Harry Rowohlt war penibel mit Sprache, und das zeichnet Biograf Solloch schön nach. Mehrfach gibt er Sprachbetrachtungen Rowohlts wieder und vergleicht Rowohltsche Übersetzungen mit anderen Eindeutschungen, dazu das englische Original – sehr gut; freilich finde ich Rowohlts Versionen weniger herausragend als der penetrant enthusiastische Biograf.
Stil:
Tatsächlich rühmt soloch Harry Rowohlts Schreib-und Lebensstil wie auch dessen Frau Ursula unentwegt über den Klee. Solloch schreibt zwar laut Vorrede von einem
zutiefst distanziert-journalistischen Standort…, an dem der kühle Wind der Objektivität weht
Doch dann nennt er seine Hauptfigur gleich mehrfach in einem Absatz verliebt ”Harry”, das klingt wenig objektiv. Dies in Verbindung mit gesucht originellen und jovialen Formulierungen wirkt dann anbiedernd:
ein Buch über Harry ist nicht der geeignete Ort, Abschweifungskarenz zu üben
(Hier rechtfertigt sich der Autor für eine längeren Zeitsprung, nachdem er schon auf den ersten Seiten angekündigt hatte, nicht streng chronologisch zu berichten – was mich bei der Lektüre mehrfach irritierte.)
Solloch sagt im Lauftext ”Ruhrpott-Slang“, das Wort (S.28) gefällt mir nicht; eine Seite später lobt er ”die korrekte Verwendung des Possessivpronomens”. Immer wieder regnet es Ausrufezeichen und Dativ-e („die Nachricht vom Tode“). Die Capricen und die Zeitsprünge des Autors lenken unnötig vom originellen Harry Rowohlt und seinen nicht minder unterhaltsamen Vorfahren ab, unter ihnen Ernst Rowohlt, Heinrich Maria Ledig-Rowohlt und Maria Pierenkämper.
Zum Glück klingen die Rowohlt-Zitate sämtlich sehr unterhaltsam, das gleicht Sollochs Schreib-Schwächen aus.
Solloch distanziert sich in der Vorrede etwas mokant vom Rowohlt-Biografen Tomasz Malyszek, der Rowohlt Anekdoten “leider“ zu oft für bare Münze genommen habe (und nebenbei sein eigenes Rowohlt-Buch auf den Markt warf, während Autor Solloch noch an seiner Version feilte). Solloch beschreibt wortreich witzige Zeichnungen des Schülers Harry Rowohlt, statt sie im SW-Bildblock des Hardcovers zu zeigen.
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Assoziation:
- gelegentliche Bezüge zur „Neuen Frankfurter Schule”, u.a. dem Verlag Bärmeier & Nikel, F.W. Bernstein und Robert Gernhardt
- Gelegentliche Erinnerung an das Künstlerleben von Wolfgang Herrndorf
Persönliche Erklärung:
Als Nachbarn oder Kollegen wollte man Harry Rowohlt nicht haben – offenbar hat er alle mit seinen Geschichten zugedröhnt und von sich selbst gesagt,
”dass man mich nicht schlimmer langweilen kann, als wenn man mich nicht ausschließlich (und von MIR) reden lässt”
Ein Arzt in der Psychiatrie beschrieb ihn so:
”ein schillernder, hochnarzisstischer Mann, der den Kontakt zu anderen Menschen brauchte – aber nur in Form einer Bühne”.
The horror! The horror!
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