Kritik Kurzgeschichten: Not a Star, von Nick Hornby – 8 Sterne – mit Video

In der Kurzgeschichte Not a Star sieht ein biederes Ehepaar völlig überraschend ihren 22jährigen Sohn in einem Pornovideo, und zwar mit gewaltigem Kopulationsorgan. Daraus entstehen hochnotamüsante Diskussionen des Ehepaars mit dem Sohn, mit Angehörigen und mit einer tratschenden Nachbarin. Die spektakuläre Anatomie des Juniors führt zu heiklen Vergleichen mit nahen Verwandten und uralten Liebschaften.

Not a Star:

Nick Hornby (*1957) schreibt gewohnt gelungene Dialoge. Im Gegensatz zu seinen anderen Büchern reden hier nicht smarte Städter oder hippe Rockfans, sondern biedere Vorstädter. Sie bleiben bei aller peinlichen Berührtheit stets bemüht umgänglich, sprachlich diskret, nicht konfrontativ. Das Lesen ist ein Vergnügen, und dass ein Autor hier eine Frau als Ich-Erzählerin einsetzt, stört nicht. Dann verpufft die Story plötzlich, als ob Nick Hornby die Lust verloren hätte.

Drehbuch-Routinier Hornby hatte vielleicht auch an eine Sitcom oder ein Theaterstück gedacht: die Geschichte spielt weitgehend in zwei Wohnungen, mit überschaubarem Personal. Man könnte die Handlung mühelos auf eine Wohnung eindampfen. Die Geschichte gibt’s nach meiner Übersicht (Januar 2021) nur als italienische Filmkomödie È nata una star (Amazon), mit italienischen Stimmen und Untertiteln auf Englisch oder Italienisch.

Otherwise Pandemonium:

In der Kurzgeschichte Otherwise Pandemonium erzählt ein betont cooler Teenager, wie er mit seiner alleinerziehenden Mutter in Kalifornien umzieht und es überraschend schafft, schon mit 15 mit einem Mädchen zu schlafen. Außerdem bringt die Fernbedienung seines Gebraucht-Videorekorders ein Science-Fiction-Element.

Wahrscheinlich ist der Teenie-Slang sehr realistisch und wegen der frühen Ankündigung zudem konstruiert spannend. Aber man muss den Ton, das Milieu und SciFi-Elemente auch mögen.

Die englische Berlitz-Ausgabe

Ich hatte die zwei Kurzgeschichten in der englischen Fassung mit deutschen Vokabelhilfen des Berlitz-Verlags (bei Amazon). Ich kenne also nicht die deutsche Übersetzung, die es einzeln unter dem Titel Not a Star als E-Book gibt (Amazon) oder in der deutschsprachigen Sammlung Small Country.

Der Berlitz-Verlag übersetzt selbst schlichte Vokabeln wie „excuse“ oder „except“ in der Randspalte, auf vielen Doppelseiten erscheinen zudem Kreuzworträtsel und andere Fragespiele zum Text. Ich selbst benötigte nur zwei Erklärungen, bei „in a rut“ und „prissy“. (Hornby gehört für mich zu den leichter auf Englisch lesbaren Autoren.)

Die vielen Erklärungen schlichter Wörter richten sich offenbar an Leser, die nur zwei oder drei Jahre Englischunterricht hatten – vielleicht Fünft- oder Siebtklässler. Ob diese Zielgruppe jedoch englische Stories über Pornos und Pimmelgrößen lesen soll? Zudem enthalten beide Geschichte auch vierbuchstabigen Unflat, „awesome“ übersetzt man mit „total geil“ (S. 27, S. 98).

Weil die übersetzten Vokabeln und Begriffe auch noch blau statt schwarz auf kleiner Fläche gedruckt werden, zeigt die Berlitz-Fibel ein äußerst unruhiges Seitenbild. Die Länge des – ich meine der Kurzgeschichten lässt sich kaum abschätzen wegen der vielen Zusatzelemente und der unruhigen Typografie; gefühlt jeweils nicht mehr als ca. 22 Seiten.

Freie Assoziation:

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