Romankritik: Alle die du liebst, von Georg M. Oswald (2017) – 3 Sterne

Oswalds Ich-Erzähler redet in schmucklosem bis fadem Deutsch. Die Dialoge klingen teils ausgesprochen hölzern und leblos. Vor diesem Buch hatte ich Herrndorfs Tschick gelesen, das ist um Klassen besser geschrieben.

Oswalds Hauptfiguren verhalten sich angesichts des Umfelds teils ziemlich unklug und reden sehr unglaubwürdig. Von Anfang an hängen Bedrohungen aus allen Richtungen über dem Ich-Erzähler Wilke, einem reichen Wirtschaftsanwalt:

  • In Afrika legt er sich dümmlich mit großen und kleinen Autoritäten an,
  • seine Ex-Frau will ihn per Scheidung ruinieren,
  • eine ehrgeizige Staatsanwältin will gegen sein Geschäftsmodell klagen,
  • die 25 Jahre jüngere Freundin denkt scheint’s auch manchmal an den Absprung
  • das Verhältnis zum Sohn ist gestört

Nur eine heimtückische tödliche Krankheit hat oder erblindet ist er nicht. Auch die Gliedmaßen funktionieren noch samt und sonders, wie wir erfahren und wie im Roman per Handykamera festgehalten wird.

Dieser weiße und schnell zornige Mann im bedrohlichen, düsteren Afrika erinnerte mich vage an die Afrika-Bücher des mittleren V.S. Naipaul, In a Free State und An der Biegung des großen Flusses; auch der unsichtbare mächtige Mann im Hintergrund erinnert deutlich an Naipauls Flussbiegung; doch Naipauls Werke haben viel mehr Leben und Gravitas, wirken weniger zusammengesteckt. Bei Oswald (*1963) wird Ostafrika nie lebendig, es erinnert eher an ausgedachtes Retorten-Afrika wie in Saul Bellows Regenkönig.

So ärgerte ich mich zeitweise über drei Mängel zugleich:

  • schlechte und unrealistische Sprache
  • unrealistisches Verhalten
  • wenn nicht unrealistisch, dann haarsträubend dumm von einem angeblichen brillanten Anwalt (über flache Dummköpfe muss ich in einem Roman nichts lesen)

Gegen Ende gibt es noch ein kleingerechnetes, aber lang gezogenes James-Bond-Finale, in dem die Hauptfiguren von einer lebensbedrohlichen Kalamität in die nächste rasseln, wiederum blutarm erzählt, teils vage, teils unrealistisch. Weglegen kann man das Buch hier aber auch nicht; ich fieberte der letzten Seite entgegen.

Dort wurde mir etwas anderes klar: Der in Afrika lebende Sohn der Hauptfigur ist handlungsentscheidend; allerdings agiert und redet er so dämlich, dass ich ihn als Sonnenstich-Opfer sah. Erst als sein Vater auf den letzten, absurden Buchseiten in die Fußstapfen des Sohns tritt, merkte ich, das muss _vererbte_ Dämlichkeit sein.

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