Romankritik. Rabbit, eine Rückkehr, von John Updike (2000, engl. Rabbit Remembered, Rabbit Teil 5) – 6 Sterne

Wer die ersten vier Bände der Rabbit-Reihe kennt, muss nicht lang warten: Gleich auf den ersten Seiten von Rabbit, eine Rückkehr präsentiert John Updike alle überlebenden Akteure – und handfeste Überraschungen dazu.

Rabbit Teil 5 spielt 1999. Autor John Updike (1932 – 2009) liefert solides Storytelling-Handwerk, doch ganz ohne das Funkeln der früheren Bände: die Dialoge bestechen weniger, ein paar Dinge wirken weniger realistisch und weiter hergeholt als für die Rabbit-Reihe üblich. Das wiederkehrende Einflechten vergangener Entwicklungen klingt gezwungen. Absolute Nebenfiguren erhalten zu viel Raum (die Kinder eines Nebendarstellers, die Klienten der Hauptfigur Nelson).

Das Ganze wirkt wie ein konventioneller Familienroman, teilweise spannend, und spielt nicht mehr im Kopf der einstigen Hauptfigur Rabbit. Dessen Nachfahren fesseln weniger. Das verblüffend heitere, untypische Ende erinnert an eine romantische Komödie.

Die Geschichte bietet Spielraum für eine weitere Fortsetzung, vielleicht durch den Sohn von John Updike, der bereits im New Yorker veröffentlichte. Nur sind die überlebenden Figuren so langweilig, ohne das Getriebene und Verspielte von Harry „Rabbit“ Angstrom.

Englische und deutsche Ausgabe:

Rabbit, eine Rückkehr erschien auf Deutsch als eigenes Buch mit lt. Werbung 256 Seiten. Das englische Original Rabbit Remembered erschien zunächst in zwei Auszügen im New Yorker und steckt im Updike-Kurzgeschichtenband Licks of Love; dort belegt es rund 185 Seiten. Daneben enthält der Band Licks of Love zwölf Kurzgeschichten auf etwa 176 weiteren Seiten. Elf dieser Kurzgeschichten stehen auch in Updikes Collected Later Stories, eine in den Henry-Bech-Geschichten. Es sind überwiegend keine Highlights, teils habe ich sie nur unvollständig gelesen.

Enthalten im englischen Updike-Band Licks of Love sind außer Rabbit Remembered diese Kurzgeschichten:

The Women who Got Away 1995 Alter Herr reminisziert Ehebruchiaden in den 60ern. – Viele coole Sätze eines routinierten Ehebrechers („Of all the kisses I gave and received in Pierce Junction, from children and adults and golden retrievers“…), nicht ganz homogen. Die Kleinstadt-Kulisse mit mehreren Paaren erinnert an Updikes Roman Ehepaare, ebenso der Ausdruck „our sexual paradise“ (in den Ehepaaren „post-pill paradise“); einige Motive begegneten 1:1 schon in der Maples-Geschichte Snowing in Greenwich Village (1956)

7

Lunch hour 1995 ni. ganz gelesen – beginnt als Fahrt zu pennsylvanischem Klassentreffen mit Wiederbegegnung, dann raunende Rückblenden in die altbekannte Updike-Kindheit.

New York Girl 1995 Älterer Herr reminisziert, wie er als verheirateter Handelsreisender aus der Provinz eine mehrjährige Affäre in New York pflegt. – Spannend, nicht raunend, nicht sabbernd, schöner Zeitsprung zum Schluss. Enthält Motive aus Updikes Kurzgeschichten „His Oeuvre“ (über Henry Bech) und „Transaction“ (Collected Early Stories) (Link zu Podcast-Lesung, Diskussion und Printtext beim New Yorker).

7,5

The Cats 1996 ni. gelesen –

 

My Father on the Verge of Disgrace 1997 ni. gelesen –

Licks of Love in the Heart of the Cold War 1997 Verheirateter US-Musiker mit vier Kindern reist in den 1960ern im Regierungsauftrag als Kulturbotschafter durch Chruschtschows UdSSR; vorher legt er aber noch eine Kellnerin in Washington DC flach. – Mild amüsant, die Kombination von Kellnerin in DC und Russlandreise wirkt willkürlich. Der Titel „Licks of Love“ hat nichts mit „her breasts being smooched“ zu tun. Deutlicher  Anklang an die Ostblockreisen des Updike-Protagonisten Henry Bech; Text online. Vom New Yorker abgelehnt.

6,5

Oliver’s Evolution 1997 „He was born with in-turned feet“. Oliver kommt mit Fehlbildung zur Welt und erlebt viele weitere Dramen, bis er heiratet, eine Problemfrau. – Lakonisch, m.E. belanglos, doch es gibt reichlich Analysen und sogar gedruckte Sekundärliteratur dazu, vielleicht weil die Story bei einer Länge von 1,5 Seiten die Schüleraufmerksamkeitsspanne nicht überfordert.  Eine Auftragsarbeit mit 650-Wörter-Vorgabe für den Esquire, der die Schnurre online stellte.

2,5

Natural Color 1998 Verheirater hat Affäre mit Verheirateter, und dann bemerkenswerte Gespräche mit seiner Frau. Updike-typisch in einer Neu-England-Kleinstadt, erzählt im Rückblick mit vielen Jahren Abstand. – Gute Mischung der Zeitebenen, interessante Konstellationen und Dialoge in altbekanntem Updikeland.

7,5

How Was It, Really? 1999 ni. gelesen –

Metamorphosis 1999 ni. gelesen – Arztgeschichte

 

Scenes from the Fifties 1992 Älterer Antiquitätenhändler blickt auf seine ambitionierten Mittzwanziger-Jahre zurück, als er Künstler werden wollte, Marcel Duchamp die Hand gab, bei einer schönen Frau abblitzte und einen schwulen Herumstreicher abblitzen ließ. – Eine dieser raunenden Reminiszenzen des alten John Updike, mit schwach verbundenen Episoden, und untypischem Ausgang; vom New Yorker abgelehnt.

5,95

His Oeuvre 1999 Bei Lesungen denkt Schriftsteller Henry Bech humorfrei an Ex-Loverinnen und ihre Orgasmusschwierigkeiten, einschl. Alice Oglethorpe, „the most marvelous lay of his life“, im (Be-)schlafwagen – 🥱. Erschien in keinem Bech-Einzelband. Enthält ein Motiv aus der Kurzgeschichte New York Girl (Coll. Later Stories).

5

Ø 5,99 von 10

 

*ich kenne nur das engl. Original und kann die Eindeutschung nicht beurteilen

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