Kritik Sachbuch: Die Schönheitsgalerie König Ludwigs I., von Gerhard Hojer (1979) – 7 Sterne

Die sehr faktenreiche, dichte Einführung erklärt die ursprüngliche Hängung der Bilder im Festsaalbau der Münchner Residenz, zeigt ein Foto von 1937 und zum Vergleich eine Schönheitengalerie aus Versailles. Der Autor nennt andere Portraitsammlungen Ludwigs (Künstler, Wissenschaftler, teutsche Helden) und andere Schönheiten- und „Mätressengalerien“ seit der Antike, zum Teil vielleicht Inspiration für Ludwig I.

Schönheit und Geist:

Fast schon grimmig unterstreicht Autor Gerhard Hojer, an den Portraits habe nicht „der haut gout biographischer Details“ zu interessieren:

Die oft verworrene, oft tragische, manchmal skandalöse Einzelbiographie der Dargestellten ist für die Galerie ohne Bedeutung

Schließlich sei die Schönheitsgalerie kein (wie Heinrich Heine lt. Hojer spottete) „gemalter Harem“, die Bekanntschaft König-Dame zumeist rein platonisch. Hojer treuherzig:

Die weitaus größte Zahl der Porträtierten wurde nach rein ästhetischen Kriterien ausgewählt. Daß einige der schönen Frauen auch im Leben des Königs eine Rolle spielten, durch Charme, Geist und Persönlichkeit ihn tief beeindruckten, dies ist kein Gegenargument, sondern ein Zeichen dafür, daß Schönheit und Geist sich nicht ausschließen.

Biografische Magerkost:

So gibt es zu den meisten Portraitierten nur wenige Zeilen biografische Magerkost – Geburts- und Todestag, Ehemann, Kinder. (Cornelia Oelwein schrieb ein ganzes Buch über Die Lebensgeschichten der Damen aus der Schönheitengalerie König Ludwigs; bei Amazon.)

Ausführlicher stellt Hojer nur Marianna Florenzi und vor allem Lola Montez vor, sie sogar überflüssig doppelt im Einstieg und beim Einzelbild – warum eigentlich, schließlich hat sie wie die meisten anderen auch nur ein Bild in der Serie und keine kunstgeschichtliche Eminenz.

Unter der Kurzbio erscheinen Zeilen zu Entstehungsjahr und Bezahlung des Gemäldes. Einige gestalterische Aspekte kommentiert Hojer gerafft im Einstiegslauftext statt neben den Bildern – Besonderheiten und Trends bei Körperhaltung, Hintergrund, Gesichtsausdruck und Textilmode.

Über Stielers Leben und Maltechnik sagt der Autor sehr wenig – und er nennt Stieler nicht als Co-Urheber auf dem Titel.

Die Abbildungen:

Der Autor betont

die Reproduktion erstmals aller 36 Bilder der Schönheiten in Farbe und die Wiedergabe des originalen Bildformates, ohne die übliche Amputation der Malfläche.

Pro Dame gibt’s eine Doppelseite: links die biografische Magerkost, rechts das Farbbild. Es belegt mit Rahmenkante (stets sichtbar) etwa 11,7 x 12,7 Zentimeter Kunstdruckpapier, ohne Rahmen etwa 10,3 x 12,3 Zentimeter. Dabei sieht man vom Rahmen nur die innerste Leiste jeder Seite – das Foto der Galerie von 1937 zeigt die volle Breite der Rahmen.

Im Buch umgibt jedes Gemälde mindestens 2,5 Zentimeter Papierweiß – man könnte es also etwas größer zeigen, zuungunsten von Weißraum.

Zu den Scans heißt es nur:

Die Vorlagen zu den Abbildungen stammen aus dem Archiv der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München.

Dort arbeitete der Autor. Ginge es heute besser? Auf mich wirken die Abbildungen passabel, vielleicht etwas zu dunkel und konstrastreich, aber ich kenne die Originale nicht. Links und rechts wirft der Rahmen einen dünnen, harten Schatten aufs Bild. Pinseltexturen sind nicht zu erkennen, allenfalls Krakelee.

Ich hatte die 4. Auflage 1997, Hardcover Vlg. Schnell & Steiner, ISBN 3-7954-1103-3.

Assoziation:

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