Rezension Musik-Spielfilm: Tina Turner – What’s Love Got to Do with It? (1993) – 3 Videos – 8 Sterne

Der Film von 1993 hat keinen rechten Fluss, die Szenen gehen nicht schlüssig ineinander über.

Es sind isolierte Stationen eines Lebens:

Die kleine Tina Turner singt zu laut im Kirchenchor; die größere Tina Turner steigt spontan zu einer Band auf die Bühne; Tina Turner wird in der Raststätte von ihrem Partner verprügelt; Tina Turner nimmt das bombastische „Rivers Deep Mountains High“ mit Phil Spector auf; Tina Turner platzt in ein buddhistisches Gebet und erkennt das Leben neu; Tina Turner kommt mit zerschlagenem Gesicht und 32 Cents in einem teuren Hotel unter; Tina Turner trifft den neuen, Pop-orientierten Produzenten Roger Davies.

Verblüffend, wie sie nach ihrer letzten verzweifelten Flucht nur noch heiter und fröhlich agiert. Nach der intensiven, langen Beziehung mit Ike Turner wirkt sie nun wie eine Aufziehpuppe.

Der Film zeigt die Atmosphäre in den Musikclubs Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre sehr schön, die Stimmung kocht, Laurence Fishburne gibt den schlitzohrigen Entertainer und Produzenten Ike Turner sehr überzeugend und mit viel Musikgefühl. Angela Bassett spielt Tina Turner, sie kommt als Dorfschönheit in die Großstadt und landet dem Film zufolge eher zufällig auf der Bühne – ein Naturtalent, eine Rockröhre und bald auch ein scharfbeinig-explosiver Rampen-Vamp.

Überzeugend gespielt:

Bassett bewegt hier die Lippen zu Turners Originalaufnahmen, aber man glaubt wirklich, dass Bassett selber singt. (Nebenbei: Was hat Tina Turner einst mit ihrem Ex Mike für eine heiße, mitreißende, schwarze Musik produziert. Ihre alten Nummern wurden für diesen Film mit Turners Stimme neu eingespielt, es ist aber erkennbar nicht so ein TT-Popkäse wie heute.

Die frühen Original-Aufzeichnungen des CCR-Hits „Proud Mary („Rolling on the River“) in der Version von Ike und Tina Turner auf Youtube sind allerdings besser als die Kinofassung, die sich angestrengt um eine 1:1-Kopie bemüht. Doch schon Fishburnes neuer Gesang reicht nicht an Ike Turners erdige Stimme heran.

Neben den packenden, scheinbar lebensechten Hauptakteuren überzeugen auch einige Nebendarsteller, so Jennifer Lewis als Turners sehr opportunistische Mutter, außerdem die Darsteller von Turners erwachsenen Söhnen sowie die Kinderfiguren.

Gibt es eine wirklich gute Tina-Biografie?

Ich bin kein großer Fan von Tina Turner, interessiere mich aber für Popkultur allgemein. Schade, dass offenbar keine gute unabhängige Biographie über Tina Turner existiert. Eigentlich wollte ich deshalb nach dem Film noch Turners Autobiographie „I, Tina Turner“ lesen, wohl die Grundlage des Films. Das werde ich wohl lassen; schon der sehr gute Film zeigt rings um Tina Turner viel verstörende Grausamkeit, Niedertracht, Verkommenheit und Dummheit, die möchte ich mir nicht noch gedruckt zu Gemüt führen.

Und laut Washington Post verschweigt der Kinofilm ein paar wesentliche, für Tina Turner teils weniger schmeichelhafte Fakten, unter anderem ihren ersten Sohn Craig noch vor der Beziehung mit Ike Turner. Auch die englische Wikipedia-Seite über Tina Turner schildert einiges anders als der Film, der auf Turners Autobiographie basiert und bei dem Tina Turner und ihr Management mitarbeiteten.

Turners Autobiographie wird also wohl auch nicht akkurat sein, und sie erschien ohnehin schon 1986. Die Autobiographie von Ike Turner, Taking Back My Name, hat auch keinen besseren Ruf.



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