April 2026

Romankritik: Lichtspiel, von Daniel Kehlmann (2023) – 7/10

Daniel Kehlmann überwältigt mit seiner Brachialschreibe ab Seite 1:  kurze Sätze, atemloses historisches Präsens (nicht immer), eine Anekdote zweimal angerissen und nicht  beendet, jedes kurze Kapitel eine neue Situation aus neuer Perspektive. Filmi filmi schreibt (überwiegend) der Auch-Drehbuchautor Daniel Kehlmann, Sohn einer Schauspielerin und eines Regisseurs. Dialoge kann er  wie vielleicht kein zweiter deutscher Zeitgenosse,  […]

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Rezension Erzählungen: Immergleiche Wege, von Richard Russo (2017, engl. Trajectory) – 7/10

Richard Russo (*1949) schreibt präzis psychologisch, mit spannungsreichen und teils gepfefferten Dialogen; doch er bringt in den vier Erzählungen zu  zu viele Krankheiten und er wiederholt zu viele Motive. Vier  Erzählungen, alle krank: Die erste Geschichte hat Autismus und Erblindung; die zweite hat Antidepressiva, Asperger-Autismus und psychosomatischen Stimmverlust; die dritte hat 2  Krebserkrankungen; #4 hat

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Kritik Erzählung: Zwei Comtessen, von Marie von Ebner-Eschenbach (1885) – 7/10

Die Erzählung hat witzige Dialoge und Briefzeilen sowie heitere und bewegende Szenen rund um die Brautfindung in höheren Kreisen. Die kecken jungen Damen sträuben sich gegen allzu langweilige Galane. Allerdings zerfällt der Text unglücklich in mehrere Teile, die man auch separat veröffentlichen könnte – selbst wenn es um zwei Schwestern geht, was kaum zu merken

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Buchkritik: Ein Afrikaner in Grönland, von Tété-Michel Kpomassie (1977) – 7/10

Interessante interkulturelle Begegnungen liefert Tété-Michel Kpomassie nicht. Er wird meist freundlich bis überschwänglich aufgenommen – das ist alles. Der Autor beobachtet den grönländischen Alltag indes genau, schildert präzis und ohne Wertung oder Interpretation Fischfang, Robbenjagd, Hund-/Seehundfiletierung, Hundeschlittenfahrt und Dorfleben. Besonders faszinieren Kpomassie offenbar Alkoholkosum, Körperhygiene, Sex- und Toilettensitten. Die Portraits sind sehr oberflächlich, Menschen lernt

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Romankritik: Abschied, von Sebastian Haffner (1932)– 7/10

Einzelne Sätze verstand ich nicht, zum Beispiel Französisches wie Il faut la secouer parfois ((…)) comme sa maîtresse.    (Ich-Erzähler Raimund sagt, er verstehe selber nicht viel Französisch.) Auch Deutsches kapierte ich nicht immer: ((Fräulein Gault gehörte)) zu dem Typ, der, wenn er älter wird, die Marianne‑Karikaturen abgibt.“ Das Wort “abgeben” ist hier mehrdeutig, und die

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Romankritik: The Rom-Commers, von Katherine Center (2024) – 4/10

Ja, ich habe ein paar Mal gelacht, und ich habe das Buch zügig zu Ende gelesen (das geht ganz schnell). Aber es ist eine hysterische RomKom mit unrealistischen Annahmen und absurden Pannen, mit forciertem Slapstick, forciertem Schmalz, regelmäßigen Katastrophen und aufdringlichen Trauer- und Verzögerungsmomenten. Zeitweise schwafelt die Ich-Erzählerin selbstgefällig zu viel Banales, statt zur Sache

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Romankritik: Die Midaq-Gasse, von Nagib Machfus (1947) – 7/10

In vielen kurzen Kapiteln schwenkt Nagib Machfus zwischen den etwa vier Hauptpersonen hin und her; zunächst brauchte ich ein Personenregister. Die Geschichte spielt zu großen Teilen tatsächlich in der Midaq-Gasse, doch die besonders unmoralischen und teils ungesetzlichen Handlungen geschehen außerhalb, auf dem Friedhof und in einer Hochhauswohnung. Die Übersetzung von Doris Kilias befremdete mich mitunter:

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Rezension Biografie: Richard Avedon, What Becomes a Legend Most, von Philip Gefter (2020) – 7/10

Den Menschen Richard Avedon lernt man nur teils kennen, dachte ich in der ersten Buchhälfte: Dort beschreibt Gefter einen endlosen Promi-Reigen – Fotomodelle, Filmstars, Politiker (noch keine Supermodels) – und wie Avedon sie im Studio und on location handhabte, wie man dinierte und zelebrierte. Zu den bekanntesten Künstlern, mit denen Avedon auch arbeitete, zählen Diane

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Besprechung: Richard Avedon, Evidence 1944 – 1994 (dt. Ausgabe)

Der großformatige Band hat drei Teile: Zunächst liefert Jane Livingston einen biografischen Abriss Richard Avedons mit vielen großformatigen Schwarz-Weiß-Bildern. Der zweite Abschnitt fast ohne Bilder bringt einen Text von Adam Gopnik. Teil 3 zeigt zur Hälfte eine Zeitleiste mit klein reproduzierten Avedons und andererseits Titelbilder, Arbeits- und Familienszenen – insgesamt vielleicht der umfassendste, wenn auch

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Lese-Eindruck: Die kleine Schwester, von Raymond Chandler (1949, engl. The Little Sister)

Gleich auf den ersten Seiten gibt es ultracoole Dialoge und Spannung. Dann fertigt der aufdringlich lässige Ich-Erzähler Philip Marlowe 2 verschiedene Pistoleros ab, verlässt das gefährliche Anwesen unangekratzt und knutscht praktisch ohne Widerstand die zuvor kratzbürstige Klientin und alsbald weitere Frauen, die zuvor aggressiv oder ängstlich und dann plötzlich lüstern waren. Wohl deshalb sekretiert Marlowe

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