Tag Archive for Afroamerikaner

Kritik Roman: Queenie, von Candice Carty-Williams (2020) – 5/10 Sterne

Candice Carty-Williams schreibt ein paar witzige Dialoge und Chat-Verläufe, aber letztlich eine Zeitgeist-Soap mit dümmlicher Ich-Erzählerin, gegen Ende sehr unrealistisch. Warum das Buch Preis und Preise von Qualitätsmedien wie Time oder Guardian erhielt, weiß ich nicht. Die junge schwarze Londonerin Queenie, 25, jiepert dümmlich Männern hinterher, u.a. ihrem weißen Ex-Freund Tom, trifft sich mit Freundinnen,…

Kritik Afrikabuch: Die Raupenplage, von Nigel Barley (1983, engl. Plague of Caterpillars) – 7 Sterne

Routiniert spult das Afrikabuch Anekdoten, Pointen und Allgemeinplätze herunter: Ein schriller Weißer ermordet seine Katze und kocht sie. Auch Erlebnisse mit halbzahmen Affen oder Vögeln walzt Nigel Barley (*1947) breit fürs Publikum aus; sie scheinen teils fürs Buch inszeniert oder dramatisiert, auch der kackende Ziegenbock in der Lehmhütte, haha. Nigel Barly bei Amazon (Werbe-Link) Warum…

Filmkritik Komödie: Warten auf Mr. Right – Waiting to Exhale (1995, mit Whitney Houston, Angela Basset) – 5 Sterne – mit 2 Videos

Hier gibt’s was auf die Ohren und die Augen: Unentwegt schmeichelt Kuschelrock (genannt R&B, symptomatisch Whitney Houstons Filmsong Exhale (Shoop Shoop)). Und unentwegt sieht man schöne Frauen und ein paar smarte Männer in streng auf Mainstream gebürsteter Edel-Umgebung: Nobelhotelbar, Nobelvillawohnzimmer. Die Edeloptik erinnert an Musikvideos und Werbung, ohne Substanz oder Individualität. Politisch ist der Film…

Romankritik: Von der Schönheit, von Zadie Smith (2005, engl. On Beauty) – 7 Sterne

Zadie Smith schreibt witzige, intelligente Dialoge, und sie spießt Uni-Politik und die Tics der US-Uni-Koryphäen boshaft auf. Gewiss erkannten sich einige Wissenschaftler in diesem Roman erzürnt wieder. Zu den Highlights zählen auch ein paar erstaunliche Sexszenen. Doch die Dialoge und Szenen laufen teils zu lang, und sie konzentrieren sich ermüdend auf die immer gleichen Themen:…

Rezension Musikfilm: Whitney Houston – Close Up/Can I Be Me? (2017, von Rudi Dolezal, Nick Broomfield) – 3 Sterne – mit Video

Ein Gutes hat die Doku ja doch: Die US-Stimmen werden nicht durch deutsche Stimmen übertönt, stattdessen gibt es deutsche Untertitel (die nicht immer ganz sauber übersetzen). Allerdings sieht man die Untertitel meist zu kurz, man kann sie gar nicht so schnell verarbeiten; schließlich erscheint die Doku bei Red Bull Media House auf Servus TV, und…

Rezension: A Singular Woman, Barack Obama’s Mother, von Janny Scott (2011) – 7 Sterne – mit Presse-Links

Stanley Ann Dunham, Barack Obamas Mutter, war eine hochinteressante, weltoffene Intellektuelle, die in Hawaii erst einen Kenianer (Obamas Vater) und dann einen Indonesier heiratete und zeitweise mit Sohn in Indonesien lebte. Sie verbrachte insgesamt die Hälfte ihres erwachsenen Lebens in Indonesien, forschte und promovierte dort über Dorfwirtschaft, leitete Hilfsorganisationen und beriet Regierungen und Banken in…

Rezension Memoiren: Ein amerikanischer Traum, von Barack Obama (1995, engl. Dreams from My Father) – 8 Sterne

Hawaii, Indonesien, Los Angeles und New York sind einige der Stationen dieser leicht fiktionionalisierten Jugend-Autobiografie, sie reicht von den Großeltern bis zu Obamas Studienbeginn nach ersten Arbeitsjahren. Besonders detailliert gerieten die Abschnitte über Obamas Sozialarbeit in Schwarzenvierteln von Chicago und über den Besuch bei der kenianischen Familie seines Vaters. Der Ex-US-President (*1961, im Amt Jan.…

Rezension Biografie: Barack Obama. Leben und Aufstieg/Die Brücke, von David Remnick (2010, engl. The Bridge) – 6 Sterne – mit Presse-Links & Video

Remnick erzählt Obamas Leben bis zum Einzug im Weißen Haus Anfang 2009. Die deutsche Hardcover-Ausgabe von 2010 heißt Barack Obama, Leben und Aufstieg; die offenbar textidentische Taschenbuchversion von 2012 erschien als Die Brücke: Barack Obama und die Vollendung der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Ich kenne nur die engl. Hardcover-Ausgabe The Bridge und kann die Eindeutschung nicht beurteilen.…

Rezension Biografie: Barack Obama, The Story, von David Maraniss, (2012) – 7 Sterne – mit Video & Presse-Links

Das Buch reicht von Obamas Urgroßeltern in Kansas und Kenia bis zu Obamas Jurastudiumbeginn 1988 in Harvard. Es endet also deutlich vor Beginn der politischen Laufbahn. Washington-Post-Journalist Maraniss erzählt ausführlich aus dem Kansas der 1920er Jahre, in Kenia geht er kurz zurück bis auf 1820. Fast stolz erwähnt Maraniss im Vorwort, dass der spätere US-Präsident…

Rezension: Peach Tree Road, von Anne Rivers Siddons (1989) – 6 Sterne – mit Presse-Links

Fazit am Roman-Ende nach 817 Seiten: Rivers Siddons spannt einen schönen, runden Bogen über 50 Jahre Atlanta seit den späten 1930ern. Die Stadt wird dem Leser fast zur Heimat, die Hauptfiguren gehören zur Familie. Die Sprache ist leicht und mit unspektakulären Dialogen, die Handlung überwiegend gelungen konstruiert; Siddons verbindet die Hauptcharaktere schön mit Zeitströmungen und…

Kritik US-Reisebuch: Deep South, von Paul Theroux (2015) – 7 Sterne – mit Presse-Links

Paul Theroux reist 2012 und 2013 mehrfach länger durch die US-Südstaaten, so dass er in Deep South auf 440 Seiten über alle vier Jahreszeiten berichten kann. Theroux schreibt äußerst flüssig und lesbar (ich hatte die englische Ausgabe). Er besucht fast nur Kleinstädte und fast ausschließlich kleine Leute und Mittelschichtangehörige – häufig Pastoren und Mitarbeiter von…

Kritik Monografie: A Turn in the South, von V.S. Naipaul (1989) – 7 Sterne – mit Presse-Links

V.S. Naipaul redet in den US-Südstaaten mit Politikern, Bürokraten, Autoren (u.a. Anne Rivers Siddons, Eudora Welty), mit Juristen, Geistlichen, seltener mit Arbeitern oder Bauern, und er berichtet nachdenklich von seinen Gesprächen. Keiner gibt Interviews so interessant wieder wie Naipaul – gut zuhörend, scheinbar neutral, intelligent, aber doch mit eigenen Gedanken und Interpretationen. Naipaul (1932 –…

Rezension Romantische Komödie: Brown Sugar (2002) – 5 Sterne – mit Video

Vieles an dieser romantischen Hiphopper-Komödie fühlt sich falsch an: die wenig überzeugende Liebe zum Hiphop, der schlechte Hiphop im Film, die teils sehr konstruierte und platte Handlung, der banale und unrealistische Luxus, einige flache Dialoge, teils sogar der coole Slang im O-Ton. Doch Brown Sugar produziert auch vergnügliche Wohlfühl-Momente und ist über weite Strecken angenehm…

Romankritik: Das Haus Savage, von Jay McInerney (1997, engl. The Last of the Savages) – 8 Sterne

Will Savage ist Sohn reicher Grundbesitzer im US-Süden, liebt jedoch Bluesmusik, die Kultur der Afroamerikaner und wird Musikmanager. Ich-Erzähler Patrick Keane beschreibt Wills und sein eigenes Leben über 30 Jahre. Drei Viertel des Buchs behandeln die Jahre, in denen die Hauptfiguren etwa 18 bis 25 Jahre alt sind. Wir lernen viel über das Studieren in…

Rezension US-Spielfilm: Love & Basketball (2000) – mit Trailer – 7 Sterne

Der Film begleitet die afroamerikanischen Nachbarn Quincy und Monica über rund 13 Jahre. Erst sind sie Kids, beide spielen gern Basketball. Später werden sie ein Paar, feiern Erfolge im Basketball und – haben so ihre Probleme. Wichtig für den Film sind auch die Familien der beiden Hauptfiguren: beide afroamerikanisch, sehr gut situiert, mit großzügigen, benachbarten…

Rezension Musiker-Biopic: Ray (2004, über Ray Charles; mit Trailer) – 8 Sterne

Sehr bewegend, sehr subjektiv, sehr suggestiv gefilmt und darum berührender und kitschiger als zum Beispiel Dream Girls oder der Tina-Turner-Film. Manche Entwicklungen und Eingebungen kommen sehr abrupt oder schlicht, vielleicht unvermeidlich in der Kürze der Zeit. Kein Lied läuft ohne Unterbrechungen. Noch mehr könnte gegen den Film sprechen: die Länge allein der Kinoversion (152 Minuten),…

Rezension Musicalfilm: Dreamgirls (2006, mit Beyoncé Knowles, Eddie Murphy) – Trailer & 5 Songs – 8 Sterne

Viele tolle, lebhafte Songs. Vielleicht sogar zu viele, und einige davon zu lang, andere vorzeitig abgebrochen. Geben die Songs nur Dialoge – oder öfter Monologe – wider, scheinen die nicht singenden Akteure einzufrieren. Bei den frühen Titeln auf großen Livebühnen singen die „Dreamettes“ mit Band, aber ohne Mikrophon, das wirkt sehr unrealistisch. Dennoch mischt Dreamgirls…

Rezension Musik-Spielfilm: Tina Turner – What’s Love Got to Do with It? (1993) – 3 Videos – 8 Sterne

Der Film von 1993 hat keinen rechten Fluss, die Szenen gehen nicht schlüssig ineinander über. Es sind isolierte Stationen eines Lebens: Die kleine Tina Turner singt zu laut im Kirchenchor; die größere Tina Turner steigt spontan zu einer Band auf die Bühne; Tina Turner wird in der Raststätte von ihrem Partner verprügelt; Tina Turner nimmt…

Rezension US-Spielfilm: Half Nelson (2005, mit Ryan Gosling) – mit Trailer – 8 Sterne

Die Handlung deprimiert, die Szenerie auch. Der Film deprimiert noch mehr, wenn man sich vor Augen hält, dass er eher zu optimistisch ausgeht. Hauptdarsteller Ryan Gosling und alle anderen spielen traumwandlerisch sicher, mit glamourfreier melancholischer Coolness (wie in Blue Valentine verkehrt Gosling in einfacheren Gesellschaftsschichten und droht in eine Abhängigkeit abzugleiten); Autoren und Regisseur nehmen…

Rezension US-Tanz-Spielfilm: How She Move (2007) – 2 Videos – 7 Sterne

Nervöse, latent aggressive Atmosphäre in eher armen Verhältnissen, aber kein Ghetto. Die Szenen in der Kleinfamilie werden überraschend sülzig. Viele schöne Kameraeinstellungen, oft im Dunkeln. Vor allem aber: Hochinteressante, ungewöhnliche Tänze voll Akrobatik, Pantomime, Alltagsgesten. Staubtrockene Hiphop-Musik mit erfreulich wenig Gesang. Vielleicht überraschend: Der Film ist nicht zu hektisch geschnitten und zeigt nicht zu viele…

Rezension US-Südstaaten-Spielfilm: The Help (2011) – mit Trailer – 7 Sterne

Ja, der Film hat mich gut unterhalten, über 2:25 Stunden hinweg: Schöne Bilder, eine bewegende Geschichte, lebhaftes Spiel, sympathische Figuren, interessante Interieurs, trotz aller Tragik und Konflikte gut verdauliche Kost. Dazu passen die Film-Macher, die man auf der DVD in sehenswerten Begleitfilmen kennenlernt – Buchautorin, Regisseur, Produzenten, Schauspieler, sie alle sind Kindheitsfreunde und drehten in…

Nigeria-Roman: A Squatter’s Tale, von Ike Oguine (2000) – 6 Sterne

Squatter’s Tale wirkt nicht so sehr wie ein bündiger Roman: Es zerfällt in mehrere längere Episoden: das schnelle protzige Bankerleben in Nigeria, der ärmliche Einstieg in USA, die Romanze. Vor allem wirkt Squatter’s Tale wie eine Ansammlung von Begegnungen, teilweise in Rückblenden erzählt. Anekdoten in der Rahmenhandlung: In eine Rahmenhandlung packt der Autor zahlreiche kleinere…

US-Spielfilm: How Stella Got Her Groove Back (1998; mit Trailer) – 6 Sterne

Daran hatte ich Spaß: viele sonnige, lässig-unterhaltsame Momente unter Afroamerikanern im ersten Teil, intelligent pfiffige Dialoge (besser im englischen Original) einige schöne Kameraeinstellungen und Abläufe Hauptdarstellerin Basset und ihre Film-Schwester Regina King spielen klasse Weniger unterhaltsam schien mir: Hauptfigur Winston unklar definiert, von Taye Diggs zeitweise sehr hölzern gespielt Whoopie Goldberg spielt zu aufdringlich für…

US-Spielfilm: She’s Gotta Have It bzw. Nola Darling (1986, Regie Spike Lee; mit Trailer) – 6 Sterne

Stilistisch teilweise frisch und interessant, u.a. reden die afroamerikanischen Akteure gelegentlich in die Kamera, manchmal  innerhalb einer Szene sowohl untereinander als auch in die Kamera. Die Schnitttechnik ist jedoch äußerst konventionell, das Schwarzweiß nicht attraktiv, mitunter scheinen die Darsteller über sich selbst zu grinsen. Der Ton klingt besonders low-budget, der Jazz von Spike Lees Vater…