Craig Fehrman stellt in jedem Expeditionsabschnitt einen anderen Teilnehmer ins Zentrum – er fokussiert einerseits auf die Figur und andererseits auf die neue Umgebung, und im nächsten Kapitel auf eine neue Hauptfigur und eine neue Umgebung. Das wirkt umständlich, es generiert wegen der unvermeidlichen Rückblenden auch Zeitsprünge, Überschneidungen sowie Erwähnungen der aktuellen Hauptfigur auch dann, wenn sie keine große Rolle spielt. Weil die vielen Kapitel jeweils nach der Hauptfigur benannt sind und nicht nach einem geographischen oder zeitlichen Expeditionsabschnitt, wirkt auch das Inhaltverzeichnis unübersichtlich.
Fehrman schreibt im Anhang 1:
I try to find new facts, to interpret those facts, and to arrange them in a story.
Fehrman hat hier überarrangiert.
So ist ein Kapitel William Clark gewidmet und ein anderes dessen Sklaven York, aber auch im York-Kapitel redet Fehrman von Clark. Die Kapitel über die Indianerhäuptlinge Black Buffalo, Wolf Calf und Piahito bringen seitenlange inner-indianische Konflikte, die verwirrend und ermüdend weit von der Expedition wegführen, bis die Indianer schließlich auf die Expedition treffen.
Zusätzlich stört Fehrman sein Narrativ durch Sprachkaspereien wie:
But then they did something strange: nothing.
Basierend auf allgemeinen Berichten:
Wie Fehrman in seinen ausführlichen Recherchenotizen am Buchende erzählt, beruhen die Mutmaßungen über Yorks Wahrnehmungen gutteils auf allgemeinen Sklaverei-Berichten, nicht auf Kenntnissen über York persönlich:
York probably didn’t dwell on his race every day…
Ähnliche Spekulationen lesen wir auch über Sacajawea. Am Buchende in den Recherchenotizen wie auch in den Endnoten liefert Fehrman zudem weitere inhaltliche Expeditionsdetails, die in den Haupttext gehören.
Man hat den Eindruck, Fehrman betont woke Themen – Afroamerikaner, Frauen, Indianer, indianische Frauen, indianische Transsexuelle, toxische Männer – und widmet entsprechenden Figuren unangemessen viel Platz im Buch. Der Autor kriecht tief in die Psychologie der Expeditionsteilnehmer hinein, schreibt achtsam und einfühlsam, auch wenn er selbst in den Anmerkungen meint:
There are many wrong ways to write about the mental health of a historical figure
Die introspektiven und grüblerischen Tagebuch-Notizen des Co-Leiters Meriwether Lewis liefern prima Material für psychologisierende Absätze. Dass Lewis jedoch monatelang keine Notizen produzierte, diskutiert Fehrman nach meiner Übersicht nur einmal kurz.
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Vergleich der Expeditionsbücher von Stephen Ambrose und Craig Fehrman:
Stephen Ambrose ist übersichtlicher und stringenter. Fehrman sollte man erst danach lesen, er liefert schöne zusätzliche Details und zahlreiche Perspektivwechsel, die Neulinge massiv verwirren können.
Stephen Ambrose konzentriert sich in Undaunted Courage von 1996 stark auf Meriwether Lewis, sein Buch wirkt fast wie eine Lewis-Biografie, in sich geschlossen wie ein Abenteuerroman; Fehrman wechselt dagegen die Hauptfigur in jedem Kapitel und schafft so ein viel breiteres, aber auch sehr heterogenes Bild. Im Vergleich zu Ambrose schreibt Fehrman weit weniger über Thomas Jefferson und schon gar nicht so bewundernd.
Nur Fehrman zeigt heutige woke Sensibilität; Ambrose schreibt deutlich männlicher, wie Karl May. So lesen wir nur bei Fehrman, dass Sacajawea eher eine Sklavin und keine Ehefrau aus freien Stücken war; nur Fehrman liefert ausführliche Hintergründe zu Indianern und Afroamerikanern. Ambrose berichtet weit ausführlicher über die Vorbereitungen in Virginia und Washington wie auch über Lewis‘ Zeit nach der Expedition als Verwalter von Louisiana. Lewis’ mutmaßlicher Selbstmord Jahre nach der Expedition erscheint bei Fehrman nur knapp.
Ambrose zitiert historische Dokumente von Clark und Lewis weit ausführlicher als Fehrman, teils aus Freude an der skurrilen Rechtschreibung. Ambrose spekuliert auch viel intensiver darüber, warum es von Lewis für einige Monate keine Aufzeichnungen gibt (das erwähnt Fehrman kaum) und warum Lewis gegen jede Planung und Zusage nie ein Buch über seine Reise herausbrachte.
Fehrman sagt,
I found a lot of new documents about the expedition
Dazu gehört ein Interview mit Wolf Calf, der sich einen Kampf mit Meriwether Lewis lieferte, sowie laut Fährmann weitere mündliche Überlieferungen.
Route und Karten online:
Für mich die vielleicht beste Onlinekarte mit Lewis-Clark-Route, wegen der markanten Topografie und heruntergedimmter heutiger Infrastruktur, und doch Google Maps: https://trailresearch.org/article/lewis-and-clark-route/
Allerdings fehlen nach meiner Übersicht Linien für Louisiana Purchase und Continental Divide sowie eine Suchfunktion; die Höhenlinien geben Fuß an. Die Karte lässt sich auf Satellitenbild ohne Beschriftung umschalten.
- Weitere zoombare Routenkarte beim Nationalparkservice: https://www.nps.gov/lecl/planyourvisit/maps.htm
- Weitere zoombare Routenkarte: https://experience.arcgis.com/experience/87266b6613aa443cb437ef26c2077fff/
- Alternative: KML-Route herunterladen ebenfalls hier: https://trailresearch.org/article/lewis-and-clark-route/ ; erforderlichenfalls in GPX umwandeln z.B. hier: https://www.gpsvisualizer.com/convert_input ; und z.B. hochladen im Kartendienst Mapy.com mit knackig topografischer Wanderkarte auf Basis von OSM.
Assoziation:
- die Entertainer-Rolle des schwarzen Expeditionsteilnehmers York bei den Indianern erinnert an den schwarzen Grönland-Entdecker Tété-Michel Kpomassie bei den Eskimos bis hin zu unkompliziertem Sex mit Einheimischinnen
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