Sehr aufwändige Doku über das Leben des Südtiroler Extrem-Bergsteigers (*1944) von frühester Kindheit bis zur Nordpol-Expedition. Regisseur Andreas Nickel lässt viele Situationen nachspielen und die Bilder aus den 60er Jahren zusätzlich abtönen, so dass sie noch älter wirken.
Stark dramatisiert:
Dazu gibt es abgehangene Bergfilm-Stilmittel: dramatische Luftaufnahmen mit Kreiselkamera (auch auf der Webseite zum Film), pompöse Musik, schwindelerregende Perspektiven und Zeitraffer-Wolken. Das sonst übliche Voice-over in dramatisch dräuendem Bariton fehlt zwar, doch zum Ausgleich kredenzt der Regisseur Split-Screens, zu Beginn rasende Schnittfolgen, Jumpcuts und immer wieder Bob Dylan; es wird fast schon so aufdringlich wie im pompösen Bergfilm Mount St. Elias. Mitunter entstellen dramatische Nebengeräusche die Stimmen der Sprecher.
Vor allem in der ersten halben Stunde wirkt die Doku weitaus zu effektheischend – auch weil Nickel hier aus Messners Jugend besonders viele Spielszenen zeigt. Allerdings sind die Rolle der Eltern sowie Bergleidenschaft und Wagemut schon im Kindergartenalter interessant und aufschlussreich.
Später beruhigt sich die Bildsprache etwas, bleibt aber betont eindrucksvoll. Einige nachgespielte Szenen mit Todesgefahr (u.a. zum Verlust des Bruders Günther am Nanga Parbat 1970) wirken über Minuten hin spannend.
Viele Hintergründe bleiben ungenannt:
Am besten ist der Film wohl für Messner-Kenner, die die Grundlagen schon beherrschen: Denn dass Messner mehrere Brüder hat, muss man selber erschließen. Diese Brüder erscheinen immer wieder mit Interviewausschnitten, aber Name und Beruf meldet der Film nur beim jeweils ersten Auftritt (die Beziehung zu Reinhold Messner wird gar nicht genannt).
Auch von Frauen ist nicht viel zu hören. Von Messners erster Frau erfahren wir, dass die Trennung von ihr Messner für Jahre aus der Bahn warf – und sonst nichts. Dann taucht noch eine attraktive Expeditionsärztin auf, die laut Film eine Zeitlang Ärztin und Freundin ist, aber weitere Beziehungen und Kinder gibt es nur auf Wikipedia. (Dass Reinhold und Günther Messner als junge Männer von Reinhold Messners eigenen Söhnen gespielt werden, wird auch erst durch Wikipedia ganz deutlich.)
Wie fing Messner an, Geld mit Bergsteigen zu verdienen? Kein Wort davon. Er wollte einfach frei sein.
Kritik von Luis Trenker:
Messner und Nickel kennen sich durch mehrere Filmprojekte seit 2002. Vielleicht wollen sie weiter zusammenarbeiten. Von Messners Vermarktungstechniken, Firmen und der Zeit im Europäischen Parlament berichtet Nickel gar nicht, auch nicht vom Eintreten für den Münchner Flughafenausbau, und Messners sonst oft zu beobachtende Selbstherrlichkeit tritt im Film nicht auf.
Kritik an Messner bringt der Messner-Film nur einmal kurz – von Luis Trenker. Messner sagte dazu der FAZ, dass der Trenker-Ausschnitt auf seinen Wunsch in den Film kam (merke: Messner ist selbst bei Gegen-Stimmen Herr des Verfahrens) und giftete gleich noch zurück.
Regisseur Nickel schuf eine gefällige, selektive und weit übertrieben effektheischende Doku, die viele Preise erhielt und in der zweiten Hälfte Spannung erzeugt.
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