Rezension Multikultur-Afrika-Roman: Fong and the Indians, von Paul Theroux (1968) – 7 Sterne

Kramladeninhaber Fong und seine Frau stammen aus China und sind Christen; Fongs Vermieter und Lieferant Fakhru stammt aus Indien und ist Moslem; dann gibt es noch ein paar lautmaulige Amerikaner. Und sie alle agieren in Ostafrika, in der Fremde. Schwarzafrikaner spielen in diesem Roman dennoch nur eine geringe Rolle; sie kaufen schonmal eine einzelne Zigarette ohne Filter bei Fong oder wirtschaften das Land in den Abgrund.

Satirisch gutgelaunt spießt Paul Theroux ethnische Besonderheiten auf. Vor allem die ersten 40 Seiten laufen abwechslungsreich mit viel trockenem Humor durch. So anders als der spätere Theroux, ab seinem Eisenbahnreport The Great Railway Bazaar.

Fong and the Indians (1968) weckte bei mir Erinnerungen an viele andere Bücher, so etwa an:

  • die Afrika-Erzählungen von V.S. Naipaul, In einem freien Land und An der Biegung des großen Flusses, weil sie auch Nichtafrikaner zeigen, die im bedrohlich wirkenden Afrika leben; vor allem an die Biegung des Flusses, dort gibt es auch einen asiatischen Ladeninhaber
  • Graham Greenes Herz aller Dinge (engl. The Heart of the Matter), auch hier mühen sich Nichtafrikaner verschiedener Ethnien auf dem schwarzen Kontinent ab; ansatzweise auch an Unser Mann in Havanna
  • einen Roman von Joseph Conrad, dessen Titel mir entfallen ist, bei dem ein Chinese in Südostasien (also fern der Heimat) agiert
  • den Mystischen Masseur von V.S. Naipaul; in beiden Romanen verprügelt ein Asiate, der auf einem fremden Erdteil lebt, regelmäßig seine Frau, die diese Form der Aufmerksamkeit normal findet
  • die weiteren frühen Romane von V.S. Naipaul: ähnlich wie Theroux beschreiben sie Asiaten und andere Entwurzelte in der Fremde; die beiden später so bierernsten Autoren zeigen überraschende Ironie und Wärme, Naipaul mit mehr Substanz

Therouxs Vorbild für die Hauptfigur Fong war ein chinesischer Ladeninhaber in Kampala, Uganda, als er an der Makerere-Universität unterrichtete. Als Freund des gepflegten Hot Country Readings habe ich mich bei Fong und den Seinen gut amüsiert, zumal ich mehrere Länder und Kulturen aus dem Buch kenne. Fong… ist auch besser als Girls at Play (1969), ein anderer früher Kenia-Roman von Paul Theroux (beide stecken zusammen mit Jungle Lovers im Sammelband On the Edge of the Great Rift, 1996; im Vorwort zu diesem Band sagt Theroux auch, dass Fong‘ bereits sein drittes Buch war – aber das erste, das ihn zufriedenstellte).

Warum das Buch kein Erfolg wurde:

Warum erschien Fong and the Indians nie in den Bestsellerlisten, warum musste Theroux letztlich mit der Eisenbahn bis nach Tokio fahren, um seine Familie ernähren zu können (dank dem Buch The Great Railway Bazaar)?

Viel Tiefgang hat Fong and the Indians sicher nicht, und die Satire ist wohl eher etwas für Spezialisten – wer interessiert sich schon für kleinkrämernde Chinesen und Inder in Afrika, und dann noch mit halboffiziellen Amerikanern dazwischen, die wie immer bei Theroux keine gute Figur machen. Nach dem flotten Einstieg wirkt Fong and the Indians uneben, mit wechselnden Personen im Mittelpunkt, die zeitweise mehr denken als sprechen.

Etwa ab Seite 80 verliert Theroux die Handlung eine Zeit lang aus dem Blick, stellt mehrere neue Inder ausführlich vor, die gleich darauf des Landes verwiesen werden; diese Figuren sind eigentlich interessant, aber man würde gern wissen, ob sie wirklich existierten oder in ihrem kuriosen Indisch-Afrikanisch-Mix von Theroux ausgedacht wurden. Zudem gibt es keine Sympathieträger, die meisten Figuren versuchen zu betrügen, lassen sich dumm-naiv betrügen oder bleiben unverständlich.

„A pleasant enough book“, meint die New York Times (hier die Fong-Kritik der NYT). Kein Buch jedoch für jeden Geschmack, aber ein nettes zwischendurch für passionierte Multikultur- und Hot Country-Leser wie mich.


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