Krimi-Roman: München Blues, von Max Bronski (2008) – 5 Sterne

Trödelhändler, Hobbydetektiv, Schlägertyp, Rächer der Enterbten, Frauen- und Staatssekretärsflüsterer

Coole Sprüche kloppt er gern, der Bronski Max, und oft klappt das Kloppen auch, aber manchmal geht’s daneben:

Da wird der selbstherrlich lässige Ich-Erzähler Gossec vom Mongolen-Adi derb verprügelt, rettet sich auf die Straße – und dann gelingt ihm nur ein „Mongolen-Adi hatte mir eine deftige Lektion erteilt“? Schwach im Abgang. In anderen Fällen gerinnt die Lockerheit zu betont beiläufiger Vulgarität.

Das störte mich doch:

Das untere Viertel von Seite 62 (SZ-Ausgabe) hat zwei Grammatikfehler. An mehreren Stellen scheint die Handlung unangenehm unplausibel und die gesamte Persönlichkeit des Ich-Erzählers wirkt konstruiert: Trödelhändler, Hobbydeketiv, Prügelheld, Rächer der Enterbten, Frauen- und Staatssekretärsflüsterer.

Das langweilige musikalische Ende wirkt wie drangeklebt, um den Titel „München Blues“ zu rechtfertigen. Ich bin fast überrascht, was die Süddeutsche Zeitung („Seien Sie anspruchsvoll“?) hier serviert.

Naja:

Nett unterhalten hat mich das Bändchen gleichwohl. Manch cooler Spruch funktioniert ja auch über der Gürtellinie, und die alten Knaben mit ihren Kramläden, Internetanschlüssen und Haschtüten wuchsen mir ans Herz. Rasende Spannung kam zwar nicht auf, doch Bronski hielt mich durchaus über 140 Seiten (SZ-Ausgabe) bei Laune.

Einige Lektionen übers Münchnerische tragen nichts zur Geschichte bei, aber Bronski musste sie wohl loswerden. Besonders münchnerisch wurde mir nie ums Herz, trotz Oktoberfest, Weißwurstzuzeln und Immobilienhaien. Die vielen überflüssigen Münchner Straßen- und Stadtteilnamen – mehr als in jedem haushaltsüblichen Großstadtroman – verdanken sich wohl dem Geschäftsmodell „Regionalkrimi“.

Insgesamt sind mir Wolf Haas‚ österreichische Brenner-Krimis wie Silentium! lieber und sie schaffen auch mehr Lokalatmosphäre. Authentischer als das Münchnerische wirken bei Bronski die Einblicke in staubige Trödelhändler-Sachzwänge; nicht uninteressant.

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