Nelson George erzählt nüchtern, vereinzelt sarkastisch bis flapsig, gut lesbar und ohne Blabla, mit immer überraschenden Themen- und Personalsprüngen ohne jedes Unterkapitel oder doppelte Zeilenschaltung. In stetem Wechsel folgen fast übergangslos Portraits, Aufnahmetechnik, Organisation, Tourneen, Motowns Marketing. Der Haupttext hat nur rund 230 Seiten, gefühlt liest man aber Inhalt von 350 oder 400 Seiten, ohne sich zu langweilen.
Schon die ersten Kapitel über die sehr interessanten und geschäftstüchtigen schwarzen Vorfahren des Motown-Gründers Berry Gordy, zunächst in Georgia, dann in Detroit, lesen sich klasse mit der richtigen Mischung aus Detail und Zusammenfassung. Meine englische 2003er Taschenbuchausgabe von Omnibus Press zeigt viele Schwarz-Weiß-Bilder – jedoch nur von bekannteren Motown-Musikern, nicht von der hochinteressanten Familie des Gründers, auch nicht von weniger bekannten Künstlern oder von reinen Managern wie dem Weißen Barney Ales.
Vielleicht gründet der Mangel an Familienfotos auf Berry Gordys Abneigung gegen Buchautor Nelson George (*1957), der im Vorwort mokant “Motown’s aggressive non-cooperation” anführt. Dass Berry Gordy Georges sehr konzises Motown-Buch nicht liebte, liegt sicher an immer wieder spitzen Sätzen wie
Berry wore expensive if poorly cut suits, had a confident, commanding air, and a rapid, self-important strut.
Ganz zu schweigen von den Andeutungen über organisierte Kriminalität, von denen Nelson George gleichwohl sagt, dass Belege fehlen.
Während sich Nelson George Spott über Barry Gordy nie ganz verkneift, lobt er Smokey Robinson über den Klee, vor allem dessen Texte, die er mit einem hohen Lob des Nobelpreisträgers Bob Dylan garniert. Robinson wird ausführlicher vorgestellt als andere Künstler; seine Musik untermalte, glaubt der Autor,“lovemaking sessions throughout America”.
Nelsons Buch erschien 1985, meine neuere Ausgabe hat ein Vorwort des Autors von 2003. Inhaltlich aktualisiert wurde die 2003er-Ausgabe jedoch nicht, obwohl das 2003er Vorwort viele Neuerscheinungen zum Thema Motown erwähnt. Die Vorwörter von Quincy Jones und Robert Christgau klingen erschreckend hohl im Vergleich zum faktensatt unterhaltsamen Parlando des Haupttexts.
Assoziation:
- Das Stax-Buch von Robert Gordon; in seinem Motown-Buch erwähnt Nelson George das Stax-Label aus Memphis ernsthaft erst ab Seite 146 (in den Mitt60ern) mit Motowns ”counterattacks on Stax”, und gar nicht in einer Auflistung erfolgreicher unabhängiger Plattenlabel mit schwarzer Musik Anfang der 60er
- Das von den Motown-Künstlern Diana Ross and the Supremes inspirierte Film-Musical Dreamgirls (Autor George erwähnt das Musical, nicht den später erschienenen Film)
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