Mai 2020

Romankritik: Heile Welt, von Walter Kempowski (1998) – 7 Sterne

Walter Kempowski (1929 – 2007) liefert reizvolle, detailreiche Einblicke ins norddeutsche Dorfleben Anfang der 1960er Jahre – teils autobiografisch (auch wenn auf der Impressumseite „Alles frei erfunden!“ steht). Die Hauptfigur trifft als Junglehrer ein und lernt alle Bauern, ihre Beziehungen und Tics kennen, natürlich auch Bürgermeister, Krämer, Pfarrer und viele Kollegen und Oberlehrer. Schatten der…

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Romankritik: Uns geht’s ja noch gold, von Walter Kempowski (1972) – 7 Sterne

Walter Kempowski (1929 – 2007) erzählt tagebuchartig von seiner Zeit als Jugendlicher ab Kriegsende 1945 in Rostock. Die Russen übernehmen die Stadt, Kempowski bekommt einen Job bei der Verwaltung, plündert und wird geplündert, muss sich mit russischen und US-Besatzern arrangieren, auf dem Schwarzmarkt jonglieren, übersteht eiskalte Winter ohne Heiz- oder Beißmaterial. Er haust mit Mutter…

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Romankritik: Tadellöser & Wolff, von Walter Kempowski (1971) – 8 Sterne – mit Video

Walter Kempowski schreibt ein sehr sinnliches, eigenwilliges und altmodisches Deutsch, das jedoch stets kraftvoll und in der direkten Rede teils verspielt und/oder falsch tönt: „Entpörend… konfortabel… Immerhinque… vom Stamme Nimm… allerhandlei… Verstahne vous?… zu und zu schön“ Manche Sprüche erklingen wieder und wieder, wie altvertraute Möbelstücke. All die sprachliche Finesse bringt meine btb-Ausgabe 3. Auflage…

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Romankritik: Katz und Maus, von Günter Grass (1961) – 7/10

Günter Grass schreibt teils enorm lange, unübersichtliche Sätze. Auf die Hauptfigur Mahlke bezieht er sich mal in der dritten, mal in der zweiten Person. Gelegentlich fand ich die Grammatik anfechtbar, auch einzelne Textstellen (so grübelt der Ich-Erzähler, ob Mahlke in der Oster- oder Westerzeile wohnte, doch der Ich-Erzähler wohnte selbst in der Westerzeile, besuchte das…

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Sachbuchkritik: Lektürehilfe Katz und Maus, von Wolfgang Pasche (Klett LernTraining, 2001)

Das schmalen Bändchen zielt auf Schüler und liefert Nacherzählung und Interpretation der Günter Grass-Novelle Katz und Maus – mit langen  Seiten zu Inhalt, zu Figuren, zu Orten und zu Motiven. Scheinbar stammen alle Texte vom selben Autor, es gibt kein Konzert der Meinungen. Dazu liefert das Buch ein paar Notizen zu Parallelen zwischen Katz und…

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Romankritik: Kings of Cool, von Don Winslow (2012, Teil 1 der Reihe) – 6 Sterne

Don Winslow schreibt einen ultra-coolen Mackerton, in dem Zeilen und sogar Kapitel oft nach zwei, drei Wörtern enden. Er erzählt von Drogenhändlern, Fahndern und Hippies in Südkalifornien, mit vielen kurzen, vulgären  Gewaltausbrüchen (oft Kopfschüsse) und interessanten Einblicken in den regionalen Wohnungs-, Dating- und BTM-Markt. Winslow springt zwischen verschiedenen Personengruppen und Zeitebenen, nicht immer hatte ich…

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Romankritik: Zeit des Zorns, von Don Winslow (2010, engl. Savages, Teil 2 der Reihe) – 5 Sterne – mit Video

Don Winslow erzählt ein dünnes Geschichtchen, mächtig aufgeblasen, kraftmeiernd krass. Der Stil ist betont ultracool, mit krass kurzen Kapiteln und Sätzen und krassen Sätzen über Drogen, Morde und Pornografie, die wir logo krass trocken wegstecken. Und auf den ersten 100 von 300 Seiten kommt kaum etwas in Gang: es gibt lauter Rückblenden auf die Vorgeschichte…

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Kritik TV-Spielfilm: Verratenes Glück (2018) – 7 Sterne – mit Video

Ein ruhiger, stimmungsvoller TV-Spielfilm um ein arriviertes Ehepaar mit einem Ehemann auf Abwegen (Xavier Lemaître, Isabelle Carré; Regie Philippe Harel). Besonders gefällt mir Roxane Arnal als junge, unsichere Ehebrecherin, die ganz bei sich ist; sie erhielt einen Nachwuchspreis, ist aber zur Filmmitte bereits im Off. Das Ganze ist betont geschmackvoll ausgestattet und abgelichtet. Der Film…

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Filmkritik: Wolf of Wall Street (2013, Scorsese, diCaprio) – 7 Sterne – mit Video

Was für eine Orgie aus heißen Weibern/Öfen/Rhythmen/Deals. Dazu Drogen ohne Ende, Gier und grelle Bilder, Niedertracht und Vulgarität. Ein Fest. Über drei Stunden kommt Martin Scorseses pubertär schriller Film über pubertär schrille Geldjongleure kaum zur Ruhe. Gelegentlich überraschen dann wieder übertrieben lange Gespräche und andere Szenen. Die Darsteller sind bis in kleinste Nebenrollen exzellent besetzt…

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Filmkritik: Taxi (2015) – 6 Sterne – mit Video

Rosalie Thomass spielt eine bestechend gutaussehende junge blonde Taxifahrerin, die gelegentlich mit Männern ins Bett geht, aber Beziehungen eigentlich ablehnt – obwohl sie zeitweise eine Beziehung hat und zugleich einen anderen Gelegenheitsmann stalkt. Thomass zeigt die dauergenervte, supercoole Alex sehr sehenswert, und die Kamera von Sonja Rom liefert elegante nächtliche Bilder. Ausdrucksvoll auch Peter Dinklage…

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