Buchkritik, Filmkritik: An Education, von Nick Hornby (2009), von Nick Hornby – 8 Sterne – mit Video, Hintergründen & Links

Das Drehbuch (2009):

Hornby schreibt scharfe Dialoge: kultiviert, witzig, psychologisch genau und zugleich hintergründig bedrohlich in der Annäherung des charmant-öligen Älteren an die 16jährige Bürgertochter Jenny. Dazu kommen die vielen schnellen Szenenwechsel und die anstehenden Entwicklungen – ich konnte die dünne Fibel kaum weglegen.

Dies ist ein Drehbuch mit Dialogen. Doch in den mitgedruckten Regieanweisungen schildert Nick Hornby (*1957) knapp auch Gefühle, Mimik und Gedanken seiner Figuren. Der Text liest sich perfekt – wie ein Roman – und dürfte nicht anders sein (dt. u. engl. Titel An Education; ich kenne nur das engl. Original und kann die Eindeutschung nicht beurteilen).

Ein paar Details schwächen den Text:

  • Der Fiesling ist explizit Jude, Immobilienhai, Betrüger (wie in der biogr. Vorlage, s.u.)
  • Der Fiesling nimmt Jennys Eltern allzu leicht für sich ein
  • Der Fiesling, obwohl sonst so schlau, schützt sein Geheimnis wenig überzeugend
  • Die Figur Helen ist viel zu aufgesetzt dümmlich
  • Der Name Café de Flore ist viel zu aufdringlich (von der Banane rede ich erst gar nicht)
  • Das Ende ist zu pädagogisch wertvoll

Das Taschenbuch hat noch

  • ein interessantes Vorwort von Nick Hornby zur Entstehung des Skripts
  • ein witziges Hornby-Tagebuch von der Filmpremiere beim Sundance-Festival, außerdem
  • das ursprüngliche, jedoch verworfene Film-Ende.

Der Film (2009):

Ich habe zuerst das Buch gelesen und war beeindruckt; der allseits gelobte Film danach gefiel mir gar nicht. Aber mir gefällt kein auf Alt getrimmter Film: sie wirken auf mich generell zu künstlich hindrapiert, wie verstaubte Ölgemälde mit Goldrahmen oder Organe in Formaldehyd; zum einen wegen der allzu akkurat hübschen Ausstattung, und dann auch wegen der aufdringlichen Farbkorrektur in Richtung Nostalgisch – generell und auch bei An Education. Vom gesprochenen Englisch habe ich fast nichts verstanden, so schnell und genuschelt war es (für mich). Meine Bluray bot auch deutschen Ton sowie Untertitel in Deutsch und Englisch.

Der Film zeichnet das Drehbuch getreulich nach; Regisseurin Lone Scherfig (Italienisch für Anfänger, Zwei an einem Tag) war laut Hornby- Vorwort „gratifyingly determined to be faithful to the script as it was written“. Ein paar Buchseiten fehlen im fertigen Film, aber die sieht man als Entfallene Szenen. Interessanteste Darstellerin für mich war Emma Thompson, die ihre Nebenrolle der eiskalten Schuldirektorin zurückgenommen und umso eindrucksvoller spielt.

Die Brillanz der Dialoge hat im Film auf mich nicht mehr gewirkt. Einige Schwächen des Buchs bleiben aber bestehen: Der Fiesling nimmt Jennys Eltern allzu leicht für sich ein, das Ende ist zu pädagogisch wertvoll. Regie Lone Scherfig, Darsteller Carey Mulligan, Peter Sarsgaard, Alfred Molina, Olivia Williams, Cara Seymour, Dominic Cooper, Rosamund Pike, Emma Thompson (dt. Zumfilmwiki).

Zu den Extras der Bluray:

  • Die BD enthält noch ein kurzes, fades Making-of, in dem jeder Akteur kurz ins Mikrofon spricht – alle Darsteller, aber auch Regisseurin, Autor, Produzentinnen (einschl. Hornby-Ehefrau), Ausstatter und lebendes Vorbild Lynn Barber (s.u.).
  • Ein weiteres Beifilmchen zeigt die Akteure auf dem roten Teppich, sie loben sich gegenseitig über den Klee.
  • Man kann sich den Spielfilm auch mit einem gesprochenen Kommentar von Regisseurin und zwei Hauptdarstellern ansehen; die Kommentare wirkten für mich belanglos.

Biografische Hintergründe:

Die britische Topjournalistin Lynn Barber (engl. Wiki) schrieb im englischen Magazin Granta über ihre Affäre als 16jährige mit einem älteren Herrn (Titel An Education, hier bei Granta). Dieser Artikel von Lynn Barber inspirierte Nick Hornby zu seinem Drehbuch, wie er auch im Vorwort zum Buch schreibt. Lynn Barber machte die Geschichte dann zum Teil ihres Memoirenbuchs An Education (2009, bei Amazon), das jedoch für Hornbys Drehbuch zu spät kam.

Hornbys Drehbuch verschärft Lynn Barbers Erinnerungen deutlich. Im Film und im Drehbuch klingt die Geschichte also dramatischer als in Lynn Barbers Texten. Die Jugendaffäre ist nur ein kleiner Teil von Lynn Barbers Memoirenband, doch diese Memoiren-Textprobe samt Jugendfoto beim Guardian behandelt genau die Affäre (im Buch gefällt mir die Geschichte etwas besser als bei Granta).

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