Oliver Maria Schmitt liefert einen passablen Ein- und Überblick mit vielen Fotos, Zeichnungen und Texten der Künstler von Pardon und Titanic, durchgehend in Schwarz-Weiß.
Das Buch hat jedoch gravierende Schwächen:
Es ist komplett unkritisch, ja verherrlichend, wie Autor Oliver Maria Schmitt im Vorwort selbst wortreich zugesteht; er preist Eckhard Henscheids ”stupende Virtuosität” etc. etc. etc.
Außerdem schwafelt Schmitt eingebildet mit immer neuen Wortspielchen und selbstgefälligen Schlenkern, die vom Inhalt ab- und die Aufmerksamkeit auf den originellen Autor lenken
Einige Karikaturen und Zeichnungen von Hans Traxler, Chlodwig Poth, F.K. Waechter und anderen erscheinen zu klein, die Schrift teils kaum entzifferbar. Zitierte Gedichte und Prosa sind kleiner und blasser gesetzt als der Lauftext.
Humor-Tumor:
Zu den schwerst erträglichen Schwurbeleien des Autors zählt der (S.67)
Humor-Tumor Neue Frankfurter Schule ((und)) sein unkontrolliertes, schrankenloses Wachstum
Banalere Beispiele (S. 68):
Nun, eines Tages geht Traxler im Wald spazieren. Warum auch nicht…
(S.87) Warum aber versteht sich das WimS-Herausgeber-Trio so schnell so gut? Warum ist es so sagenhaft, so sinnlos produktiv? Warum nur, warum?
Immer wieder angestrengtes Kalauern, verkrampftes Schielen auf Originalität:
Kunter und bunter werden die Pardon-Hefte und, wie wir alle: dicker. … ein nicht ungewaltiges Oeuvre… Anders als im Harz gibt es in Henscheids Werk gleich *zwei* große Brocken, neben dem belletristischen thront der zeitkritisch-essayistische… An einem Junitag des Jahres 1949 passiert es: Bernd Eilert kommt auf die Welt, und dort ist er bis heute geblieben.
Ist Schmitts gruseliges Dativ-e ironisch gemeint oder ernst?
beim Biere herumzublödeln… im Gruppenkreise… von einem anderen Werke Henscheids…
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Geschmacksverirrungen:
Autor und Ex-Titanic Chef Oliver Maria Schmitt (*1966) verzichtet löblich fast ganz auf eigene Auftritte im Buch und siezt den Leser. Allerdings nennt er
eine der wichtigsten und vornehmsten Aufgaben eines Satiremagazins: die sogenannten Grenzen des guten Geschmacks auszukundschaften, sich an sie heranzutasten…
Seltsames Verständnis, mir unverständlich. Ein paar Mal wird das Buch geschmacklos, aber nach dieser o.g. Prämisse hätte es schlimmer kommen können.
Oliver Maria Schnee Schmitt schreibt auch, dass Traxler vom Bundesgerichtshof als „Plagiator“ verurteilt wurde – nennt aber nicht das Strafmaß. Dass offenbar Traxler die Formel Helmut Kohl = Birne schuf, erwähnt Schmitt gleich zweimal im Traxler-Portrait, aber nur am Rand; die Weiterverbreitung des Ausdrucks bespricht er erst viel später.
Gelegentlich wird Schmitt überraschend doch analytisch, deutet auf stilistische und inhaltliche Entwicklungen und Besonderheiten:
Dieser melancholische Nonsens tapeziert das Gemüt auf befremdliche, trügerisch anheimelnde Weise. Zwischen den Protagonisten und ihrem Bewusstsein liegt ein Schleier, den der Zeichner für uns behutsam lüftet, seine Figuren freilich ahnen davon nichts.
Aber selbst manche Analyse tut weh, und nicht nur wegen des ewigen Lobpreis’:
die Hochkunst des Cartoons, hier ist sie bei sich selber angekommen…
Schmitt rückt F.K. Waechter in die Nähe von Max Ernst, “Max Ray oder Duchamp”.
Nach langen, banalen Henscheid-Zitaten folgt die Suggestivfrage:
Ist das nicht herrlich?
N.
Schmitt liefert auch interessante Einblicke in bundesrepublikanische Kulturgeschichte, kreative Prozesse und andere weniger bekannte Fakten: F.K. Wächter sei “der meistgespielte Kindertheaterautor der Republik”. Freilich bleibt bei vielen Arbeitsproben der Eindruck, die Künstler der neuen Frankfurter Schule verbreiteten nur tatsächlich nur “melancholischen Nonsens“ mit wenig Realitätsbezug.
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