Biografie-Kritik: Fawn McKay Brodie. A Biographer’s Life, von Newell G. Bringhurst (1999) – 7/10

Newell G. Bringhurst schreibt flüssig, leicht lesbar und streng chronologisch; die Zwischenüberschriften geben Verschnaufpausen. Der Autor hatte erkennbar viel Zugang zu persönlichen Notizen und Wegbegleitern Brodies; doch er will offenkundig nicht zu tief wühlen und Brodies Familie nicht unnötig verstören. Bringhurst versucht sich also dezidiert nicht an Brodies Fach, der Psychobiografie.

Newell G. Bringhurst – wie Brodie Wissenschaftler, Utah-gebürtig und Mormonologe – interessiert sich vor allem für Brodies mormonische Herkunft und ihre Karriere als Autorin und Dozentin. Die Unruhen der 60er Jahre oder die Kriege spielen nur eine kleine Rolle, ihr sehr interessanter Ehemann Bernard bleibt blass; die gesammelten Ehekrisen und Auseinandersetzungen erscheinen nur in wenigen Zeilen zum 40. Hochzeitstag.

Bringhurst klingt zu gleichförmig. Er flicht immer wieder kleine Zitate ein – meist nur ein paar Wörter, die nicht viel Persönlichkeit verraten. Nie wird aus den Zitaten ein Dialog oder Psychogramm (abgesehen von der Selbstironie der Hauptfigur).

Schriftstellersyndrom:

Fawn Brodie ist eine liebenswerte, lebhafte, linksliberale und gutaussehende Intellektuelle mit Mann, Kindern und mit Schreibkrisen, die mir bekannt vorkommen. Der Biograf zitiert sie dazu:

”I am too prone to cling to what I have written before, even though it doesn’t satisfy me.“ She then lamented that what she had rewritten did not satisfy her either.

Und:

Always it takes much longer than you plan for

Ist das quälende Buchmanuskript schließlich abgeliefert, empfindet sie „a deep sense of loss“.

Es fällt auf, dass Brodies biografische Hauptfiguren auch von ihren persönlichen Umständen bestimmt wurden: sie wuchs als Mormonin auf und schrieb über einen Mormonenführer; Thaddeus Stevens biografierte sie nach langer Themensuche als junge Mutter, weil sie eine gute Bibliothek in der Nähe hatte und für andere Figuren weiter hätte reisen müssen; über Richard Nixon schrieb sie nur eine Teilbiografie, weil ihre Krebserkrankung mehr verhinderte. Ohnehin betonte sie, so ihr Biograf, dass ihre Aufgaben als Hausfrau und Mutter stets vor dem Schreiben rangierten und ihr viel Freude bereiteten.

Mormonisch:

Diese Biografie enthält keinen Stammbaum – nur komplizierte Beschreibungen der vielköpfigen Familien väter- und mütterlicherseits samt mormonischen Nebenfrauen; womöglich passt das Gewimmel gar nicht in einen Stammbaum. Es gibt einige schöne SW-Familienfotos auf Textdruck-Papier, nicht jedoch Brodies spektakuläre Eigenheime in Pacific Palisades and Bethany, letzteres hatten US-Magazine landesweit vorgestellt.

Autor Newell G. Bringhurst schrieb neben weiteren Mormonografien ein eigenes Buch nur über Brodies kontroverse Biografie des Mormonenführers Joseph Smith; in seiner Brodie-Gesamtbiografie bekommt Brodies siebenjährige Arbeit zu Joseph Smith rund 45 Seiten. Bringhurst liefert jedoch kein Zitat aus dem Buch, obwohl er Brodies Ringen um den angemessenen Stil ausführlich schildert; er sagt auch nicht, wie Brodie im Smith-Buch ihren persönlichen Hintergrund erklärt. Seriöse Rezensionen zur Smith-Biografie zitiert der Autor nur knapp, umso länger die nicht ernst zu nehmenden Kritiken der beleidigten Mormonen.

Assoziation:

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