bemüht sich intensiv, Alexander von Humboldt als Klimaschützer zu zeigen – der erste ökologische Wissenschaftler, der den Raubbau an der Natur anprangerte statt pries und die Vernetzung allen Lebens betonte. Zudem war von Humboldt pro-divers, antirassistisch, antikolonialistisch und schätzte sogar die Amazonas-Indios, oder zumindest ihre Naturkenntnisse. Die Autorin vertieft sich zudem sehr/zu

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Buchkritik: Auf dem schwarzen Berg, von Bruce Chatwin, (1982, engl. On the Black Hill) – 7/10 

Bruce Chatwin schreibt schlankes, uneitles Englisch ohne Effekthascherei oder Blabla, aber dekoriert mit vielen Wortantiquitäten. Chatwin kredenzt nur wenige Rückblenden, diese teils unübersichtlich. Es gibt nur eine dräuende Ankündigung kommenden Unheils am Kapitelende: …during the summer of ‘27, there was a very disagreeable incident. Chatwin streut faszinierende Details aus dem historischen Landleben ins Buch –

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Kritik Kurzgeschichten aus: Der Mond über der Eisbahn, von Alice Munro (1986, engl. The Progress of Love) – 7/10

Wiederkehrende Eigenschaften: Bedeutungsvolle Symbole wie abblätternde Tapeten, verbleichende Fotos; lebendig gezeichnete Personen und Kulissen; hervorragende elegante Sprache (ich kenne nur das englische Original); Interessantes aus der Vergangenheit wird angedeutet und nicht erzählt; etwas zu viel Körperfunktion, Dreckiges, Böses überraschend, mehr als in späteren Bänden Wie in ihren anderen Sammelbänden meist auch: äußerlich interessieren mich Munro-Figuren

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Romankritik: Kürzere Tage, von Anna Katharina Hahn (2009) – 6/10

Anna Katharina Hahn schreibt psychologisch sehr genau und nachvollziehbar, wenn auch zu dialogarm. Der Roman wurde ins Englische übersetzt und für den Deutschen Buchpreis 2009 gelonglistet. Englischsprachige Romane sind durch die Bank besser als deutsche, aber aus psychohygienischen Gründen muss ich doch um 50% Deutsches lesen; zu diesem Programm gehört auch Kürzere Tage. Amazon-Werbelinks: Anna

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Romankritik: Ein untadeliger Mann, von Jane Gardam (Old Filth 1 von 3) – 6/10

Vielleicht loben Engländer wie der Guardian den Roman so, weil er urenglische Themen behandelt: die Kolonialerfahrung (“Raj”), Internat (voller “Raj orphans”), gediegene Rituale, Darjeeling-Tee, der harte Nachkriegswinter, Leben und Garteln auf dem Land, einsam Altern, stiff upper lip/unterdrückte Gefühle, Kriegszeiten inkl Bletchley Park und Gallipoli. Nordengland, Malaysia, Südengland, Hongkong, London, Singapur, Ceylon, Sierra Leone. Zeitsprünge:

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Romankritik: Eine treue Frau, von Jane Gardam (2009, Old Filth 2 von 3, engl. The Man with the Wooden Hat) – 7/10

Jane Gardam schreibt hochatmosphärisch und vielsagende Dialoge. Doch der neunjährige Harry Veneering redet weitaus zu altklug, und gelegentlich klingen knappe Dialoge cool, aber auch unrealistisch. Überraschend auch die junge Hauptfigur Betty: verlobt sich spontan mit einem und schläft danach mit dem anderen, um Tage später #1 zu heiraten. Sie ist selbstgewiss, originell, intelligent, hält wenig

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Romankritik: Ein Sommerabend, von Cécile Tlili (2024) – 4/10

Wie in anderen Gesellschaftssatiren auch: die Figuren verhalten sich unrealistisch schroff oder schüchtern, und sie passen von vornherein nicht zusammen: (wörtlich) Heimchen am Herd versus mondäne Industrieschickse versus gutaussehender Juristenpartner. Das generiert Spannung und Komik. Warum Mauerblümchen Claudia und der smarte Rechtsanwalt Étienne zusammenleben, ist unklar – aber ergiebig für einen Roman. Amazon-Werbelinks: Alice Munro

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