Lese-Eindruck: Das Reich der Deutschen (2016, Spiegel-Buch, hgg. von Nils Klawitter, Dietmar Pieper)

Zu magazinig:

Laut Inhalt stammen die 33 Beiträge von „Vorwort“ bis ‚“Preußen muss untergehen'“ von 20 Autoren (ich gendere nicht) (deshalb bin ich auch arbeitslos). Die Artikelsammlung erschien zuerst im Heft Spiegel Geschichte 3-2016 – und das ist gebraucht deutlich teurer als die Hardcover-Buchfassung.

Ich hatte das Hardcover, und es wirkt zu magazinig: Die Aufsätze über gut 1000 Jahre in deutschen Landen wirken unverbunden, es entsteht kein Fluss. Die Magazinmacher fokussieren auf originelle oder gendergerechte Randfiguren, mühen sich kaum um Gesamtüberblick.

Die Textkästen des ursprünglichen Magazins erscheinen im Hardcoverbuch grau unterlegt – naja. Auch Infokästen im Rähmchen irritieren. Das Buch bietet zudem nur SW-Abbildungen, diese jedoch in guter Qualität, darunter auch Schaubilder und Karten.

Die Themenwahl erscheint eigenwillig. Sie passt zu einem Magazin, das originell sein will, aber weniger zu einem Buch namens „Das Reich der Deutschen“: So gibt es Überschriften oder Untertitel zu „Äbtissin Mathilde“, „Walther von der Vogelweide“, die „Essener Reichsäbtissinnen“, „Madame de Staël“, „Ulrich von Hutten“, „Fontane“, „Turnvater Jahn“ und zweimal „Goethe“ – aber Martin Luther fehlt (er hat ein paar Einträge im Personenregister).

Einzelne Artikel:

Auch einzelne Artikel sind zu journalistisch quirlig. Der rund 15seitige Einstieg von Nils Klawitter gibt zwar einen ersten Überblick über alle gut 1000 Jahre, beginnt aber konfus. Auf den ersten zwei Seiten begegnen der Reihe nach:

  1. Ende Heiliges Römisches Reich 1806
  2. vorletzte Kaiserkrönung 1790
  3. wieder 1806
  4. Otto I. im Jahr 962

Mehrfach erkennt man zu Beginn der Artikel die Epoche nicht – es gibt keine Jahreszahlen in Überschriften, in lebenden Kolumnentitel oder als Pflichtelement im ersten Absatz. Zwei Beispiele:

  • Auf Seite 103 beginnt der Aufsatz über Karl IV. Die erste Seite verrät, dass er 1,73 groß war – aber weder Geburts- noch Todesjahr.
  • Das Interview auf S. 154 beginnt: „Insgesamt fast 400 Jahre lang stellten die Habsburger die Könige und Kaiser.“ Aber wir erfahren weder den konkreten Zeitraum noch den Ort.

Sowas kann man sich mit Glück aus der Zeittafel am Buchende rausklauben, aber es gehört auch in den Haupttext.

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