September 2017

Thailand

Rezension: Mai Pen Rai Means Never Mind, von Carol Hollinger (Thailand-Bericht 1965) – 7 Sterne

Carol Hollinger bewohnt Ende der 1950er Jahre mit Mann und Tochter ein Haus in Bangkok. Ich habe selten so gelacht wie in den ersten Kapiteln dieses Buchs. Laut Werbung ist es „an American housewife’s honest love affair with the irrepressable people of Thailand“ – aber das klingt irreführend: Hollinger werden die Damenkränzchen der Ausländerinnen schnell…

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Thailand

Buchkritik: Bangkok People, von James Eckardt (1999) – 5 Sterne

In knapp drei Dutzend Geschichten portraitiert James Eckardt Bangkok-Bewohner, die er bis 1997 für Bangkoks Manager Magazine traf. Im Nachwort schreibt er einige Geschichten noch bis 1999 fort. Die Texte sind jeweils nur drei bis zehn luftig bedruckte Seiten lang. Eckardt ist mit einer Thailänderin verheiratet und spricht gut Thai. Er formuliert flüssig, sehr gut…

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Rezension Magellan-Biografie: Over the Edge of the World, von Laurence Bergreen (2003) – 7 Sterne – mit Presse-Links & Video

Bergreen erzählt ruhig mit vielen Hintergründen. Zwar war die Reise laut Buchumschlag „terrifying“ und voller „sex“ und „violence“; gleichwohl schlägt der langjährige Erfolgsbiograf und Harvard-Absolvent Laurence Berggren im Buch keinen reißerischen Ton an und personalisiert auch nicht mehr als realistisch. So berichtet er auf den frühen Seiten sehr allgemein, fast dröge und praktisch ohne einzelne…

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Rezension Biografie: Magellan, von Tim Joyner (1992) – 4 Sterne – mit Vergleich

Der Biologe Tim Joyner hat zunächst sein Material nicht im Griff: Eifrig will er über alle Hintergründe und Umstände aufklären – und verwirrt den Leser doch bloß mit fast unkontrollierter Faktenflut und teils ausschließlich historischen Ortsnamen. Joyner beginnt mit der Geschichte der Seefahrt seit 4000 vor Christus und präsentiert allerlei adliges und kirchliches Personal ein…

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Rezension Biografie: Magellan, Der Mann und seine Tat, von Stefan Zweig (1937) – 6 Sterne – mit Vergleich

Stefan Zweig schreibt wortreich, blumig, altbacken, oft auch pathetisch tremolierend bis heillos over the top – mit reichlich Postponieren, rhetorischen Fragen, Adjektivkaskaden, erregten Parenthesen, Perfektpartizipien ohne Hilfsverb und muffigem Dativ-e („auf zermorschtem Schiffe“, S. 10). Zwar klingt die Sprache nie langweilig, nie schwach, der Wortschatz ist reich zumal bei Nautischem, die Geschichte bleibt meist spannend;…

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Lese-Eindruck zu: Caesar, von Christian Meier (Biografie 1982)

Die Darstellung wirkt teilweise zu langatmig spekulativ – über viele Absätze psychologisierend und mögliche Beweggründe erläuternd; häufig erscheint der Name Julius Caesar viele Seiten lang gar nicht. Die Kaskaden von Ämterbezeichnungen und römischen Namen setzen Vorkenntnisse voraus. Andererseits schöne Details über Caesars Truppenführung, seinen gerühmten Schreibstil, Gladiatoren und den Mietwohnungsmarkt im antiken Rom. Viele Schwarzweißabbildungen…

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Rezension: Caesar, von Martin Jehne (Kurzbiografie 1997) – 6 Sterne

Jehne steigt gleich mit einer dramatischen Situation ein (so wie auch Caesar-Biograf Christian Meier) und schreibt ein überraschend markantes, mitunter saloppes und zupackendes Deutsch – nie spröde wissenschaftlich, fast ganz ohne Passiv. Über Pompeius (S. 38*): „die personifizierte Extrawurst der römischen Republik“. Über Caesar in Ägypten (jew. S. 93): „die Laus im Pelz… ein Elefant…

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Romankritik: Cecile, von Theodor Fontane (1886) – 5 Sterne – mit Fontane-Übersicht

Fontane hat viele interessante Frauenfiguren geschaffen (der New Yorker nannte ihn „Heroine Addict“) – so Effi Briest; die Lene aus Irrungen, Wirrungen; oder Melanie aus L’Adultera. Cécile aber ist anders: Jung, und verheiratet mit einem weit älteren, höflichen Oberst – so weit, so fontanesk –, leidet sie maßvoll in einer Kurpension im Harz vor sich hin….

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Romankritik: Die Poggenpuhls, von Theodor Fontane (1895) – 6 Sterne – mit Übersicht

Dieser besonders kurze Gesellschaftsroman hat besonders wenig dramatische Entwicklung – kein Selbstmord, kein Ehebruch, keine aufblühende Liebe, keine vergebliche Liebe, nicht mal eine Hochzeit. Ein älterer Herr stirbt irgendwann, mehr passiert nicht. Die verarmte Majorswitwe Poggenpuhl mit fünf erwachsenen Kindern kämpft beständig gegen die Geldnot und ihren sinkenden sozialen Status. Ihre Kinder äußern in den…

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Romankritik: Effie Briest, von Theodor Fontane (1894) – 8 Sterne

Fontane erzählt gemütlich und beständig, mit bis zur Buchmitte leicht schmunzelnder Stimme, so gutbürgerlich-gediegen wie seine Figuren. Die mild behäbige, aber doch lebendige Sprache schafft ein angenehmes Klima. Theodor Fontane (1819 – 1898) integriert reizvolle Dialoge, berichtet meist chronologisch ohne Zeitschleifen, diskret und ohne Verallgemeinerungen – schlichte Erfolgsrezepte, die heutige deutsche Autoren ignorieren oder nicht…

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Romankritik: Frau Jenny Treibel, von Theodor Fontane (1893) – 7 Sterne – mit Presse-Links & Übersicht

Die blasierte Kommerzienrätin Treibel, geb. Bürstenbinder, war einst eine Berliner Krämerstochter; doch sie heiratete in feine Fabrikantenkreise hinauf. Nun stellt die Neureiche ihren Sozialstolz durch viel Getue und Gerede heraus – Fontane zeigt sie und ihre Kreise deutlich spöttischer und satirischer als andere Figuren in seinen Gesellschaftsromanen. Dicke Satire: Die Satire trägt Theodor Fontane fast…

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Romankritik: Unwiederbringlich, von Theodor Fontane (1891) – 6 Sterne – mit Presse-Links & Übersicht

Völlig überraschend kommt im letzten Fünftel echtes Drama in den lange dahinplätschernden Roman. Fontane schreibt die Ehebruchiade mit sicherer Stimme, chronologisch, in nuancierten Dialogen – das liest man gern. Den Unterschied zwischen dem lockeren Ehemann und seiner gestrengen Gattin formuliert Fontane jedoch überdeutlich, in ihren eigenen Dialogen als auch in den Kommentaren der Umgebung. Der…

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Romankritik: Stine, von Theodor Fontane (1889) – 6 Sterne – mit Fontane-Übersicht & Links

Nach Fontane-Art herrscht heiteres Geplauder unter Adelsleuten und Kleinbürgern in Berlin. Hier wirkt die Sache etwas schäbig, weil die verwitwete, aber mit zwei Kindern von zwei Männern geschlagene Pauline Stippkowitz sich allzu dezidiert einem schmierigen älteren Single-Baron zur Verfügung stellt, den sie gar nicht mag. Manche Dialoge wirken sogar überdehnt, als ob Fontane den kurzen…

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Romankritik: Irrungen, Wirrungen, von Theodor Fontane (1887) – 7 Sterne

Fontane erzählt mit sicherer, gemütlicher Stimme von der Romanze zwischen der lieben Kleinbürgerin Lene und dem schneidigen, aber auch menschlichen Baron Botho – doch Lene weiß schon, dass Botho sie aus Standesgründen nicht an den Altar führen wird, und spricht das auch ganz offen an. Fontane stellt Kleinbürgermilieu wie auch militär-affine Adelskreise lebhaft, atmosphärisch und…

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Romankritik: Unterm Birnbaum, von Theodor Fontane (1885) – 7 Sterne – mit Fontane-Übersicht

Um 1832 in einem Dorf am Oderbruch: Die Eheleute Hradschek betreiben einen Kramladen nebst Gasthaus. Sie stecken in Geldschwierigkeiten – ein Mord soll die Probleme beiseiteschaffen. Erst nach der Bluttat beginnt der kleine Roman so richtig. Den Täter kennen wir. Die Frage bleibt, ob oder wie lange er seine Schuld vor dem Dorf verbirgt und…

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Theodor Fontane bei HansBlog.de

Handlung Milieus Good­reads.com** Amazon.de Hans­Blog.de 1880* L’Adultera Ehe unterschiedlicher Charaktere und Generationen ohne Liebe, Ehebruch Geschäftsleute in Berlin; etwas Berliner und Schweizer Mundart; eher kurz 3,18 (106 Stimmen) 3,6 (8) 7 1885 Unterm Birnbaum Leben eines Wirtsleute-Ehepaars, nachdem es einen Mord begangen hat; kein Liebesdrama Dorf im Oderbruch um 1831; viel Mundart; eher kurz 3,13…

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Romankritik: L’Adultera, von Theodor Fontane (1880) – 7 Sterne

Melanie van der Straaten, née de Caparoux, ist 26 Jahre jünger als ihr Ehemann Ezechiel, ein erfolgreicher Berliner Unternehmer. Der plaudert spöttisch bis zynisch daher und missachtet die Konventionen der gehobenen Schichten mitunter nonchalant. Dabei strahlt er auch noch eine gewisse Kälte aus. Und so interessiert sich Melanie mehr und mehr für einen jungen, gefühlvollen…

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Romankritik: Leichte Verfehlungen, von Elke Schmitter (2002) – 6 Sterne

Berliner Akademikerinnen um die 40 in allen Lebenslagen: In Diskussionsgruppen zu Derrida oder Schnitzler; im Diskurs mit Zugehfrauen, Kleinkindern und One-Night-Stands; beim Gynäkologen, beim Theaterworkshop und bei bizarren Schwiegereltern in spe. Nonstop fließen Weißwein, qualmen Zigaretten, und die Kellner sind eine Zumutung. Schmitter – zu unterschiedlichen Zeiten auch Redakteurin bei taz und Spiegel – spießt…

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Rezension TV-Spielfilm: Probieren Sie’s mit einem Jüngeren (2000, mit Senta Berger) – 6 Sterne – mit Presse-Links

Reiche Lifestyle-Autorin Ende 40 (Senta Berger) heuert verarmten, aber knackigen Jungmann an, damit der vor der Öffentlichkeit ihren Liebhaber darstellt; denn das bringt Schlagzeilen und hoffentlich Auflage. Ein paar witzige Dialoge und drastische Sprüche zu Rollenklischees. Vor allem aber irrsinnige Verwicklungen (jeder mit jeder). Teils amüsant schnell, aber auch unrealistisch auf Effekt und schnelle Wendungen…

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Rezension TV-Spielfilm: Altersglühen – Speed Dating für Senioren (2014, mit Mario Adorf, Senta Berger) – 7 Sterne – mit Presse-Links

Vergnüglicher, improvisiert gedrehter Quasselmarathon um gediegene Datingveranstaltung für ältere Mitbürger; ließ mich ein paarmal laut auflachen. Viele markante Gesichter in immer neuen Großaufnahmen, besonders in Erinnerung bleiben Senta Berger, Mario Adorf, Matthias Habich und Hildegard Schmahl. Verblüffend: Der Milchbubi-Moderator im Film ist Regisseur und Autor Jan Georg Schütte. Es gibt Altersglühen als TV-Spielfilm und in…

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Romankritik: Achtung, Mama ante portas, von William Sutcliffe (2008, engl. Whatever Makes You Happy) – 4 Sterne – mit Video & Presse-Links

England. Drei Mütter um die 60 besuchen unangemeldet ihre drei jeweils unverheiratet lebenden Söhne und quartieren sich für eine Woche ein. Sie wollen die rätselhaften Wesen, die sie einst großzogen, jetzt alle Mitte 30, endlich kennenlernen: I just want to find out who you are. Reden Mütter so? Die Geschichte hat ein paar witzige, aber…

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Rezension Kurzgeschichten: Wenn es klopft, von Christopher Kloeble (2009) – 3 Sterne – mit Presse-Links

Hier schreibt ein Deutscher über Deutsche: Humor, Leichtigkeit, Charme gibt es nicht. Alles ist betroffen, verletzt, klobig, freudlos, mechanisch, mild (w)irr, ein Buch aus der Leipziger Schreibfabrik. Eine Welt, die man gern wieder verlässt (Spurenelemente von Humor könnte man in zwei der elf Geschichten entdecken). Christopher Kloeble (*1982) schreibt einerseits über ihm vertraute Milieus –…

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Romankritik: Unter Einzelgängern, von Christopher Kloeble (2008) – 4 Sterne – mit Presse-Links

Die Handlung ist nicht ohne Finesse und phasenweise spannend mit zwei kleinen, gutbürgerlichen Familien und einer Geschichte in der Geschichte. Sie kreist aus unterschiedlichen Perspektiven und Zeitebenen immer wieder um dieselben traumatischen Ereignisse. Ich habe nicht alles komplett verstanden, und meines Erachtens gleitet das Buch gegen Ende in ein irrelevantes Fabulierspiel ab (aber ich kann…

Romankritik: Unter Einzelgängern, von Christopher Kloeble (2008) – 4 Sterne – mit Presse-Links Weiterlesen »

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