Tag Archive for Richard Ford

Kritik Kurzgeschichten: Irische Passagiere, von Richard Ford (2020, engl. Sorry for your Trouble) – 6,89/10 Sterne

Richard Fords Personal ist Ü30 bis Ü50, gehobene Mittelklasse, oft geschieden, teils (auch) verwitwet. Sie sind in Liebesdinge verstrickt. Serielles Heiraten generiert zuviel Personal auf der ersten Seite der Geschichte und dialogfreie, teils verschachtelte Rückblenden. Mehrfach schildert Ford ausgiebig Krankheit und Tod, so dass PW stöhnte: Ford’s unrelenting exploration of life’s bleakness and sadness makes…

Romankritik: Wild leben, von Richard Ford (1990, engl. Wildlife) –7 Sterne – mit Kritiker-Links

Ein 16jähriger in Great Falls, Montana, beobachtet in den 60er Jahren fast teilnahmslos, wie die Ehe seiner Eltern auseinanderbricht. Richard Ford kreiert einen ruhigen, fast apathischen, aber sehr genau beobachtenden Ich-Erzähler, der distanziert und initiativlos wirkt. Nur ein- oder zweimal zeigt er Gefühle, das klingt prompt kitschig. Trotzdem sind einige Szenen sehr spannend. Der kurze…

Rezension Kurzgeschichten: Eine Vielzahl von Sünden, von Richard Ford (2002, engl. A Multitude of Sins) – 7 Sterne – mit Presse-Links

In allen Kurzgeschichten spielt Ehebruch eine Rolle, gelegentlich nur als Nebenaspekt. Die meisten Kurzgeschichten haben rund 30 Seiten, einige sind deutlich kürzer, eine entpuppt sich gar nur als Witz, die letzte Geschichte geht über 65 Seiten (ich kenne nur das englische Original und kann die deutsche Übersetzung nicht beurteilen). Ford beschreibt meist intelligente Anwälte, Polizisten…

Rezension Kurzgeschichten: Rock Springs, von Richard Ford (1987) – 7 Sterne – mit mit Presse-Links

Acht der zehn der Kurzgeschichten spielen in Käffern in Montana, nahe der kanadischen Grenze, oft liegt Schnee in der Luft. Richard Ford schreibt über Arbeitslose, zerbrochene Ehen, leere Prärie, leere Herzen, Gleichgültigkeit, Gefängnis, Arbeitslosigkeit, Missouri, Wildnis, Jagen, Fischen und Autos, immer aus männlicher Perspektive. Frauen sind besonders unzuverlässig, und öfter reden jugendliche Ich-Erzähler aus kaputten…

Rezension Erzählungen: Der Frauenheld, Eifersüchtig & Abendländer, von Richard Ford (1996, engl. Women with Men) – 6 Sterne – mit Presse-Links

Richard Ford bringt im englischen Band Women with Men drei längere, nicht miteinander verbundene Erzählungen oder Novellen. Auf Deutsch erschienen die Stücke als separate Büchlein: Der Frauenheld bzw. Der Womanizer, Eifersüchtig und Abendländer. Ich kenne nur den englischen Dreierpack und kann die deutschen Übersetzungen nicht beurteilen; die drei Geschichten zusammen belegen in meiner englischen Ausgabe…

Rezension: Frank, von Richard Ford (2012, engl. Let Me Be Frank With You, Frank-Bascombe-Buch 4 von 4) – 7 Sterne – mit Presse-Links, Übersicht & Video

Anders als die drei vorhergehenden Frank-Bascombe-Bücher ist dies kein durchgehender Roman: Ich-Erzähler Frank Bascombe erscheint in vier gleichlangen Kurzgeschichten mit nicht verbundenen Episoden kurz vor Weihnachten 2006. Die Textmenge ist weit niedriger als bei den Büchern 1 bis 3. Fehlte dem Autor die Kraft, die Erzählungen in einen großen Roman zu packen? Jede der vier…

Rezension: Die Lage des Landes, von Richard Ford (2000, engl. The Lay of the Land, Frank-Bascombe-Buch 3 von 4) – 7 Sterne – mit Presse-Links

Wie in den vorangegangenen Bascombe-Romanen: Richard Ford schreibt eine Kette von Dialogen, unterbrochen durch viele Autofahrten voller Grübeleien und Rückblenden. Zwar lässt sich Die Lage des Landes auch einzeln konsumieren, doch wer Akteure wie den Wohnimmobilienmakler Bascombe, seine Ex-Frau Ann oder seine zweite Frau Sally näher kennen lernen möchte, sollte zumindest den unmittelbaren Vorgängerband Unabhängigkeitstag…

Rezension: Unabhängigkeitstag, von Richard Ford (1995, engl. Independence Day, Frank-Bascombe-Buch 2 von 4) – 8 Sterne – mit Presse-Links

Richard Ford schreibt eine Kette von Dialogen, unterbrochen durch viele Autofahrten mit Gedanken und Rückblenden. Ford bringt subtile, feinnervige Dialoge voller Zwischentöne. Nur ganz gelegentlich klingen die Gespräche zu smart geschriftstellert – dies gilt vor allem, aber nicht nur, beim Teenager-Sohn des Ich-Erzählers. Häufig klingen die Sätze des Erzählers wie elegante, kluge Sprichwörter, doch sie…

Rezension: Der Sportreporter, von Richard Ford (1986, engl. The Sportswriter, Frank-Bascombe-Buch 1 von 4) – 8 Sterne – mit Presse-Links

Ford schreibt mit vielen kleinen und großen Rückblenden. Die Haupthandlung schleppt sich lange dahin, gerät öfter aus dem Blick, und erst im letzten Fünftel kommt überraschend Zug in die Geschichte. Der Ich-Erzähler betont immer wieder seine Vorliebe für blutarme Gegenden – er wohnt bewusst im sterilen New Jersey, zuletzt im flachen Florida, und schildert sich…