Tag Archive for Medien

Rezension Roman: Bleibtreu, von Martina Zöllner (2003) –7 Sterne – mit Presse-Links

Alleinstehende Mittdreißigerin liebt Philosophen – nämlich Christian Bleibtreu, Mittfünfziger, der sie auch liebt und in Hotelzimmern trifft, aber zuhause weiterhin das Schlafzimmer mit seiner langjährigen Ehefrau teilt, platonisch. Die Mittdreißigerin durchleidet und beschreibt eine Psycho- und Selbstwertkrise nach der anderen. Dazwischen erzählt sie Geschichten von Bekannten, die ebenfalls Geliebte verheirateter Männer sind oder waren, sogar…

Rezension Roman: Hundert Frauen, von Martina Zöllner (2009) – 7 Sterne – mit Presse-Links

Weiblich, Single, schon über 40, au weia. Ganz viel von dieser weinerlichen Befindlichkeit steckt in Martina Zöllners Roman – samt quälender Sorgen um Frische, Selbstwertgefühl, Kinder- und Männerlosigkeit. Zöllner, langjährige Journalistin und Anfang 2016 Fernsehspielchefin beim SWR, schafft auch Einblicke in den Alltag einer Provinzredaktion und in Mechanismen der Medien – die Hetzjagd der Bildzeitung…

Sebastian Haffner: Rezension der Haffner-Biografien von Uwe Soukup (2001) und Jürgen Peter Schmied (2010) – 7 Sterne – mit Video

Diese zwei Bände über Sebastian Haffner habe ich gelesen: Uwe Soukup: Ich bin nun mal ein Deutscher – Sebastian Haffner (2001) Jürgen Peter Schmied: Sebastian Haffner, Eine Biografie (2010) Uwe Soukup: Ich bin nun mal ein Deutscher – Sebastian Haffner (2001) Soukup liefert viel Zeitkolorit und Begleitumstände. Wenn ihm danach ist, beschreibt er auch Bedingungen…

Online-Service: Schnelle Nachricht zu interessanten Neuerscheinungen

Wer sich bei Author Alerts mit E-Mail-Adresse anmeldet, erhält Meldungen zu Buch-Neuerscheinungen in den Posteingang (oder per RSS) – getrennt wählbar nach Taschenbuch, Hardcover und E-Buch. Ein paar überflüssige Mails bekommt man auch: Denn Wiederveröffentlichungen alter Schinken werden eigens wie Neuerscheinungen gemeldet; und gibt es mehrere Autoren eines Namens, lässt sich die Zahl der Meldungen…

Rezension Filmsatire: Thank You For Smoking (2005) – 7 Sterne – mit Video

Schnelle, witzige Komödie um einen amerikanischen Zigaretten-Lobbyisten. Viele bizarre, politisch sehr unkorrekte Dialoge, teils pfiffig gefilmt. Sehr unterhaltsam, auch wenn Hauptdarsteller Aaron Eckhart zu gut aussieht für einen Lobbyisten und im ganzen Film nicht eine Zigarette angezündet wird. Der gleichnamige, zugrundeliegende Roman wurde fürs Drehbuch stark gestrafft, vor allem die absurde Krimihandlung – Medien und…

Rezension Satire-Roman USA: Danke, dass Sie hier rauchen, von Christopher Buckly (1994, engl. Thank You For Smoking) – 6 Sterne – mit Video u. Presse-Links

Satire-Profi Buckly erzählt routiniert, süffig überzogen und stets unterhaltsam von der Arbeit eines fiktiven Zigaretten-Lobbyisten in der US-Medien- und Politszene. Am Rand agieren auch PR-Akteure für Feuerwaffen und Alkohol. Die vielen Dialoge sind voller Gags und geschmeidiger Sophistereien. Dennoch entsteht ein etwas fader Beigeschmack: Manche Dialoge und Szenarien wirken weit hergeholt, überflüssig oder unrealistisch, bieten…

Rezension Roman: Die Fälschung, von Nicolas Born (1979) – 6 Sterne – mit Presse-Links

Die Journalisten Laschen und Hoffmann reisen 1975 ins vom Krieg zerrissene Beirut. Sie sehen Schreckliches, Laschen hat nebenher eine diffuse Affäre. Der Roman wurde 1981 mit Bruno Ganz verfilmt, Regie Volker Schlöndorff. Die Erlebnisse sind extrem, doch an diesem Roman fallen vor allem der distanzierte Ton und Laschens Mentalität auf. Nicolas Born (1937 – 1979)…

Romankritik: Die Liebe des letzten Tycoon, von F. Scott Fitzgerald (1940, engl. The Love of the Last Tycoon) – 7 Sterne – mit Video

F. Scott Fitzgerald portraitiert den fiktiven Hollywood-Mogul Monroe Stahr etwa 1935, den er teils nach dem Hollywood-Mann Irving Thalberg formt (Thalbergs Witwe sah keine Ähnlichkeit). Die Geschichte wurde 1976 mit Robert de Niro und Jack Nicholson verfilmt. Fitzgerald selbst hat jahrelang in Hollywood gearbeitet, konnte den Roman aber zu Lebzeiten nur halb schreiben. Das vorliegende…

Überraschendes vom deutschen Reiseführer-Markt

Wer kauft noch Reiseführer, wenn Smartphone-Programme wie Google Maps und TripAdvisor  kostenlos durch ferne Länder leiten? Wer braucht noch gedruckte Reiseführer, wenn man die Werke federleicht digital mitnehmen kann? Und wer kauft gedruckte Reiseführer im stationären Buchladen, wenn Amazon und Co. zum gleichen Preis frei Haus liefern? Die Süddeutsche Zeitung beantwortete diese Fragen 2013 mit…

Roman-Übersetzungen ins Deutsche, die ihren englischen Titel behalten – das kann lästig sein:

Nicht immer ist Englisch drin, wo Englisch draufsteht: Manche englischen oder französischen Romane werden ins Deutsche übersetzt, sie werden aber auch im Deutschen mit dem fremdsprachigen Original-Titel verkauft. Da besteht Verwechslungsgefahr: Identische Titel für Ausgaben in unterschiedlichen Sprachen findet man oft bei Titeln mit Personennamen: Lolita Adam Haberberg Shantaram Saint Jack Tonio Kröger Effi Briest…

Nach 15 Jahren Süddeutscher Zeitung: Was ich vermissen werde – und was nicht

15 Jahre lang kam die Süddeutsche Zeitung zunächst jeden Samstag, dann jeden Freitag und Samstag. Nun (Mitte 2016) habe ich die SZ abbestellt, das Wochenend-Abo gekündigt. Das werde ich vermissen: Hermann Unterstögers launig-versöhnliches „Sprachlabor“ zu kniffligen Deutschproblemen samstags und gegenüber auf der Seite die „SZ-Werkstatt“ (die jedoch offener sein könnte) Heribert Prantls Kommentare; nicht wegen…

Rezension Büro-Roman: Wir waren unsterblich, von Joshua Ferris (2007, engl. Then We Came to the End) – 7 Sterne – mit int. Presse-Links

Der Roman spielt in einer großen Werbeagentur in Chicago. Autor Joshua Ferris schreibt lakonisch-humorvoll vor allem über Bürotratsch, Bürokleinklein, Angst vor Kündigung und private Probleme. Kaum Handlung, keine Hauptfigur: Es gibt kaum eine Handlung, meist keine Hauptfigur – nur kleine Episoden, aus denen erst ab der Buchmitte zwei Personen etwas deutlicher hervortreten. So treibt das…

Rundfunkgebühren: Bitte auch für gute Zeitungen. Und bitte nicht für öffentlich-rechtliche „Comedy“

Wir sind zwangsverpflichtet, Rundfunkgebühren zu zahlen, und was bekommen wir dafür? Käse und Comedy (abschreckendes Beispiel). Tollen Content liefern dagegen Zeitungen wie Süddeutsche, Zeit, Spiegel – noch. Irgendwann werden sie untergehen. Es tut ja schon weh, wenn man das Aufbäumen der Süddeutschen miterlebt: Sie verkauft jetzt E-Buch-Sammlungen, die Samstagsausgabe wurde viel wochenzeitungiger, züngelt Richtung aufgeklärter…

Dokumentationen: So kann man sie verhunzen (mit Videos)

Die Qualität bei Dokumentationen schwankt dramatisch, egal ob TV-Doku oder aufwändige Kinoproduktion. Hier eine Liste der typischen Fehler: Sprecher und Text: Text klingt wie Werbung, zum Beispiel bei Künstler- oder Hotel-Dokus; nicht nur, aber auch beim WDR-Beitrag über das Excelsior Hotel Ernst in Köln (Link zur Sendung beim WDR) der Sprecher raunt und baritont überflüssig…

Besprechung Journalisten-Roman: Die Unperfekten, von Tom Rachman (2011, engl. The Imperfectionists) – 8 Sterne

Der Erfolgsroman schildert einen Reigen amerikanischer Journalisten in Rom, mitunter in Paris, Genf oder Kairo. Überwiegend spielt das Buch von 2005 bis 2010. Jedes Kapitel stellt einen anderen Akteur in den Mittelpunkt; kurze Rückblenden schildern die Entwicklung der Zeitung von 1953 bis in die erzählte Gegenwart. Fazit: Geistreich, kurzweilig, humorvoll und voller Redaktionsalltag – Die…

Roman-Kritik: Towards the End of the Morning – Gegen Ende des Morgens, 1967, von Michael Frayn – 7 Sterne

John Dyson ist unbedeutender Redakteur bei einer Londoner Tageszeitung, langweilt sich dort oft, fühlt sich aber zu Größerem berufen – da wird er zu einer Talkrunde im Fernsehen eingeladen. Sein Ego schwillt, sein Redefluss auch. Autor Michael Frayn karikiert die Eitelkeiten und Banalitäten im Redaktions- und Büroalltag, die Kleinkämpfe und Rangeleien bei der Arbeit und…

Bergfilmfestival Tegernsee 2014: Lauter laute Filme – und ein ganz ruhiger wird Sieger, nein: doppelter Sieger (mit drei Videos)

Beim Bergfilmfestival Tegernsee 2014 liefen viele laute Filme mit aufdringlicher Musik und teils aufdringlicher Dramaturgie, so etwa die Everest-Spieldoku Beyond the Edge (Besprechung auf HansBlog.de) und weitere: Berge werden mit schwülstiger Geigensauce aus der Synthesizer-Tube eingeseift, dumpft dräut es in Momenten der Gefahr, und zu Temposport gehört natürlich anstrengender Hardrock. Das Ganze beträufelt mit präpotenter…

Deutscher Fernsehpreis 2014, Deutscher Radiopreis 2014, 2015

Selten war ich so geschockt von öffentlichem Benehmen wie bei diesen Preisverleihungen, die ich als Aufzeichnung gesehen habe: Frauen zwängen sich in Hochhackige und Abendkleid, palavern dann selbstsüchtig von Oberweiten, Hinterweiten, Figur und unbequemen Schuhen, sagen „geil, geil, geil“ und trinken Dosenbier auf der Bühne Männer reißen selbstgefällige Witzchen und lachen meckernd beifallheischend den eigenen…

Rezension Teheran-Memoiren: Honeymoon in Tehran: Two Years of Love and Danger in Iran, von Azadeh Moaveni (2009) – 8 Sterne

Azadeh Moaveni schreibt schlank, lebendig, bildhaft, unterhaltsam – wie man es von einer Time-Autorin erwartet. Längere Gedankenströme zu Politik oder Moral bettet sie stets in ihr Alltagsleben ein: Moaveni schildert, wie sie am Herd ein Curry versalzt und dabei die Rolle der Ayatollahs seit dem 7. Jahrhundert überdenkt; wie sie im Taxi sitzt und die…

Rezension Teheran-Memoiren: Lipstick Jihad: A Memoir of Growing Up Iranian in America and American in Iran, von Azadeh Moaveni (2005) – 8 Sterne

Azadeh Moaveni wächst mit iranischen Eltern in Kalifornien auf und kommt, gut 20 Jahre alt, erstmals dauerhaft nach Teheran, Hauptstadt des Iran. Dort arbeitet sie als Journalistin für das US-amerikanische Time-Magazin. Moaveni schildert ihren Alltag in der iranischen Hauptstadt ungefähr zur Jahrtausendwende (Khatami in Teheran, Bush junior in Washington, 9/11). Dabei klingt sie lebendig, persönlich,…

Rezension Filmbuch: Kinda‘ Hot: The Making of „Saint Jack“ in Singapore, von Ben Slater (2006) – 8 Sterne

Erstmals entstand eine Hollywoodfilm komplett in Asien: Regisseur Peter Bogdanovich, Filmstar Ben Gazzara und ein großes amerikanisch-europäisch-asiatisches Team verfilmten Paul Therouxs Roman Saint Jack 1978 in Singapur (der Roman, der Film im HansBlog). Sogar die zahlreichen Innenaufnahmen entstanden in Singapur und nicht im Studio. Sehr farbig, lebendig, und kinda hot erzählt Ben Slater in diesem…

Rezension Rock-Spielfilm: Almost Famous – Fast berühmt (2000; mit Trailer) – 8 Sterne

Coole Dialoge (besser in der englischen Tonspur). Viele interessante, pfiffige, hintergründige Momente. Witzige Typen ohne Larmoyanz. Kurze, doch ausgesprochen lebendige Bühnenszenen (und ich mag gar keinen Rock). Der ganze Film hat zumeist viel Schwung und zieht mit; meine BD lieferte jedoch nur die lange 155-Minuten-Version, die auch als Untitled kursiert, und da gab es zwischendurch…

Romankritik englische Medien-Satire: Everyone’s Gone to The Moon, von Philip Norman (1995) – 7 Sterne

1996: Der blasse Louis Brennan, 22, wird Topjournalist bei der schicken Farbbeilage, nein, beim Magazin des Londoner Wochenblattes Sunday Dispatch. Große Teile des Romans beschreiben Leben, Liebe und Intrigen in der Redaktion – und in den Swinging Sixties. Fazit: Norman schreibt mit Insiderkenntnis, spannenden Intrigen, deftiger Satire, ausgeprägten Charakteren und eleganten Worten – umso verblüffender,…

Rezension Medien-Bollywood: Page 3 (2005, mit Konkona Sen Sharma) – mit Video – 7 Sterne

Konkona Sen Sharma als Gutmensch und Journalistin trifft in Bombay 2005 auf Promi-Parties, Pädophilen-Parties, Modenschauen, Bisexuelle, Drogies. Ein durch und durch zynischer Film. Wer Zynismus mag, wird gut unterhalten. Gutmensch unter Zynikern und eitlen Hasen: Allerdings passt Gutmensch Madhavi (Konkona Sen Sharma) ohnehin nicht ganz in die Rolle einer Society-Reporterin: Fast von Anfang an begehrt…

Rezension Hollywood-Klassiker: Ein Herz und eine Krone (1953, mit Audrey Hepburn, Gregory Peck) – mit Video – 7 Sterne

Gregory Peck ist amerikanischer Journalist in Rom. Zufällig läuft ihm Audrey Hepburn als Prinzessin in die Arme; sie will inkognito aus ihrem faden Alltag ausbrechen und landet sogar in seinem Bett. Wenn das mal keine Komödie wird, womöglich eine romantische. Verhaltene Komödie: Doch für eine Komödie ist Ein Herz und eine Krone (engl. Roman Holiday)…

Rezension deutscher TV-Spielfilm: Männertreu (2014, mit Matthias Brand) – mit Trailer – 7 Sterne

Der links-liberale Verleger ist so smart wie elegant – und er könnte Bundespräsident werden. Die Frau an seiner Seite ist erfolgreiche Scheidungsanwältin. Dass der Verleger ihr immer wieder untreu wird, bringt die Geschichte Männertreu ins Rollen. Starkes Spiel: Matthias Brandt und Suzanne von Borsody zeigen die reichen Arrivierten kalt-lässig überzeugend, mit nonchalanter Chuzpe. Matthias Brandt…

Rezension TV-Bericht: Journalismus von morgen – Die virtuelle Feder (Arte 2012) – 7 Sterne

Die Doku zeigt hochinteressante Einblicke in arbeitende Zeitungsredaktionen: Unter anderem Bild und Welt in Berlin, Le Monde in Paris und das mächtige Blatt Patrika im indischen Rajasthan, außerdem Lokalblätter in Frankreich und an der US-Ostküste. Dazu kommen die Meister der digitalen Contentvermarktung und Erfolgsmessung, unter anderem die Macher des Programms Chartbeat in New York und…

Biografie: Die Karrieren der Vicki Baum, von Nicole Nottelmann (2007) – 6 Sterne

Ganz genau kann ich es nicht erklären, warum mich diese Biografie zu Vicki Baum nicht recht begeistert hat. Eine Rolle spielt sicher Nottelmanns lieblose Sprache, hier und da fehlerhaft; auch betont sie bestimmte Leitmotive im Leben der Vicki Baum zu oft. Eigentlich müsste das Buch hochinteressant werden, denn die Voraussetzungen für eine spannende Lebensgeschichte sind…

Dokumentationen: Warum muss sich der Journalist immer ins Bild stellen?

Bei Dokumentationen, speziell bei TV-Berichten, stören Journalisten, die sich ins Bild stellen. Teils geht es nicht mehr um die Sache, sondern darum, dem Film-Macher eine Bühne für den Egotrip zu verschaffen. Beispiele für aufdringliche Journalisten: „Der Philosoph Philippe Simay reist um die ganze Welt“ in der Arte-Reihe In der Welt zuhause und äußert lächelnd äußerst…