Rezension Kurzgeschichten: Rock Springs, von Richard Ford (1987) – 7 Sterne – mit Kritikerstimmen

Acht der zehn der Kurzgeschichten spielen in Käffern in Montana, nahe der kanadischen Grenze, oft liegt Schnee in der Luft. Richard Ford schreibt über Arbeitslose, zerbrochene Ehen, leere Prärie, leere Herzen, Gleichgültigkeit, Gefängnis, Arbeitslosigkeit, Missouri, Wildnis, Jagen, Fischen und Autos, immer aus männlicher Perspektive. Frauen sind besonders unzuverlässig, und öfter reden jugendliche Ich-Erzähler aus kaputten Familien.

So monoton wie Landschaft und Figuren wirken auch die wiederkehrenden Motive. Dialoge und Stimmungen schildert Ford jedoch traumhaft sicher, wenn die Darsteller auch gelegentlich rätselhaft unzusammenhängend sprechen; dann hört man die Erzählerstimme aufdringlich raunen. Gelegentlich enden Geschichten unrund, einmal erzählt Ford nur eine mit Atmosphäre gestreckte Anekdote.

In späteren Ford-Büchern kehrt diese Montana-Provinzkulisse samt Tonfall und Jugendperspektive wieder – vor allem im kurzen Roman Wild Leben (1990) und in der Erzählung Eifersüchtig. Liebloses Herumtreiben schildert Ford aber auch in den Kurzgeschichten und Erzählungen aus Eine Vielzahl von Sünden und Women with Men, dort meist in Städten und Vorstädten. Das spöttisch-sympathische Parlando der Frank-Bascombe-Bücher erklingt in den zehn Rock Springs-Geschichten nicht.

Die Presse:

Ulrich Greiner in Text und Zeit:

… die bitterschönen Kurzgeschichten… ((Über die Figuren:)) … die mitten im Westen, im gottverlassenen Montana leben, in Rock Springs und in Great Falls und in Spokane, wie diese wunderbaren Orte so heißen, einsame, arbeitslose, desillusionierte und hartnäckig an das Leben glaubende Männer, die mit dem rechten Bein im Gefängnis stehen und mit dem linken morgens aufstehen, geborene Pechvögel, denen manchmal ein flüchtiges Glück im Motelbett oder auf der Rückbank eines Chevrolet winkt. Der Zufall setzt ihnen zu wie ein böser Geist, und sie haben nichts als ihre nackte Haut… lakonische Präzision

New York Times:

The stories of “Rock Springs“ are extremely concentrated, so a reader who pays attention not only wants to turn pages but to prolong them… Freudian archetypes lurking behind so many couplings suggest that incestuous longings as often as romantic ones fuel what passes for love in these stories… Voices, sentiments, the music of the prose, sensibilities of the characters have no peculiarly Western twang… the howling emptiness surrounding each amusement-park version of reality…

Kirkus Review:

Ford’s stories can be individually striking, but corralling them lessens the effect: they seem like the same story done over… Ford can never find the shut-off valve before delivering himself of some vague, portentous piety or other… But two stories are quite fine here

Publishers Weekly:

… an array of haunting, enduring images… these portraits of violence and betrayal among the unemployed and unmotivated in rural Montana present an almost relentlessly bleak picture of difficult lives, and the frequent presence of children as witnesses to their parents‘ disgraces further darkens the vision. It may well be too dark for many readers. The accessible appeal of Ford’s most recent novel The Sportswriter is missing here, in large part because the characters lack the wit and perspective that could give voice to their endeavors at self-awareness.


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