Asien-Memoiren 1949 – 1979: My House Has Two Doors, von Han Suyin (1980) – 3 Sterne

Dieser vierte Band von Han Suyins Memoiren wurde in späteren Ausgaben auf zwei Bände verteilt:

  • Memoiren 4.1: My House Has Two Doors
  • Memoiren 4.2: Phoenix Harvest (ursprünglich der hintere Teil der ersten Ausgabe von My House Has Two Doors; lt. Innentitel Volume 2 of My House Has Two Doors)

Überheblich, aber mit Fehlern:

Suyin schreibt hier recht selbstgefällig und betont gern, wie ihre ärztlichen Diagnosen die der Kollegen übertrafen. Dabei klingt ihr Buch, als ob sie unter Zeitdruck geschrieben und nicht noch einmal drübergelesen hätte:

Es gibt einige Tipp- und auch deutlichere Grammatik- und offenkundige Sinnfehler, die wohl auch im Lektorat niemand korrigieren mochte; mindestens zwei Sätze waren ganz kaputt. Es klingt ganz anders als Suyins lyrisches, imaginatives, stets fesselndes Alle Herrlichkeit auf Erden (engl. Love Is a Many-Splendoured Thing).

Keine Details zum Erfolgsroman:

Wer hier die „wahre Geschichte“ hinter Alle Herrlichkeit auf Erden lesen wollte, wird enttäusch: Über ihre zum Bestseller verarbeitete und dann verfilmte Beziehung zu dem Journalisten Ian Morrison verrät Suyin (ca. 1916 – 2012) wenig. Vermutlich geht sie davon aus, dass wir den Roman selbst lesen und alles für bare Münze nehmen.

Suyin liefert aber interessante Details aus dem Schreib- und Vermarktungsprozess ihres ersten Romans. So verkaufte sie die Filmrechte erst, als eine teure TBC-Behandlung für ihre Adoptivtochter Yungmei anstand.

Chinesisches steht im Vordergrund:

Wie schon in Alle Herrlichkeit auf Erden, interessiert sich Suyin vor allem für Chinesisches, das stets auch in einem guten Licht erscheint – einschließlich der „Befreiung“ durch Zhou En-Lais Truppen. In Malaysia schreibt sie vor allem über die Lage der dortigen Chinesen, und ihre Reisen nach China nehmen im Vergleich zu anderen Regionen überproportional viel Platz ein.

Sie erwähnt die Maßnahmen gegen den Intellektuellen Hu Feng kurz – dass er aber fast 25 Jahre im Gefängnis verbringen musste, verschweigt sie. Auch den großen Sprung nach vorn schildert sie tendentiell positiv, trotz Millionen Toter.

Auffällig auch: Während die Abschnitte über Hongkong und Malay(si)a hingehuscht wirken und kaum Dialog enthalten, bringt der China-Teil erstmals Dialoge, genauere Beobachtung, deutlich mehr Atmosphäre. Davon hat etwa der Malaysia-Teil zu wenig: Jede Kurzgeschichte von W. Somerset Maugham macht Malay(si)a lebendiger als Suyin, die dort mehrere Jahre verbrachte (mit einem Mann, den sie nicht liebte und abstieß, sobald sie einen besseren fand).

Kein großes Interesse an Südostasien:

Letztlich wirkt Malay(si)a eher wie ein Basislager, von dem aus sie immer wieder nach China und nach Indie aufbricht. In Südostasien bekommt lediglich Suyins Engagement für die Nanyang-Uni in Singapur etwas mehr Aufmerksamt – ein Institut, das sich speziell an Chinesen richtet; der China-Fokus ermüdet auf Dauer. Ihre Kambodscha-Reisen erwähnt Suyin nur mit wenigen Wörtern, obwohl ihr Roman The Four Faces dort spielt.

Suyin traf reihenweise wichtige Zeitgenossen und liefert lange Namenslisten ihrer Begegnungen, oft ohne tiefergehende Beschreibungen. Sie sprach mehrfach mit Jawaharlal Nehru wie auch mit Zhou En-Lai und versuchte im China-Indien-Konflikt der 60er Jahre zu vermitteln, offenbar ohne Ergebnis.

Doch besonders interessant wirkt ihre Erzählung nicht: Suyin lobt zwar nicht alles Chinesische generell, bezieht aber dennoch sehr einseitig eine pro-chinesische Position, der sie alles andere unterordnet. Darum habe ich das letzte Sechstel des Buchs nicht mehr gelesen. Laut Inhaltsverzeichnis befasst sich auch der separate Teil Phoenix Harvest vor allem mit China; ich hatte diesen Band schon zuhause, habe aber nicht mehr hineingelesen.


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