Tag Archive for Paul Theroux

Romankritik: The Lower River, von Paul Theroux 2012) – 6 Sterne

Hauptfigur Ellis Hock, US-Amerikaner, kehrt nach 40 Jahren als Herrenausstatter zurück in ein entlegenes, trostloses Malawi-Dorf, in dem er als Jugendlicher vier Jahre arbeitete. Scheidung und schlechtgehende Geschäfte brachten ihn dazu. Bei Einheimischen, die ihn vage kennen, lässt Hock sich nieder – Zukunft unklar. Paul Theroux schreibt sehr flüssig, leicht lesbar in leichtem Englisch. Nur…

Rezension Meta-Naipaul-Buch: Sir Vidia’s Shadow: A Friendship Across Five Continents, von Paul Theroux (1998) – 7 Sterne

Der weltbekannte Weltautor Paul Theroux schreibt über seine jahrzehntelange Bekanntschaft mit dem noch weltbekannteren, neun Jahre älteren Weltautor V.S. Naipaul. Theroux nennt es sogar ständig „Freundschaft“. Missgünstige Schreibe: Theroux schildert Naipaul keinesfalls freundlich, man könnte auch sagen missgünstig. Vielleicht war das zu erwarten: Bei allen Ähnlichkeiten im Werk der beiden Meisterschreiber war Naipaul erfolgreicher, anerkannter,…

Rezension: Hotel Honolulu, von Paul Theroux (Roman 2001) – 6 Sterne – Presse-Links

Fazit: Theroux liefert Witz und starke Dialoge, er füttert die Geschichten mit Bildung, Ketten verblüffender Details, ausdrucksvollen Namen und überraschenden Begriffen, erzählt leicht lesbar. Doch eine übergreifende Handlung fehlt, einige Episoden fügen sich kaum ins Ganze; und aufdringliche viele, oft ranzige Bett- und Rotlichtgeschichten und ein paar Morde begrenzen das Vergnügen. Episoden-Reigen: Der Ich-Erzähler ist…

Kritik US-Reisebuch: Deep South, von Paul Theroux (2015) – 7 Sterne – mit Presse-Links

Paul Theroux reist 2012 und 2013 mehrfach länger durch die US-Südstaaten, so dass er in Deep South auf 440 Seiten über alle vier Jahreszeiten berichten kann. Theroux schreibt äußerst flüssig und lesbar (ich hatte die englische Ausgabe). Er besucht fast nur Kleinstädte und fast ausschließlich kleine Leute und Mittelschichtangehörige – häufig Pastoren und Mitarbeiter von…

Filme und Bücher über Weiße in Indien (Auswahl) – mit 5 Videos

In diesen Filmen und Büchern (Auswahl) agieren Europäer oder Amerikaner in Indien – von den Anfängen der Kolonialzeit bis heute: Filme: 2015, Filmkomödie engl. Rentner in Indien: Best Exotic Marigold Hotel 2 2014, Filmkomödie Bayern in Indien: Beste Chance (Regie Markus H. Rosenmüller) 2014, Doku Bayerin liebt Inder: Amma und Appa 2011, Filmkomödie engl. Rentner…

Buchkritik: The Elephanta Suite, von Paul Theroux (2007) – 7 Sterne

In drei längeren Erzählungen à 80 bis 100 Seiten beschreibt Paul Theroux Amerikaner, die teils beunruhigende Begegnungen mit der indischen Realität haben – jenseits üblicher Reiseerlebnisse in Indien. Dabei geht es um sexuelle Abenteuer, Käuflichkeit und finanzielle Macht, Schuldgefühle und Angst vor der Fremde und um Spirituelles: Ein reiches älteres Unternehmer-Ehepaar bandelt mit armen Hotelangestellten…

Rezension Geschichten-Sammlung: India in Mind, Hg. Pankaj Mishra (2005) – 7 Sterne

Auf 330 Seiten erscheinen 25 kurze Textauszüge von Europäern oder Amerikanern, die etwa zwischen 1895 und 1997 über Indien schrieben. Die acht bis gut 20 Seiten langen Exzerpte umfassen Fiktion und Sachbuch, Roman, Kurzgeschichte, Lebens- und Reisebericht. Bekannte Namen: Die Anthologie gibt die bekanntesten Indien-Autoren wider, so Rudyard Kipling, E.M. Forster, Hermann Hesse und V.S.…

Rezension Reise-Geschichten: Mein anderes Leben, von Paul Theroux (1996, engl. My Other Life) – 8 Sterne

Der Mann kann schreiben. Handlungen und Dialoge sind wohlkonstruiert, gefällig und intelligent. Kubikmeterweise Fakten und Kunde verstaut Theroux auf leicht genießbare Weise. Er beobachtet sich und seine Mitmenschen brennend genau. Episoden: Wissen sollte man: Zu lesen gibt es hier längere Kurzgeschichten, die nur sehr lose miteinander verbunden sind. Man kann sie als einzelne Episoden eines…

Rezension Hongkong-Roman: Kowloon Tong, von Paul Theroux (1997) – 8 Sterne

Der Roman von 1997 ist spannend geschrieben, gegen Ende zieht sich die Handlung unheilvoll zu. Exzellent wie oft bei Paul Theroux auch die Dialoge, das schnodderige Englisch der Briten in Hongkong („he hopped it“ über einen davongelaufenen Diener; „Chinese Take-away“ über den Wechsel zu chinesischer Herrschaft). Die Dialoge machen die Figuren ungemein lebendig, dazu kommen…

Rezension Geistreicher London-Roman: The London Embassy, von Paul Theroux (1983) – 8 Sterne

Der Ich-Erzähler arbeitet Anfang der Achtziger in der US-Botschaft in London. Das Buch besteht aus 18 sehr lose bis gar nicht verwobenen Episoden. Die meisten Geschichten haben nicht viel mit der Botschaft zu tun: Der Ich-Erzähler lernt zum Beispiel jemanden bei einem Empfang kennen, fühlt sich zu einem Besuch vor Ort bemüßigt, der Rest spielt…

Rezension Kurzgeschichten aus Malaysia: The Consul’s File, von Paul Theroux (1977) – 8 Sterne

Die U4 meiner Penguin-Ausgabe zitiert Rezensionen, und der Guardian fasst den Eindruck passend zusammen: „Cool and witty… polished and professional“ Der Ich-Erzähler ist amerikanischer Konsul in einem heißen, südmalaysischen Provinzkaff. Die 20 Episoden von 1977 sind lose verwoben, man kann sie aber auch unabhängig voneinander lesen. Manche Geschichten beziehen die Einheimischen mit ein, also ethnische…

Rezension Erzählungen: Mein geheimes Leben, von Paul Theroux (1989, engl. My Secret History) – 8 Sterne

Vieles erinnert an Paul Theroux‘ späteres Buch Mein anderes Leben (1996, engl. My Other Life): die Stationen Afrika, USA, London mit Schriftstellerbesuch, die haargenaue Beobachtung, die unaufdringliche Belesenheit, der ruhige, aber nie langweilige Ton, die dichte Atmosphäre, die perfekte Konstruktion. Man könnte meinen, Theroux habe erst einen langen Text geschrieben und diesen dann in zwei…

Singapur-Roman: Saint Jack, von Paul Theroux (1973) – 7 Sterne

Paul Theroux hat es wieder raus: Die schwüle Atmosphäre, die finsteren Gassen voller Ratten und Gangster, die Malaiien, Chinesen, Inder, Engländer im Singapur der 70er – er zeichnet dieses Bild lebhaft plastisch, mit staubtrocken-coolen Dialogen. Mittelalte Männer der unteren Mittelschicht bringen die Zeit in einem mittelprächtigen Club herum. Sie sind die Macher und Macker hier:…

Rezension Singapur-Spielfilm: Saint Jack (1979, mit Ben Gazzara) – mit Szenen – 7 Sterne

Der Film von 1979 wirkt fast wie eine schnell gedrehte Doku aus dem Singapur der 70er Jahre, mit Bildern von Märkten, Clubs und nächtlichen Gassen. Die Handlung verblasst gegen das allgemeine Ambiente und gegen die vielen Nahaufnahmen des gutaussehenden Ben Gazzara. Es gibt einige schöne Kamerafahrten und gut choreografierte Bewegungsabläufe. Gegenüber der gleichnamigen Buchvorlage von…

Eisenbahn-Weltreise: Ghost Train to the Eastern Star, von Paul Theroux (2008) – 6 Sterne

Eine Zugreise 2006 von London nach Tokio und zurück – mit einigen längeren Flug-Abschnitten dazwischen. 1973 war Paul Theroux eine ähnliche Strecke gereist und sein Buch darüber, Basar auf Schienen, engl. The Great Railway Bazaar von 1975, wurde ein großer Erfolg. Lange Strecke: Dem Basar auf Schienen schickte Theroux weitere Eisenbahnbücher hinterher, unter anderem über…

Rezension Eisenbahn-Weltreise: Basar auf Schienen: Eine Reise um die halbe Welt, von Paul Theroux (1975, engl. The Great Railway Bazaar) – 6 Sterne

Paul Theroux reist per Zug von England nach Japan und zurück. Und noch vor Seite 30, noch vor Istanbul, haben wir schon zwei Männer beim Urinieren erlebt, einen aus nächster Nähe im Schlafwagen. Auch sonst trifft Paul Theroux auf seiner Zugreise London-Tokio-London viele Banausen: Jugoslawen sind „Jugs“ (engl. für Krüge), die an Bahngleisen hocken; Türken…

Afrika-Reisebuch: Dark Star Safari, von Paul Theroux (2002) – 6 Sterne

Das hat mir gefallen: Auf den ersten Seiten eine Afrika-Zusammenfassung, die sehr dicht wirkt und genau meine Erfahrungen widerspiegelt (obwohl meine Afrika-Reisen nicht in die Länder aus Dark Star Safari führten) schöne Begegnungen u.a. in wenig bekannten Gegenden des Sudan und Äthiopiens Treffen mit Nahgib Mahfous (sehr orientalisch) und Nadime Gordimer an den Anfangs- und…

Afrika-Schul-Roman: Girls at Play, von Paul Theroux (1971) – 6 Sterne

Drei Engländerinnen, eine US-Amerikanerin und eine Inderin sind offenbar die einzigen Lehrer einer kenianischen Dorfschule in den 60ern, kurz nach der Unabhängigkeit. Zwei von ihnen schikanieren sich laufend gegenseitig – mit gehässigen Worten, Käfern in der Suppe oder grün übermalten Fenstern. Das plänkelt ganz amüsant dahin, doch erst nach 15 von 22 Kapiteln kommt etwas…

3 Afrika-Romane in: On the Edge of the Great Rift, von Paul Theroux

Der 1996 erschienene Sammelband On the Edge of the Great Rift enthält drei frühe Afrika-Romane von Paul Theroux, die ich ausführlich jeweils einzeln bespreche: Fong and the Indians, 1968 Girls at Play, 1971 Dschungelliebe, 1971 Hier eine Übersicht über den Sammelband: Die drei Romane des Sammelbands wirken – für den späteren, viel erfolgreicheren Theroux sehr…

Afrika-Satire: Dschungelliebe (engl. Jungle Lovers), von Paul Theroux (1971) – 5 Sterne

Semi-Satire über Revoluzzer und Versicherungsverkäufer in einem verkommenen AfrikaEin amerikanischer, weißer Versicherungsvertreter trampelt durch Malawi in den 60ern; statt Policen zu verkaufen, verrennt er sich zwischen Bretterhütten und Puffschänken. Alternierend erleben wir den ebenfalls weißen Revolutionstruppkommandeur Marais und seine schwarze Schlägertruppe im Dschungelcamp; anders als die Werbung suggeriert, bekommen Versicherungsmann und Revoluzzer wenig miteinander zu…