Rezension Bild-Text-Band: Im tiefen Österreich, von Gerhard Roth (1990) – 7 Sterne

Gerhard Roth hat historische Fotos aus der südlichsten Steiermark gesammelt; dazu bringt er eigene Aufnahmen, die wohl zwischen 1977 und 1986 entstanden. Fast mehr Platz als die Bilder belegen die (luftig gesetzten) Erklärungen. Das Buch harmoniert bestens mit Roths Roman aus derselben Region, Der stille Ozean, ohne große Überschneidungen (beide gehören zum Zyklus Archive des Schweigens). Ein paar Häuser, Akteure und Details aus dem Roman finden sich offenbar in den Bildern, Roth weist aber nicht darauf hin.

Im Stillen Ozean betrachtet der Ich-Erzähler (wohl Roths alter ego) die Dinge unter dem Mikroskop, Im tiefen Österreich arbeitet Gerhard Roth “wie ein Archäologe”.

Dabei klingen die langen Texte manchmal ganz ohne die Bilder auch schon interessant – vor allem die Berichte über soziale Verhältnisse und das Leben der kleinen Leute. Seine Meinung über Österreich und Nazizeit trägt Roth vielleicht zu belehrend vor. Die historischen Bilder zeigen mehrfach frisch geschlachtete Tiere, überfahrene und erlegte Tiere und einmal erhängte Partisanen.

Die Bilder sind dezidiert unambitioniert gestaltet und manchmal unscharf. Dieses Schlichte, Amateurhafte verstärkt den dokumentarischen Charakter und harmoniert mit Roths schmuckloser Sprache. Lästig nur, dass zusammengehörende Texte und Bilder nie auf einer gemeinsamen Doppelseite erscheinen, man muss immer zwei Doppelseiten gleichzeitig betrachten. Das schmale Taschenbuch lässt sich in wenigen Stunden lesen und durchschauen.

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