Romankritik: Dshamilja, von Tschingis Aitmatow (1958) – 7,5/10

Buch unter Baum

Dshamilja wartet darauf, dass ihr Verlobter aus dem Krieg zurückkehrt.  Er liegt im Lazarett und ist wahrscheinlich nicht zu schwer verletzt. Doch schließlich zieht Dshamilja mit einem anderen Mann davon, brüskiert ihren Zukünftigen und dessen Familie, bei der sie wohnt. Dies berichtet fast wohlwollend der Ich-Erzähler, der kleine Bruder des gehörnten Verlobten.

Die Geschichte erzählt hoch atmosphärisch von einem einsamen Kirgisendorf im Krieg. Unentwegt riechen Pflanzen, Tiere, Agrarprodukte, knallt die Sonne, klatscht der Regen, plagen sich Dörfler auf Feldern und Pferdekarren. Länger dürfte die kleine Novelle nicht sein, sonst wäre es zu viel. Dazu kommt die spannungsreiche Wandlung Dshamiljas von der treu wartenden Verlobten zur abtrünnigen Eheflüchtigen. Ihr Neuer ist eine aufdringlich tragische und allzu isolierte Figur.

Nicht recht verwinden konnte ich, wie der kleine Bruder des betrogenen Verlobten Dshamiljas Untreue einigermaßen gefällig begleitet. Die vielen kirgisischen Ausdrücke geben Lokalkolorit und etwas Verwirrung.

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