Gelegentlich wird es zu schwülstig, vor allem in den kurzen Kapiteln, die „(Moira)“ überschrieben sind, aber auch im Inneren Monolog der Arztgattin Henriette, wo auf der Doppelseite 20/21 erst von Harpyien und dann von Kronos die Rede ist– freilich geht es um Bildungsbürger, die später auch „Rideau!“ rufen (wohlgemerkt deutsche Bildungsbürger). Die Figuren oder die Autorin ziehen schon mal Parallelen zu mongolischer oder japanischer Kunst. Dann wieder bringt Sylvie Schenk versaute Sätze à la Jungstoilette.
Mehrfach macht Sylvie Schenk verboten dräuende Andeutungen gen Zukunft, so über einen mysteriös bedrängenden Herrn Fischer.
Frauen, die zu sehr lieben:
Frauen sind hier die hilflos Liebenden, die ältliche Henrietta ebenso wie die jüngere Klara, beide schmachten sie zunächst ihre Arztgöttergatteriche an – “ich liebe ihn noch, Gert, meinen Gert“. Bei Klara kippt das von Schmachten zu Giften.
Sogar die selbstbewusste Moira schmachtet im letzten Buchviertel völlig unrealistisch, ein Fantasieprodukt. Die zwei Ärzte haben viel mehr Eigenleben – entweder mit sich allein, mit Partnerinnen oder mit Affären.
Eigentlich schildert Sylvie Schenk ein interessantes Milieu, jüngere und ältere Arztehepaare; davon würde man gern Genaues hören, schließlich ist man in dieser Sphäre nie dabei; doch obwohl Schenk mit Details nicht geizt, klingt das Ambiente immer wolkenkuckucksheimig, nie realistisch recherchiert wie etwa bei Stephan Thome oder in Schenks eigenem “Aufbruch des Erik Jansen“.
Natürlich haben die esoterischen “(Moira)“-Einschübe und die Anspielungen auf antike Figuren ihren Anteil an der Blutarmut des Romans, und vielleicht hat sich Schenk ja tatsächlich ungut an Goethes auch nicht lebensprallen „Wahlverwandschaften“ orientiert. Die Feier am Ende des Buchs soll wohl ein furioses Finale bilden, wirkt indes wie absurd absurdes Theater.
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