Rezension Komödie: Es begann in Neapel (1960, mit Sophia Loren, Clark Gable; mit Videos) – 7 Sterne

Fazit:

Unterhaltsame Wohlfühlkomödie mit gutem Witz, hinreißender Hauptdarstellerin und dito Kulisse.

Vorzüge:

  • Sophia, Sophia, Sophia, die hinreißende Sophia Loren als temperamentvolle la mamma und neckisch knapp gewandete Nachtbar-Diseuse
  • viel trocken sarkastischer Humor, den vor allem Clark Gable zum Vortrag bringt; ich habe in der ersten Hälfte ausgiebig gelacht
  • schöne Bilder von Capri und vom Nachtleben (Neapel spielt kaum eine Rolle); Süditalien in Technicolor
  • Vittorio de Sica (ja, der Regisseur) als ölig-galanter Rechtsanwalt, dem die Gesetze der Liebe mehr bedeuten als die Gesetze des Staats
  • ein paar nette Song&Dance-Einlagen
  • ein niedlicher, teils schon aufgesetzt niedlicher Kinderdarsteller

Schwächen:

  • abgehangene Klischees von bella Italia; am Ende bekommen auch Amerikaner ihr Fett weg
  • die Wandlung des bereits recht hüftsteifen und auch sonst unflexiblen Gable und seine Gefühle für Fernando und Lucia überzeugen nicht, auch wenn mich der Altersunterschied von rund 32 Jahren nicht arg stört
  • die deutschen Texte unterschlagen die Hälfte des Witzes, der deutsche Ton klingt schlecht wie eine Wochenschau; ich habe darum „Es begann in Neapel“ (Originaltitel „It started in Naples“) mit englischem Ton und englischen Untertiteln gesehen, so bereitet es weit mehr Spaß

Eine meiner Lieblingsszenen: Gable verlässt Lorens ärmliches Haus im Streit; von 20 Balkonen herunter beschimpfen ihn zornige Nachbarn in Kitteln und Unterhemd als „Americano“ und „Gangster“. Allerdings hätte ich mir zum glücklichen Ende eine Neuauflage des Szenarios gewünscht, in der ihn dieselben Figuren vom Balkon aus freudig willkommen heißen.

Hintergründe zum Film:

„It started in Naples“ war Gables vorletzter Film. Zu den Dreharbeiten erschien er vertragsgemäß pünktlich um neun. Um 17 Uhr meldete sein Armbandwecker Feierabend, dann ließ er alles stehen und liegen, sogar – kann das wahr sein – Sophia Loren in einer Liebesszene.

Die indische Filmindustrie hat die Handlung 1996 mit „English Babu Desi Mem“ (Der Junge aus England und das indische Mädchen) neu aufgelegt. Hier trifft ein snobistischer Auslandsinder auf dörfliche Inder.

Dieser Hindi-Film wird getragen vom männlichen Hauptdarsteller, Indiens Superstar Shah Rukh Khan. Allerdings wirkt „English Babu Desi Mem“ auch nach 90er-Jahre-Bollywood-Maßstäben billig gemacht, tischt selbstredend Prügeleien und Song&Dance en masse auf.

Bombay produzierte in den 90ern viel Besseres, dennoch bleibt „English Babu Desi Mem“ eine amüsante Klamotte, die auch durch ihren unfreiwilligen Trashfaktor unterhält. Allerdings: Obwohl mir Bollywood und Shah Rukh Khan meist lieber sind als Hollywood und Clark Gable, würde ich eher „…Neapel“ als „English Babu…“ ein zweites Mal ansehen.

Weitere sehenswerte alte Komödien aus Italien: Hochzeit auf Italienisch und – als US-Produktion aus Rom – Ein Herz und eine Krone.


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