Südostasien-Roman: The Soul of Malaya, von Henri Fauconnier (1930) – 4 Sterne

Mystisches, Esoterisches, selbstbespiegelnd und fad verallgemeinernd

Ein Prix Goncourt für diesen „Roman“? Wenn ich die Seiten gar nicht berücksichtige, die ich angeödet überblättert habe, und nur die tatsächlich interessanten Seiten bewerte, dann komme ich auf vier Sterne. Es gibt ein paar bemerkenswerte Einblicke ins malaiische Seelenleben, auch wenn Henri Fauconnier (bzw. Henry Fauconnier) wohl Extreme beschreibt, und gegen Ende sogar überraschend ein bisschen Spannung. Nebenbei schildert Fauconnier – ein erfolgreicher Übersee-Unternehmer und Ölpalmenpionier – aus dem Leben und Selbstverständnis der weißen Plantagenvorsteher; sie bestellen ihre asiatischen Angestellten zur Rohrstockprügelstrafe und deren Ehefrauen zum nächtlichen Gebrauch ein.

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Dazwischen herrscht viel Ödnis. Dann raunt der Ich-Erzähler Mystisches, Esoterisches, selbstbespiegelnd und fad verallgemeinernd. Er verherrlicht seinen Romanfreund (der ein bisschen an Fauconnier selbst erinnert) und schließt jede zweite Bemerkung mit Pünktchen-Pünktchen-Pünktchen ab. Da wundert nicht mehr, dass Fauconnier wenig Rücksicht auf Leserbedürfnisse nimmt. So bringt er zahlreiche Gedichtzeilen in Malaiisch ohne Übersetzung. Und als die Nebenfigur Smail sich „latah“ fühlt, ahnen wir, dass das wichtig ist – aber was es bedeutet?

Ich habe die englische Übersetzung gelesen, die mir gut gefiel. Offenbar existiert auch eine deutsche Fassung von 1939, deren Sprache mich interessieren würde.

Viele andere Malay(si)a-Bücher sind besser, so der Srengenge-Roman, der ähnlich abstrusen Aberglauben beschreibt wie Soul of Malaya, oder The Long Day Wanes von Anthony Burgess, eine amüsante Multikulti-Kolonialsatire. Gediegen aus der Kolonialzeit erzählt Somerset Maugham in vielen Kurzgeschichten, etwa im Band Far Eastern Tales, und das in Malaysia angesiedelte The Consul’s File ist einer der unterschätzteren Belletristik-Bände von Paul Theroux. Von Joseph Conrad ganz zu schweigen.


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