Die Erzählung hat witzige Dialoge und Briefzeilen sowie heitere und bewegende Szenen rund um die Brautfindung in höheren Kreisen. Die kecken jungen Damen sträuben sich gegen allzu langweilige Galane.
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Allerdings zerfällt der Text unglücklich in mehrere Teile, die man auch separat veröffentlichen könnte – selbst wenn es um zwei Schwestern geht, was kaum zu merken ist. Die zwei Teile passen nicht gut zusammen, und ich fragte mich vorübergehend, ob ich den korrekten Text habe.
Sprache:
Marie von Ebner-Eschenbach textet im ersten Teil ungewohnt neckisch und amüsant. Zudem strickt die Autorin allerlei modisches Französisch und Englisch ein, z.B.
besser chaussiert… ein jeu d’esprit von meiner Erfindung proponiert…
Ein “Bébé” blättert “in einem Family-Goethe“. Zudem allerliebstes Österreichisch.
Nur ausnahmsweise klingt es schmalzig:
qualerpreßtes Schluchzen hob ihre Brust
Verblüffend gibt es hier einen Satz auf Social-Media-Deutsch:
nur was Du likest, nicht was ich like
(Das groß geschriebene „Du“ ist natürlich kein Social-Media-Deutsch, aber so steht es im Text.)
Die Erzählung gibt es gratis auf Gutenberg. Sie hat rund 21.600 Wörter – also halb so viel wie ein kurzer Roman – bei rund 131.400 Anschlägen inkl. Leerzeichen. Wikipedia nennt 1885 als Erscheinungsjahr (Wiki).
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Erster Teil:
Die affektierte, kecke Junggräfin Muschi auf Schloss Sebenberg schreibt ihrer offenbar Schwester Paula „Nesterl“ in Wien ungefähr wöchentlich einen Brief. Unter anderem wird Muschi vom schwäbischen Grafen Karl umworben; erst spottet Muschi über Karl, schließlich will sie ihm doch zusagen, dann folgt eine handfeste Überraschung.
Zweiter Teil:
Man erwartet nun Gegen-Briefe von Paula „Nesterl“ an Muschi. Tatsächlich agiert hier Paula, offenbar Jahre später, kaum erkennbar . Es wirkt wie eine separate Erzählung. Wir lesen eine Art Tagebuch oder, wie die Ich-Erzählerin sagt, Memoiren. Länger geht es um Brautwerbung durch den langweiligen Grafen T. und um den chaotischen, aber reizvollen Schwarzburg, den die angetane Ich-Erzählerin mit Don Quijote vergleicht.
Dieser Teil enthält auch eine bewegende, dramatische Aussprache zwischen Eltern und Kindern und ein Herzschlag-Finale.
Assoziation:
- ein begütertes Haus vor urlanger Zeit mit mehreren, mitunter neckischen Töchtern und wiederholter Familienrat – das ließ mich vag an Jane Austen denken
- der Familienkonflikt mit Gehorsam gegenüber unachtsamen Eltern und aufgezwungenem Langweiler-Gatterich erinnerte mich an klassische Bollywoodschmachtschinken wie Kabhi Khushi Khabi Gham
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