Romankritik: Die Tagebücher des Adrian Mole: Die schweren Jahre nach 39, von Sue Townsend (2009, engl. Adrian Mole, The Prostrate Years) – 6 Sterne

Ein Gag jagt den nächsten in diesem Tagebuch-Roman, ich habe mich gut amüsiert. Sue Townsend (1946 – 2014), die einst mit Theaterarbeiten startete, liefert vor allem verblüffende, trockene Dialoge. Häufig greift Sue Townsend einen Witz drei Seiten später noch einmal auf und dreht ihn weiter – fast schon zu häufig. Das Ganze liest sich glatt und leicht, auch in der englischen Ausgabe (die deutsche Fassung kenne ich nicht).

Der Roman erntetes höchstes Lob von englischen Qualitätszeitungen wie Guardian oder Times. Doch dieser neunte und letzte Adrian-Mole-Schmöker ist unrealistisch und basiert auf grobgeschnitzten Typen – die Figuren reden entweder allzu vorhersehbar oder völlig unvorhersehbar: Der verkopfte, doch ewig naive Buchhändler Adrian Mole, 39; seine zunächst absurd aggressive, alles hassende & und essende schwer gewichtige Frau Daisy; seine zunächst alles begehrende, dann alle belehrende fünfjährige Tochter Gracie; Adrians quarzende Proll-Eltern. Dieses Personal spricht oft elegant und einfallsreich – witzig auf den ersten Blick, aber nicht realistisch.

Wer mit Politikern, Showfiguren, Pubs, Verwandten im Afghanistan-Einsatz und dem Gesundheitssystem in England groß wurde, findet hier viele köstliche Spitzen. Doch das stete Herumreiten auf Prostataleiden, Klinik und Therapie ermüdet. Leichte Anklänge an die englische Tagebuch-Schreiberin Bridget Jones.

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